Hassloch / Kaiserslautern
Handball: Wie Haßloch und Dansenberg sich entschlossen, nicht mehr zu spielen
Beide Mannschaften in der Dritten Liga der Handballer, die TSG Haßloch und der TuS Dansenberg, hatten sich mehrheitlich gegen eine Fortsetzung des Spielbetriebs in der aktuellen unsicheren Lage entschieden. Zusätzlich hatte Ulf Meyhöfer, der Präsident des Pfälzischen Handballverbandes (PfHV), in einem „Eilbrief“ am Freitag den Vorstandsvorsitzenden des Deutschen Handball-Bundes (DHB), Mark Schober, über die unterschiedliche Bewertung des Spiel- und Trainingsbetriebs in den Kommunen in Rheinland-Pfalz informiert. So traf das DHB-Präsidium noch am Freitagabend die Entscheidung, ab heute den Spielbetrieb bis zum 15. November auszusetzen. Die Zeit solle genutzt werden, um die Situation in den jeweiligen Bundesländern und auch die Frage, ob die Dritte Liga eine Profiliga sei, zu bewerten.
Die TSG Haßloch hat in Abstimmung mit dem TuS 04 Dansenberg aus Gründen der Gesundheit aller Akteure die für Samstag geplante Partie kurzfristig abgesagt. „Die Sicherheit und die Gesundheit aller Beteiligten gehen vor“, verteidigt TSG-Kapitän Kevin Seelos die Entscheidung. „Wir machen uns sehr viele Gedanken, aber nicht nur wir, sondern auch andere“, meint das TSG-Eigengewächs mit Blick auf die aktuellen Spielabsagen. Nur die Partie HSC Bad Neustadt gegen HG Saarlouis ist in der Dritten Liga Mitte am Wochenende gespielt worden. „Es ist einfach derzeit zu viel unklar und wird von Region zu Region anders bewertet.“
Pro und Contra aufgelistet
„Es gab viele Gespräche zwischen den Mannschaften. Jede hat aufgezählt, was für, was gegen das Spiel spricht“, erzählt Jugend-Nationalspieler Nils Röller, wie es dazu gekommen ist, das Drittliga-Spiel Haßloch gegen Dansenberg kurzfristig abzusagen. Er ist vor dieser Saison von der TSG Haßloch zum TuS Dansenberg gewechselt. Zusammen habe man sich dann besprochen. „Das Risiko, sich zu infizieren, ist zu hoch“, betont Röller. Man müsse in der jetzigen Situation den Sport einfach mal beiseitelegen und gucken, dass man gesund bleibe.
Der Haßlocher Linksaußen Florian Kern sagt, dass es das Ungewisse gewesen sei, das die Handballer zu ihrer Entscheidung gebracht habe: „Keiner weiß, wie es weitergeht. Es hat schon einige positive Fälle in der Liga gegeben.“ Das Risiko, sich das Virus einzufangen, werde mit den stetig steigenden Zahlen immer größer. „Arbeitskollegen von mir waren schon betroffen. In unserer Mannschaft hatte es Denni Djozic erwischt.“ So hätten sich die Haßlocher Handballer am Donnerstag im Training über das Thema unterhalten, hätten abgestimmt, nicht spielen zu wollen. Und die Kapitäne und Verantwortlichen von Dansenberg und Haßloch hätten die Spielabsetzung dann in die Wege geleitet. Kern: „Keiner weiß, wie es weitergeht und ob dieses Spiel am Ende überhaupt gewertet wird.“ Er fragt zudem nach dem Sinn, am Samstag noch zu spielen, aber ab Montag nicht mehr trainieren und spielen zu dürfen. „Aufgrund der aktuellen Lage ist Handball auch für uns zweitrangig“, betont Seelos. Es fehlten derzeit die professionellen Strukturen, zum Beispiel eine regelmäßige Testung der Spieler in der Corona-Pandemie. Wie das künftig ablaufen solle, bleibe ein Rätsel. Der TSG-Kapitän Seelos spricht damit das Thema an, dass die Dritte Liga aus DHB-Sicht eine Profiliga ist und Trainings- und Spielbetrieb im Amateurbereich ab 2. November eingestellt sind.
Keine Tests in der Dritten Liga
In der Ersten und Zweiten Liga würden die Spieler regelmäßig auf eine Infektion mit dem Coronavirus hin getestet, fügt Nils Röller hinzu. „Die können dort das Risiko minimieren.“ In der Dritten Liga sei dies nicht der Fall. „Profisportler sind Sportler, die nur den Handballsport ausführen. Viele von uns sind aber Studenten oder arbeiten. Es ist niemand dabei, der allein vom Handball lebt“, sagt er. Auch Florian Kern betont, „dass wir definitiv keine Profis sind“.
„Wichtig ist, dass die Gesundheit der Spieler nicht aufs Spiel gesetzt wird“, ergänzt Denni Djozic. Der 29 Jahre alte Linkshänder der Haßlocher hat sich gerade von einer Corona-Infektion erholt. Er erwartet, dass alles getan werden muss, um die Infektionszahlen im Sport so gering wie möglich zu halten. Dies sei nur mit regelmäßigen Tests sicherzustellen. Wie diese finanziert werden sollten, sei allerdings unklar, da selbst bei einer Bewertung als Profiliga aktuell nur ohne Zuschauer gespielt werden dürfe. „Ohne Zuschauereinnahmen ist das bei uns nicht denkbar“, betont Kevin Seelos.
Müller: Kleinere Staffeln
TSG-Trainer Thomas Müller wird konkreter: „Man sollte hier klar formulieren, was ein Profi ist. Ich sehe einen Profi als denjenigen an, der durch sein Tun davon leben kann. Der Großteil unserer Spieler ist im Beruf und hat dort einen Arbeitgeber. Insofern sehe ich uns zunächst nicht als Profis. Die Frage ist eher, welche professionelle Strukturen haben wir, um unseren Sport zu betreiben? Hierzu gehören auch Testungen. Da diese Fragen vom DHB nicht abschließend geklärt sind, sehen wir uns zunächst als Amateure, weshalb wir auch seit Freitag den Trainings- und Spielbetrieb aussetzen.“ Müller, ebenfalls Sportlicher Leiter der TSG, hält den Schritt des DHB, in den nächsten zwei Wochen die Drittliga-Partien auszusetzen, um Antworten auf die Fragen zu bekommen, „für zwingend notwendig im Interesse der Vereine und Spieler“. Müller: „Spiele ohne Zuschauer sind für uns schon aus wirtschaftlichen Gründen nicht vorstellbar. Hier muss sich ganz entscheidend was ändern. Wodurch unterscheiden wir uns in der Dritten Liga von der Oberliga?“ Er plädiert erneut für eine Verkleinerung der Staffel. „Bei einer Neunerstaffel und insgesamt 16 Spielen könnte es ab Januar wieder weitergehen“, überlegt der Haßlocher.
Zu Hause trainieren
Inwieweit sich die Dansenberger in den nächsten Wochen fit halten sollen, „wird bei uns noch geklärt“, sagt Nils Röller. „Jeder muss jederzeit bereit sein, wieder spielen zu dürfen“, sagt der Dansenberger, der nach wie vor in Mutterstadt wohnt. Er selbst habe Langhanteln zu Hause. „Und ich werde mit Therabändern trainieren“, kündigt er an. Auch der Haßlocher Florian Kern will in den nächsten Wochen laufen und Kraftübungen mit dem eigenen Körpergewicht zu Hause absolvieren. „Es ist schon schwierig“, alleine zu trainieren, wenn man nicht wisse, ob’s überhaupt weitergehe, gesteht er, betont aber: „Die Motivation ist noch da.“