Meckenheim RHEINPFALZ Plus Artikel Handball: 80-jähriger Schiedsrichter Willi Neunzling denkt nicht ans Aufhören

Willi Neunzling kam vor 55 Jahren über einen Arbeitskollegen zum Handball.
Willi Neunzling kam vor 55 Jahren über einen Arbeitskollegen zum Handball.

Sportstypen: Es war Zufall, dass Willi Neunzling zum Handball kam. Er war Spieler und Trainer. Seit 36 Jahren ist er Schiedsrichter. Der frühere Meckenheimer ist der älteste Unparteiische im Pfälzer Handball-Verband. Ans Aufhören denkt er noch lange nicht.

Als er am Samstag von der ersten Spielabsage in Eisenberg erfuhr, war er etwas enttäuscht. Als dann am Sonntagmorgen auch noch die Partie in Neuhofen aufgrund zahlreicher Coronafälle gestrichen wurde, machte Willi Neunzling aus der Not eine Tugend. Er ging an diesem Abend einem anderen Hobby nach. Statt als Schiedsrichter in Diensten des Pfälzer Handball-Verbandes (PfHV) zu sein, ging er mit seiner Frau essen.

Neunzling ist leidenschaftlicher Hobbykoch und steht an diesem Dienstag am Herd. Er möchte seine Gäste an seinem 80. Geburtstag mit einem leckeren Braten verwöhnen. Auch den Sport sieht er als wichtiges Element in seinem Leben. Nicht nur aus gesundheitlichen Gründen, sondern wegen der Geselligkeit. „Ich freue mich, wenn ich zum Pfeifen eingeteilt werde“, sagt Neunzling. Seit 1985 ist er Unparteiischer und leitet an Wochenenden zwei bis drei Partien. „Ich mache es heute noch so gerne wie damals. Man trifft immer viele Bekannten und Freunde.“ Gerade in den Klassen, in denen er pfeife, seien viele ältere Spieler. Da gehe es nicht so hitzig wie in den oberen Klassen zu, sagt der Maxdorfer. Beleidigungen habe er selten erlebt. „Es ist manchmal erstaunlich, wenn jemand ein Trikot anhat, da ist er ein ganz anderer Mensch“, stellt er fest. Man dürfe aber nicht alles auf die Goldwaage legen. Trotzdem gebe es einen Verein, dem er mitgeteilt habe, dass er dort nicht mehr pfeifen werde. Auch bei ihm gebe es eine Schmerzgrenze.

Zufällig Schiedsrichter

Es war Zufall, dass er Schiedsrichter wurde. „Ich habe oft bei Spielen meines Frauenteams erlebt, dass kein Schiedsrichter da war. Weil niemand vom Verband eingeteilt wurde. Oder weil die gastgebende Mannschaft niemand gefunden hatte“, sagt Neunzling. „Bevor mir jemand ein Spiel kaputt pfeift, habe ich es selbst in die Hand genommen.“ Mit dem Nachteil, dass seine Frauen im ASV Maxdorf in fremder Halle ohne ihren Trainer auskommen mussten. „Es gab Spielerinnen, die waren in meiner gesamten Zeit als Trainer beim ASV Maxdorf dabei.“ Es waren 22 Jahre. Selbst aktiv war er nur im SV Meckenheim.

Zufällig Handballer

Dabei kam der Pensionär, der als Schmied/Schweißer in der BASF tätig war, per Zufall zum Handball. „Mich hat ein Arbeitskollege als Zuschauer zum Handball auf dem Großfeld zum SV Meckenheim mitgenommen. Da hat man zu mir gesagt, ,Du könntest Handball spielen’“, erinnert er sich. Das war vor 55 Jahren. Knapp neun Jahre blieb er in Meckenheim. „Ich hatte davor mit Sport nichts am Hut“, verrät er. Heute kann er sich ein Leben ohne Sport nicht vorstellen. Täglich bewegt er sich am frühen Morgen mindestens 35 Minuten auf dem eigenen Stepper. Gelegentlich geht er eine Runde joggen. „Ich fühle mich gesundheitlich noch fit. Es gibt Kollegen, die pfeifen Spiele, obwohl sie Probleme mit der Hüfte oder den Beinen haben. Das kenne ich Gott sei Dank nicht.“ Deshalb denkt der älteste aktive Schiedsrichter im Pfälzer Handball-Verband nicht ans Aufhören.

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