Kirrweiler / Muggensturm RHEINPFALZ Plus Artikel Handball: Ex-Nationalspielerin Rita Matt aus Kirrweiler erinnert sich

Rita Matt hat früher auch beim VfR Mannheim gespielt.
Rita Matt hat früher auch beim VfR Mannheim gespielt.

Sportstypen: Die aus Kirrweiler stammende Rita Matt war einst Handball-Nationalspielerin. Doch beinahe wäre es nichts geworden aus ihren internationalen Einsätzen. Denn das Motorradfahren wurde ihr zwischendurch zum Verhängnis. Aufregend war für sie einst ebenfalls das Schlittschuhlaufen auf dem St. Martiner Weiher.

Als die in Kirrweiler aufgewachsene Rita Matt noch in der Jugend gespielt hatte, waren ihr pro Handballspiel stets zehn, zwölf Tore gelungen. Weil sie so erfolgreich gewesen sei, habe ihr mal der Opa einer gegnerischen Spielerin mit dem Stock gedroht, erinnert sich die heute 63-Jährige schmunzelnd. Gespielt habe sie auf allen Positionen, aber hauptsächlich im linken Rückraum. „Ich habe sogar von der Mittellinie aus werfen können“, weiß sie noch gut. Sie sei in der Jugend aufgefallen.

Dabei gab es beim TV Kirrweiler anfangs überhaupt keine Mädchen- oder Frauenmannschaft. „Beim TVK hatten die Männer Vorrang – die haben ja auch in der Regionalliga gespielt“, erzählt Matt, die bis zu ihrem 18. Lebensjahr in Kirrweiler gelebt hat. Nur in der Umgebung, in Neustadt, Landau, Speyer, Haßloch hätten auch Frauen Handball gespielt. 1972 habe dann ihre älteste Schwester, die vier Jahre ältere Maria, Frauen-Handball auch beim TV Kirrweiler ins Leben gerufen.

Schnelle Kariere

Sie selbst, erzählt Rita Matt, sei da noch gar nicht dabei gewesen. „Ich war immer mit meinem Vater auf den Sportplätzen unterwegs.“ Herbert Matt sei als blonder Blitz bekannt, sei in Kirrweiler Hand- und Fußballer gewesen. Und sie schaute auch zu, als ihre Schwester beim Handball-Training war. „Irgendwann ist mal der Ball zu mir gerollt, und ich habe ihn zurückgeworfen“, blickt die Pfälzerin, die heute in Muggensturm lebt, zurück. Daraufhin habe der Trainer zu ihr gesagt, wenn sie noch sechs von ihrer Sorte finde, „gründen wir eine A-Jugend“. Jener Coach war Günther Hoffmann, „ein Spieler aus der Ersten Mannschaft“.

Matt machte schnell Karriere. Als 15-, 16- und 17-Jährige spielte sie in Kirrweiler. 1972, 1973 wurde sie in die Pfalz- und Rheinland-Pfalz-Auswahl berufen. Als 17-Jährige war sie 1975 mit ihrer Mannschaft gerade auf dem Weiher in St. Martin beim Eislaufen, als ihre Schwester Maria plötzlich aufgeregt aufgetaucht sei: „Der Trainer Vogt von Südwest Ludwigshafen ist da – der will dich.“ Die Südwest-Mannschaft sei seinerzeit in der Bundesliga angetreten. 1975 war das Jahr, als die Bundesliga als höchste deutsche Spielklasse für Frauen eingeführt worden war. Südwest gehörte dem Oberhaus in der Staffel Süd von 1975/1976 bis 1977/1978 sowie in der Saison 1981/1982 an.

Verhängnisvolle Fahrt

Rita Matt wechselte nach Ludwigshafen. Weil sie erst im Dezember ihren Führerschein bekam, war sie für eineinhalb Monate darauf angewiesen, dass Teamkolleginnen sie abholten und zum Training fuhren.

Dann erlebte die junge Kirrweilererin am 27. März 1976 erneut einen ereignisreichen Tag. Zuerst erhielt sie ihre erste Einladung vom Deutschen Handball-Bund für die Frauen-Nationalmannschaft. Bundestrainer war damals von 1974 bis 1981 Werner Vick. Am gleichen Tag machte sie sich voller Euphorie mit ihrem Motorrad auf den Weg, um in den Weinbergen zu helfen. Auf Rollsplit stürzte sie, bracht sich Waden- und Schienbein. An Handball war zumindest vorerst nicht zu denken. „Ich bin mit dem Hubschrauber auf dem Sportplatz in Kirrweiler abgeholt worden“, blickt Matt zurück. In der Unfallklinik in Oggersheim sei sie operiert worden, habe eine Metallplatte und einen Nagel im verletzten rechten Bein eingesetzt bekommen. Nur ein halbes Jahr später hat die unverwüstliche Rita Matt schon wieder auf dem Spielfeld gestanden – mit Metall im Bein. Sie habe damals ein Aufbautraining absolviert, habe unbedingt wieder spielen wollen, erzählt sie.

Reblandhalle eingeweiht

Ein Jahr später sei ihr im Mai 1977 das Metall wieder herausoperiert worden. Im gleichen Jahr, erinnert sich Matt, sei die Reblandhalle in Kirrweiler eingeweiht worden. Bis dahin hätten die Handballer in den Sommermonaten draußen auf einem Kleinfeld gespielt und im Winter in der kleinen Schulturnhalle trainiert.

Es sollte noch eine Weile dauern, bis Rita Matt erneut für die Nationalmannschaft nominiert wurde. 1981 war es dann so weit. Ihr Vater, wenig begeistert von ihrer Motorradfahrerei, habe damals auf dem Sofa gesessen und zu ihr gesagt: „Das hättest Du alles schon früher haben können.“ Er sei aber stolz auf sie gewesen, weiß Rita Matt. Unter Bundestrainer Gerd Tschochohei (1981 bis 1983) folgte erst eine Sichtung in Oldenburg, dann ein Vier-Länder-Turnier „als Vorbereitung auf die B-Weltmeisterschaft“ in Dänemark. Schon die Zugfahrt nach Oldenburg stellte sich für die Pfälzerin als überaus aufregend heraus. „Mir ist im Zug meine Handtasche geklaut worden“, berichtet die Kirrweilererin. Ihr damaliger Trainer beim TSV Malsch, Peter Harst habe ihr schließlich Geld geschickt.

„Fix und fertig“ bei der Hymne

Wer der Gegner in ihrem ersten Länderspiel gewesen ist, weiß Rita Matt nicht mehr. Aber sie kann sich noch sehr gut an ihre Gefühle erinnern, als sie zum ersten Mal auf dem Spielfeld stand und die deutsche Nationalhymne hörte: „Ich war fix und fertig.“ Sie erzählt, dass sie sich mit einer weiteren Debütantin das Zimmer geteilt habe. „Nachdem wir unsere Ausrüstung bekommen hatten, sind wir aufs Zimmer, haben die Sachen angezogen und die Nationalhymne gesungen“, verrät Matt lachend. Von drei Debütantinnen sei nur eine mit zum Vier-Länder-Turnier genommen worden. „Das war ich“, sagt Matt. Pro Monat erhielt sie 52 Mark Sporthilfe. Insgesamt hat sie fünf Länderspiele absolviert. Als Ekke Hoffmann 1983 Bundestrainer geworden sei, „habe ich plötzlich keine Einladungen mehr gekriegt“. Er habe nie etwas zu ihr gesagt. Matt: „Als ich nach einem halben Jahr auf einmal keine Sporthilfe mehr gekriegt habe, da habe ich’s gewusst.“ Die Nationalmannschaft sei über Jahre mit festen Größen bestückt worden, „und ich habe nur reingeschnuppert“. Aber sie sei darauf sehr stolz gewesen. Rita Matt blieb noch viele Jahre dem Handball treu. Als Spielertrainerin wurde sie mit ihrer Mannschaft in Sulz Oberligameister und südbadischer Pokalsieger. In Knielingen war sie zweimal Oberliga-Vizemeister, in Niederbühl Oberliga-Meister. Als sie in Malsch gespielt habe, „habe ich noch die C-Mädchen in Kirrweiler trainiert“.

Der Frauenhandball hat ihrer Meinung nach – damals wie heute – nicht den Stellenwert wie ihn der Männerhandball hat. „Es ist viel zu wenig, was in den Medien gebracht wird“, kritisiert sie. Der frühere Nationaltorhüter Andreas Thiel habe mal gesagt, dass Frauen hinter den Herd gehörten statt aufs Handballfeld. „Und dann hat er irgendwann die Leverkusener Torhüterinnen trainiert“, ärgert sie sich noch immer über abwertende Bemerkungen. Dabei sei im Spiel der Männer vor allem Kraft wichtig. „Wir haben immer rennen müssen und Spielzüge gezeigt“, betont Matt. „Bei den Frauen war es technisch immer anspruchsvoller.“

Heute ist Rita Matt nicht mehr im Handball aktiv. „Tennis macht mir unheimlich Spaß“, verrät sie. Sie spiele „mit dem Herzen Tennis“. Dieser Sport sei ihr von Anfang an leicht gefallen, „aber für Wimbledon hat’s nicht gereicht“, stellt sie lachend fest.

In der Mannschaft der weiblichen A-Jugend beim TV Kirrweiler hatte Rita Matt die Trikotnummer 2. Trainer war damals Günther Hoff
In der Mannschaft der weiblichen A-Jugend beim TV Kirrweiler hatte Rita Matt die Trikotnummer 2. Trainer war damals Günther Hoffmann (links).
Fünf Länderspiele absolvierte die Handballerin Rita Matt.
Fünf Länderspiele absolvierte die Handballerin Rita Matt.
Rita Matt heute.
Rita Matt heute.
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