Interview
Handball: TSG-Trainer Reckenthäler über den Haßlocher Sieg beim Spitzenreiter
Herr Reckenthäler, wie war denn die Rückfahrt nach Haßloch? Die Jungs haben bestimmt ordentlich im Bus gefeiert, oder?
Das Spiel hat unfassbar viel Energie gekostet. Unsere Akkus waren komplett leer. Das war eher eine ruhige Rückfahrt. Natürlich haben wir das eine oder andere Kaltgetränk zu uns genommen, aber da viele am nächsten Tag arbeiten mussten, war die Stimmung zwar super, aber nicht so ausgelassen wie sonst. Und unsere liebe Gitte (Anm. d. Red.: Gitte Scheuer verpflegt die TSG-Handballer bei Auswärtsspielen) hat uns wieder sehr mit tollen Speisen verwöhnt.
Was gab’s unterwegs zu essen?
Auf der Hinfahrt belegte Brötchen und Kuchen. Auf der Rückfahrt Tortellinisalat, Fleischspieße, Spießbraten, Krautsalat und Chicken Nuggets. Es ist sogar ein bisschen was übrig geblieben.
Ferndorf hatte bisher nur einen Punkt gegen den TuS Dansenberg abgegeben. Der Haßlocher Sieg hat viele überrascht. Sie auch?
Ich hatte mit allem gerechnet. Aber was wir da an Mentalität reingelegt haben. Unglaublich. Für mich war es klar, dass wir eine gute Leistung hinlegen würden, weil wir in den letzten zwei Wochen endlich mit dem fast kompletten Kader trainieren konnten. Dass es allerdings zu einem Sieg reichen würde, war definitiv nicht zu erwarten. Große Entschlossenheit, keine Angst, kein Aufgeben, auch wenn wir teilweise mit sechs Toren zurücklagen. Wir haben zu jedem Zeitpunkt an uns geglaubt und uns am Ende mit zwei Punkten beim Tabellenführer belohnt.
Wie war die Atmosphäre in der Halle?
Das war dort alles sehr professionell. Für unsere Spieler war das etwas Besonderes, weil es sich angefühlt hat wie in einem Bundesliga- oder Zweitliga-Umfeld. Die Stimmung in der Halle war einfach überragend. Wir haben die Energie aufgesaugt. Das hat Kräfte bei uns freigesetzt.
Ich vermute, es war laut in der Halle. Der TuS Ferndorf schreibt auf seiner Homepage, dass zu dem Spiel „erstmals in Liga drei über 1000 Zuschauer“ in seiner Halle waren.
Das war eine Lautstärke – brutal. Die Zuschauer haben 60 Minuten lang getrommelt. Keiner hat mit der TuS-Mannschaft gehadert. Die Halle hat 60 Minuten lang hinter Ferndorf gestanden. Mein persönlicher Wunsch ist, dass auch in Haßloch das Publikum die Mannschaft nach vorne peitscht, auch in Schwächephasen. Dass die Spieler von positiver wie lauter Atmosphäre getragen werden. Wir brauchen das.
Zurück zum Spiel. Wie haben Sie die TSG auf die Partie beim bislang ungeschlagenen Spitzenreiter eingestellt? Was war entscheidend?
Bevor wir in Haßloch losgefahren sind, haben wir noch einmal ein Videostudium gemacht. Im Spiel waren mit Sicherheit die Abwehr entscheidend und das unbändige Tempospiel. Wir sind Risiken eingegangen in den entscheidenden Phasen. Lino Messerschmidt hat eine abartige Leistung in der Abwehr gezeigt. Das war brutal gut. Jan Triebskorn hatte bei neun Toren nur einen Fehlwurf. Max Zech spielte absolut zuverlässig seinen Stiefel runter, warf fünf Tore bei fünf Versuchen. Er war stark in den entscheidenden Phasen. Marco Bitz hat sehr wichtige Bälle aus dem Rückraum gehalten und immer wieder mit seinen genauen Pässen Max Zech auf der rechten und Florian Kern auf der linken Seite bei Tempogegenstößen in Szene gesetzt. Ein großes Kompliment auch an die Schiris, die eine super Leistung gebracht haben.
Die TSG schwächelte zwischendurch aber auch ...
Ja, so nach 20 Minuten drohten wir Federn zu lassen. In der Schwächephase nach der Pause habe ich eine Auszeit genommen. Die hat gefruchtet. Wir waren in der 43. Minute wieder dran. Für mich war da klar: Je länger wir dranbleiben, desto nervöser wird der Gegner. Und dann haben wir angefangen, an den Sieg zu glauben.
Wie war’s gegen Ferndorf direkt nach dem Schlusspfiff?
Im ersten Moment haben wir uns einfach nur gefreut. Und ich war sehr froh, dass wir den Sieg über die Zeit gerettet haben. Ich war komplett durchgeschwitzt. Der Auswärtssieg in Nieder-Roden war schon was Besonderes (Anm. d. Red.: Die TSG hat dort im Oktober mit 24:22 gewonnen). Allerdings hat dieses Spiel in Ferndorf alles getoppt. Philip (Anm. d. Red.: Cotrainer Philip Rogawski) und ich waren uns einig, dass dies das beste Spiel von uns war, seitdem wir in Haßloch Trainer sind.
Und jetzt kommt nach solch einem außergewöhnlichen Spiel die Heimpartie am Samstag, 19.30 Uhr, gegen den Tabellenvorletzten HSG Pohlheim. Wie trainiert die TSG diese Woche? Wie motivieren Sie die Spieler?
Das Training diese Woche – schwierig. Die Jungs, die am Dienstag weniger gespielt haben, absolvierten Wurftraining. Die, die viel gespielt haben, haben am Mittwochabend ein Regenerationstraining gemacht. Am Donnerstag gab es eine Videovorbereitung auf Pohlheim. Gefühlt sind wir am Samstag klarer Favorit. Aber es wird kein Selbstläufer. Das ist so ein Spiel, in dem sich zeigt, ob wir im Kopf bereit sind, oben dranzubleiben. Wir müssen die Spannung hochhalten. Interview: Sabine Dean