Neustadt Herausragen aus der Bilderflut

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NEUSTADT. Einen eindrucksvollen Querschnitt ihres diesjährigen Schaffens präsentieren 13 Teilnehmer des Fotoforums Neustadt – so viele wie noch nie! – seit Montag in der Neustadter Stadtbücherei. Ein Generalthema gab es nicht, vielmehr sind diesmal die gelungensten Beispiele aus fünf konträren Themenkreisen zu sehen: Himmel, Food, Holz, Gelb und Sakrales. Bearbeitet wurden sie von der zirka 25 Mitglieder umfassenden Amateurgruppe jeweils in einem Zeitraum von zwei Monaten, erklärt Michael Metzger, der neue Leiter des Kurses.

Bei der Eröffnung am Montagabend unterstrich Dagmar Fries seitens der Neustadter Volkshochschule, wo das Fotoforum sein Zuhause hat, den besonderen Charakter diese Zusammenschlusses. Dies sei kein klassischer Kurs zum Wissenstransfer, sondern ein kreativer Erfahrungsaustausch. In der gemeinsamen Beschäftigung mit Fragen der Fotografie förderten die Teilnehmer sich gegenseitig. Kulturdezernent Ingo Röthlingshöfer betonte, dass angesichts der täglichen millionenfachen Bilderflut die künstlerische Fotografie unter Legitimationsdruck gerate. Die Ausstellung zeige aber, wie dank ästhetisch-visueller Weiterbildung und in partnerschaftlicher Zusammenarbeit echte Kunst entstehen könne. Die Kardinalfrage, ob analog oder digital fotografiert werde, stellt sich hier übrigens nicht mehr. Alle Teilnehmer fotografieren inzwischen vorwiegend digital und verzichten zumeist auch nicht auf digitale Nachbearbeitung ihrer Aufnahmen. Beim Rundgang durch die Ausstellung bildet gleich am Anfang Gerhard Selkes „Mandelbäumchen“ einen Blickfang. Allerdings ist es nicht wie bei der Werbung für das entsprechende Gimmeldinger Fest in gleißendem Sonnenlicht und schwelgerischen Farben abgebildet, sondern vor düsterem Himmel, den eine weiße Wolke und das zarte Rosa der Blüten aufheitert. Wie Selke erläutert, hat er das Bild mit dem Entsättigungsprogramm Aperture entwickelt. Unter seinen weiteren, im Inneren der Ausstellung gezeigten Exponaten sei „Weinkeller“ hervorgehoben. Die dunklen Holzfässer sind mit Kerzen eindrucksvoll beleuchtet und mit langer Belichtungszeit aufgenommen. Mit drei Aufnahmen zum Thema Food überzeugt Kursleiter Michael Metzger: rot leuchtender „Mangold“ auf einem Glastisch, nachbearbeitet im Light Room, der wie früher die Dunkelkammer unentbehrlich ist, eine Knoblauchzwiebel in ungewöhnlich gewundener Form sowie eine vergrößerte Basilikumpflanze in leuchtendem Grün. Das Thema Holz inspirierte Mark Piontek, dessen Ziel es ist, „Unsichtbares zu ordnen“, zu zwei kontrastreichen Impressionen. In dem Bild „Kisten warten auf Erdbeeren“ scheint sich vor der Silhouette des Haardt-Gebirges ein Stapel leerer Kisten bis hinauf in den wolkenbedeckten grauen Himmel zu türmen. Ebenfalls in Schwarz-Weiß gehalten ist „Strandgut“. Imposant geformte, an ein Untier erinnernde Baumstämme vermitteln Vergänglichkeit. Mit drei Aufnahmen zum Thema „Nebel im Herbst“, auf Spaziergängen durch den Pfälzer Wald eingefangen, überzeugt Theo Pfaff. Unter den vier Exponaten von Stefan Leiser sei zum Thema Sakrales das Bild „Kirche“ hervorgehoben, das unter der hohen Kuppel den Blick auf eine gewaltige Orgel lenkt. Als spielerischer Kontrast wirkt zum Thema Gelb die Aufnahme „Elefant“, die dank Blendeffekten Kinderspielzeug so plastisch darstellt, dass Elefant und Giraffe lebendig zu werden scheinen. Vergänglichkeit pur bannte Brita Leiser in ihren Fotografien zum Thema Sakrales. „Friedhof“, in England entstanden, zeigt eine Reihe umgestürzter Grabsteine vor einer gotischen Kapelle, als Gegengewicht zu den öden Grautönen weckt das Grün des Rasens Hoffnung. Einen lebensfrohen Kontrast bildet die Langzeitaufnahme einer knackigen Erdbeere zum Thema Food. Mit einer Reihe eindrücklicher Aufnahmen besticht auch diesmal Jürgen Schwärzel. Faszinierend die in Naturfarben gehaltene und nicht digital nachbearbeitete Aufnahme „Gelb und Ocker in der Provence“ des geologisch interessierten Fotografen, die vor dem Hintergrund einer leuchtend gelben Steilwand den von einem dunklen Stein gekrönten Ockerfelsen festhält. Auf „Ufo“ bannte Schwärzel bei einer Bergwanderung in Graubünden vor einem V-förmigen Bergrand eine weiße Wolke, die wie ein Alien-Raumschiff am blauem Himmel schwebt. Zum intensiven Betrachten regen auch Schwärzels Holz-Aufnahmen an. Bernd-H. Mencks Vorliebe für ausgefallene Blickwinkel beweist unter anderen sein Bild „Hochhaus-Stelen“. Die auf der Landesgartenschau in Landau aufgenommenen Holzstelen erscheinen wie eine Ballung nach hinten immer farbiger werdender Hochhäuser. Am äußeren Rand der Ausstellung ist die Aufnahme „Herbst“ zu sehen, ein Graustufenbild mit einem neongelb getönten Walnussbaum, auf den die Feldzeilen diagonal zulaufen. Ihren Sinn für schrägen Humor beweist Stefanie Zehfuß auch diesmal. Auf „Tatort mit Nikolaus“ bannt sie zum Thema Food einen durchbohrten Schokoladen-Nikolaus inmitten seines (marmeladigen) Blutes. Die Schönheit und Einzigartigkeit des Augenblicks versuche sie mit ihrer digitalen Spiegel-Reflex-Kamera in ihren Bildern festzuhalten, so auch in der Aufnahme „Bergbahn Heidelberg“. Der Betrachter“ fühlt sich in eine gelbe Röhre versetzt, an deren Ende ihn ein strahlend-helles Licht erwartet. Mit dem ausdrucksstarken Porträt „Junge Kohlmeise“ erfreut Doris Karbach. Das Thema Food bedient Uwe Steiner überzeugend mit „Ostereier“ und „Walnüsse“. Auf letzterer Aufnahme prangen umgeben von ganzen Nüssen vier Walnusshälften, deren Strukturen er höchst anschaulich und kunstvoll bannt. Eine andächtige Stimmung vermittelt die Aufnahme „Symmetrie“ zum Thema Sakrales von Wilhelm Schrott, die in einer menschenleeren romanischen Kirche den Altar ins Zentrum rückt. Auf andere Weise stimmungsvoll ist sein Bild „Himmel früh morgens“. Vor dem in zartes Rot getauchten Morgenhimmel ragt vor der Silhouette des Haardtrandes der Geinsheimer Wasserturm empor. Zwei markante Beispiele der Panoramatechnik präsentiert Wolfgang Frohnweiler. Die Schönheit von Fluss- und Industrielandschaft verbindet er eindrücklich in den großformatigen, mit Superweitwinkel aufgenommenen Panoramafotografien „Abend am Rhein“ und „Abend am Main“. Die Ausstellung Die Ausstellung des Fotoforums Neustadt ist noch bis Samstag, 21. November, zu den normalen Öffnungszeiten in der Stadtbücherei Neustadt zu sehen. Die Mitglieder treffen sich jeden dritten Freitag im Monat von 18 bis 21 Uhr in der VHS Neustadt, Hindenburgstraße 9a, Raum 206.

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