Neustadt Handarbeit wie zur Zeit der Vorväter

Placeholder-Image

Sein erster auf die Flasche gefüllter Wein, ein 2014er Kerner Kabinett trocken, macht den Historienwinzer stolz: „Fast fünfzig Jahre alte Reben, geringer Ertrag und tiefe Verwurzelung – daher eine gute Weinqualität“, so Markus Hener. Unter den Pfälzer Freizeitwinzern dürfte er einzig sein. Der 39-jährige Heimatforscher aus Maikammer pflegt in seiner Freizeit nicht nur alte Reben, er betreibt Museums-Weinbau nach historischem Vorbild, nach alter Väter Sitte.

Alles an der Arbeit im Weinberg ist demnach für Hener Handwerk, selbst die arbeitsintensiven Bodenarbeiten werden nicht mit Maschinen ausgeführt, sondern mit Hacke und Spaten. Das „Kieferbergel“, unterhalb vom Friedensdenkmal am Werderberg gelegen, ist legendär. Weine der einst so renommierten Gewanne in der Gemarkung Edenkoben galten früher als Spezialität, als Bergweine. Der bekannte Rebzüchter Oekonomierat Dr. Fröhlich betrieb hier Versuchsanbau. Am Hang nur mühsam zu bewirtschaften, ist die einstige Rebfläche verwildert, vom alten Glanz blieben nur noch drei Weinberge übrig. Bewirtschaftet werden sie mit viel Idealismus von Familie Hener. Die Aufmerksamkeit ist groß, denn sowohl der Pfälzer Weinsteig als auch der Weinwanderweg Deutsche Weinstraße führen direkt vorbei. Heners lassen sich durch interessierte Fragen gerne von der Arbeit abhalten. Frau Antje ist „Schönwetterwinzerin“. Sie hilft am liebsten, wenn die Sonne scheint. Töchterchen Susanne weiß mit neun Jahren schon zu erklären und vorzuführen, wie man sachkundig Laub einsteckt und ausbricht. „In 50 Jahren wird ihr spielerisch erlerntes Fachwissen umso wertvoller sein“, freut sich der Vater. Angel, der Familienhund, begleitet sein Herrchen bei jeder Witterung. Markus Hener schenkt ein von seinem Wein, nimmt selber einen Schluck mit Bedacht und erzählt, wie er jeden einzelnen Rebstock „persönlich beim Vornamen kennt“. Natürlich klinge das übertrieben, doch spreche hier Herzblut: „Ohne dies wäre eine so zeitintensive Freizeitbeschäftigung nicht möglich.“ Über den Weinbau des vortechnologischen Zeitalters wollte er nicht nur vom Hörensagen wissen, sondern selber praktisch erfahren wie die Alten ihr Winzerhandwerk ausübten. Die Arbeiten am Rebstock, wie das Schneiden im Winter, Rebenbinden im Frühjahr oder die Lese, seien das einfachere noch. Doch Bodenarbeiten von Hand, das sei Plackerei und harte Knochenarbeit. „Da hat man Respekt und wird demütig, kann Leistung und Mühe unserer Winzervorfahren erst richtig ermessen“, sagt er. Heners Nachname verweist auf die Herkunft aus St. Martin. Da war man den Bergweinbau gewohnt, auch viele Winzer am Kieferbergel begütert. Im Pfälzer Weinalmanach von 1930 ist St. Martin gerühmt für „feine blumige Weine von den Berghängen“. Wie hier aber vor dem Erfolg die mühevolle Plackerei stand, weil man an den steilen Hängen keine Pferde oder Ochsen vor den Pflug spannen konnte, darüber weiß Hener viel zu erzählen. Im Gebirgsdorf St. Martin hat man dem Wald mehr als anderswo Weinland abgerungen, wie Wingertsberg, Schlossberg oder auch die historischen Rebenterrassen im Schraußental. Zur Bodenlockerung an den steilen Hängen gab es sogar eine spezielle Weinbergsharke, den „Krabbe“. Die Zinken zur Handhabung am Berg steiler gestellt, wie Hener zeigt. In Maikammer hat er den Club Sellemols mitbegründet, erstellte auch dessen Homepage – die er übrigens ähnlich arbeitsintensiv pflegt wie seine drei Weinberge. Und er fungiert zudem als Vorsitzender des Fördervereins St. Martiner Heimatmuseum. Zum Garten am eigenen Haus unterhält die Familie noch am Ortsrand von Maikammer eine Art Schrebergarten sowie eine große Streuobstwiese am Alsterweilerer Kapellenberg. Diese wird mit der Sense gemäht, die Apfelernte zu Saft verarbeitet. Sein „Hand-Werk“ im Weinbau hat Hener in einer gleichnamigen Homepage (www.handwerk-kieferberg.de) dokumentiert. Ein anschaulicher Geschichtsunterricht. Den bietet er in der Praxis nicht selten Wanderern und Touristen. Der Winzer mit der Batschkapp und den breiten Hosenträgern ist an sich schon ein Hingucker. Die Familie, in entsprechender Kleidung, fehlt auch in St. Martin bei keiner historischen Weinlese. Ist die eigene Weinlese am Kieferbergel eingefahren, beginnt die Weinbergsruhe und übernimmt ein befreundeter Winzer das Keltern und den Ausbau des Weines im Keller. Selbstverständlich verfolgt er nach der Traubenlese auch die Entwicklungsprozesse der Weine. Auf einer Rebfläche von rund zwei Morgen wachsen die Rebsorten Kerner, Faber und Riesling. Ersterer wurde ausgebaut zum Kabinett und abgefüllt. „Mein erster Jahrgang vom Museumsweinberg am Kieferbergel“ freut sich Markus Hener. Das Etikett hat Bruder Thomas Hener gestaltet, ein Grafikdesigner. Und weil er seine 1500 Dreiviertelliter-Flaschen nicht allein trinken kann, vermarktet er das Ergebnis seines Handwerks unter eben diesem Namen. Die Arbeitszeit ganz außen vor, denn 5,80 Euro stehen in keinem Verhältnis zum Aufwand, sind eher ein Kostenbeitrag. „Und darum geht′s mir auch. Ich möchte mit dem Erlös aus dem Weinverkauf die Kosten decken für meinen historischen Bergweinbau“, sagt Markus Hener – prostet und genießt mit seiner Antje das feine Bukett von seinem ersten Jahrgang. (jzs)

x