Neustadt „Heimatabend einmal anders“

„Heimatabend einmal anders...“ lautet in diesem Jahr das Motto der Veranstaltung am Pfingstsonntag in Lambrecht, bei der der Tribut-Geißbock an das zuletzt vermählte Ehepaar übergeben wird.
Alle fünf Jahre laden die Stadt und der Verkehrsverein Lambrecht zur Übergabe des Tributbocks zu den Geißbock-Festspielen ein. In den Jahren dazwischen findet alljährlich ein Heimatabend mit der Übergabe, einer Spielszene und Musik statt. Das wird in diesem Jahr anders sein. „Wir haben beschlossen, dass wir einen musikalischen Heimatabend machen“, sagt Hans-Joachim Hinrichs, Vorsitzender des Verkehrsvereins. Man wolle versuchen, so ein anderes Publikum, vor allem auch jüngere Leute, anzusprechen. „Wir sehen uns als Hüter des Brauchtums in Lambrecht und das wollen wir an junge Leute weitergeben“, sagt Hinrichs. Die müsse man aber erst einmal für das Brauchtum interessieren. Das versucht der Verkehrsverein mit der Verbindung Musik und Übergabe des Tributbocks. Wer nicht nur über das Brauchtum, sondern auch über die Geschichte Lambrechts etwas wissen möchte, der kann am Pfingstsonntag bei einer Stadtführung einiges erfahren. Start ist um 15.30 Uhr im Hof der Grundschule. Dort ist auch der Heimatabend. Ab 17 Uhr spielt der Musikverein Königsbach. Etwa um 18 Uhr ist die Übergabe, bei der das Ehepaar, das zuletzt geheiratet hat, den Geißbock anvertraut bekommt, um ihn am Dienstag nach Pfingsten in Deidesheim abzuliefern. In diesem Jahr haben Beatrix und Roland Marx diese Aufgabe übernommen. Bürgermeister Karl-Günter Müller verrät, dass die beiden zwar schon seit gut einem Monat verheiratet und damit nicht das Ehepaar sind, das zuletzt in Lambrecht geheiratet hat. Das Paar habe jedoch großes Interesse daran gehabt Geißbockführer zu werden, im Gegensatz zu den Paaren, die in der Zwischenzeit geheiratet haben. Beatrix Marx, geborene Abel, stammt aus einer Ur-Lambrechter Familie. Ihre Oma wirkte schon bei Geißbock-Festspielen mit. Und die junge Ehefrau hat auch Verbindungen nach Deidesheim. Die Schwester ihrer Mutter hat nach Deidesheim geheiratet, einen Mann, der dem Deidesheimer Stadtgericht angehört, das bei der Übergabe des Geißbocks überprüft, ob alles seine Ordnung hat. Nicht nur der Heimatabend auch der Geißbock ist in diesem Jahr etwas anders. Es ist ein „Mähnenbock“, ein Geißbock mit langen, leicht lockigen Haaren. Der Bock ist damit durchaus modern, schließlich ist die Mode der Hippie-Zeit derzeit wieder angesagt. Bei der Übergabe prüft der Deidesheimer Stadtbürgermeister Manfred Dörr schon einmal, ob der 612. Tributbock „gut gebeutelt und gut gehörnt“ ist, so wie es laut Urkunden auf früherer Zeit sein muss. Nach der Übergabe wird der Lambrechter Bürgermeister Jubelpaare ehren. Es sind dies Ehepaare, die früher den Bock übergeben haben und dazu noch ein Jubiläum haben. Vor 40 Jahren haben Angelika und Berthold Krevet den 572. Tributbock nach Deidesheim geleitet. Vor 30 Jahren brachten Gabriele und Hans Wolf den 582. Tributbock nach Deidesheim. Den 587. Tributbock lieferten Heidi und Roger Schönung vor 25 Jahren ab. Die Übergabe des 602. Tributbocks war vor zehn Jahren die Aufgabe von Markus und Stephanie Kern. Nach der Übergabe und den Ehrungen spielt wieder der Musikverein Königsbach. Die Mitglieder des Verkehrsvereins sorgen dafür, dass beim Heimatabend niemand hungrig oder durstig sein muss, unter anderem gibt es die bekannten Geißbockburger. Am Dienstag nach Pfingsten treffen sich das Ehepaar, Offizielle, Geißbock und Bürger um 5.30 Uhr an der Friedrich-Ebert-Brücke zum Geißbock-Marsch nach Deidesheim. Der Vierbeiner muss, im Gegensatz zu den Zweibeinern, nur einen kleinen Teil der Strecke laufen. (ann)