Neustadt
Heike Wiggers zeigt ihre Gemälde im „Artshop“ des Kunstvereins
Sie habe schlichtweg nie die Zeit gefunden, sagt die 61-Jährige, die ihr Leben als freischaffende Künstlerin vor allem mit zwei Standbeinen bestreitet: den Kursen, die sie in ihrem Seminarhaus mit Garten und angeschlossenem Atelier in der Gipserstraße gibt, und jenen, zu denen sie in der anthroposophisch orientierten „Freizeitschule“ im Mannheimer „Waldorf-Dreieck“ in Neckarau einlädt. Dort arbeitet die studierte Diplom-Designerin bereits seit den 1990er Jahren, als sie sich nach „Erst-Kontakt“ als Mutter für eine kunstpädagogische Ausbildung für Waldorfschulen entschied. Allerdings habe sie nie als Lehrerin an einer Waldorfschule gearbeitet, beugt die gebürtige Münsteranerin gleich einem häufig auftretenden Missverständnis vor. Gereizt habe sie vor allem der im Vergleich mit dem Design-Studium so ganz andere Ansatz der Ausbildung.
Mut zum Experiment und zur Vielfalt
Diese freie, fast assoziative Herangehensweise an die Kunst spürt man auch in den Bildern, die Wiggers jetzt in der Zwerchgasse zeigt. „Gemeinsam experimentieren“, hat die Künstlerin als Motto auf ihrer Homepage ausgegeben, und tatsächlich seien auch etliche der Motive hier ursprünglich von den Themen inspiriert, die sie in ihren Kursen behandelt, sagt sie. Ihre „grüne Phase“ mit großformatigen Darstellungen von Blüten, Blättern, Früchten wiederum stehe in direktem Zusammenhang mit dem Umzug von Mannheim nach Neustadt vor nunmehr einem Jahrzehnt. „Das fing an, weil ich so unglaublich gerne wandere“, erklärt die Künstlerin, die gerne hervorhebt, wie wohl sie sich in der Pfalz fühlt.
Neueren Datums sind zwei Stillleben, die sich wie Versinnbildlichungen der bleiernen Corona-Zeit lesen. Sie zeigen surreal verfremdete Möbel und arbeiten außer mit dem ansonsten vorherrschenden Acryl auch mit Collage-Elementen, in diesem Fall alten Tapetenmustern. Bei einigen Portraits setzt Wiggers zudem noch Wachs ein, was die Haptik der Leinwand verändert und optisch wie ein Weichzeichner wirkt. Generell ist die Farbpalette der Künstlerin bunt, aber nie knallig. Über fast allen Gemälden scheint eine Art Schleier zu liegen. Besonders auffällig ist dies bei zwei Ausflügen in die Abstraktion.
Die neuesten Bilder in der Schau sind „Tun 1“ und „Tun 2“, zwei formal stark reduzierte, gestisch-expressive Figurenbilder mit je einer weiblichen und einer männlichen Gestalt, die als Versinnbildlichungen des Kontrasts zwischen aktivem und kontemplativen Leben angelegt zu sein scheinen. Zu viel an Deutungen will Wiggers aber nicht vorgeben. Jeder Betrachter solle sich selbst ein Bild machen.
Die Ausstellung
Die One-Woman-Show von Heike Wiggers im „Artshop“ des Kunstvereins in der Zwerchgasse 5 in Neustadt wird am Donnerstag, 10. März, um 19 Uhr eröffnet. Anmeldung unter heikewiggers@malkurse-neustadt.de wird erbeten. Es gibt aber auch einen frei zugänglichen Außenbereich. Zur Einführung spricht die Mannheimer Künstlerkollegin Heike Penner, die im Kurs bei Wiggers so viel Lust am Malen fand, dass sie schließlich selbst Kunst studierte. Für Musik sorgt Christoph Kannicht. Danach ist die Schau bis 19. März zu sehen. Öffnungszeiten: donnerstags und freitags 15–18 Uhr, samstags 11–16 Uhr sowie sonntags nach Vereinbarung. Weitere Infos zu Heike Wiggers finden sich unter www.malkurse-neustadt.de
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