Hassloch
Hammerwurf: Schwandke und Borutta mit Platzrekorden in Haßloch
Beim Olympia-Qualifikationswettkampf der Hammerwerfer in Haßloch fehlte zwar die deutsche Meisterin Caroline Paesler. Aber der Titelträger bei den Männern, Tristan Schwandke, sowie die Mutterstadterin Samantha Borutta setzten neue Bestmarken auf der Haßlocher Wurfanlage „Am Schachtelgraben“.
Doch steht diese Wurfanlage vor dem Aus. Kurt Büttler hat sie selbst gebaut. „Die Firma Ardagh, der das Gelände gehört, plant hier ein Gebäude. Wir hoffen, dass wir zumindest nächstes Jahr noch hier werfen können“, erzählt er. Mit welchen Zauberzutaten er den Belag seines Rings so schnell und geschmeidig gemacht hat, verrät Büttler allerdings nicht. Wettkampfleiter Stefan Münch und Büttler hatten die stärksten Hammerwerfer Deutschlands nach Haßloch gelotst. Lediglich die ebenfalls angekündigte deutsche Meisterin Caroline Paesler fehlte erkrankt.
Borutta zur U23-Europameisterschaft
Zunächst überzeugte Samantha Borutta die Experten, darunter Bundestrainer Helge Zöllkau, der gleichzeitig bei Bayer Leverkusen ihr Vereinscoach ist. Seit Januar startet die 20-jährige Mutterstadterin für Leverkusen. Als Sportsoldatin darf sie sich völlig auf ihr Training konzentrieren. Und sie darf sich Zeit lassen. Zöllkau fordert von ihr nicht die Olympia-Norm von 72,50 Metern: „Sie ist noch jung. Aber bei der U23-Europameisterschaft hat sie Chancen, unter die ersten Drei zu kommen.“
Schnell muss es dagegen im Ring gehen. Eine Minute Zeit hat die Werferin, wenn sie im Ring steht, um den Versuch abzuschließen. Doch Borutta braucht nur wenige Sekunden, um sich in die vier Drehungen zu versetzen. Kaum steht sie richtig, folgen zwei Anschwünge mit den Armen und die vier schnellen Rotationen. Kurt Büttler jedenfalls freute sich über ihre Serie von drei Würfen über 67 Meter sowie ihre Bestweite mit 68,95 Metern. Platzrekord.
Schwandke steigert sich um zwei Meter
Noch besser machte es bei den Männern der amtierende deutsche Meister Tristan Schwandke. Er verbesserte den alten Platzrekord von 74 Metern auf Anhieb und steigerte sich an seinem 29. Geburtstag um über zwei Meter. Der sechste Versuch landete schließlich bei 76,71 Metern. Jetzt fehlen ihm nur noch 79 Zentimeter zum Olympia-Ticket.
„Der Ring ist hervorragend. Die gesamte Organisation ist toll“, lobte Schwandke. Rund 20 Helfer hatte Münch aufgeboten. Von ihnen legte der 21-jährige Mike Adams viele Meter zurück. Der Diskuswerfer der TSG Haßloch holte die Wurfgeräte an der 50-Meter-Marke ab und brachte sie zum Wurfring zurück. „Dabei muss man immer aufpassen, ob ein Athlet im Ring steht“, betonte er. Gefährlich wurde es aber nur einmal, als der Hammer von Fabio Hessling weit aus dem Wurfsektor getragen wurde und in die Nähe der Bahngleise fiel. Und mehrmals musste Sicherheitsobmann Jörg Steinbach die Zuschauer von der angrenzenden Firmenzufahrt oder von den Erdhügeln der benachbarten Dirtbahn verjagen. Tatsächlich landeten einige Versuche auf dem Asphalt der Firmenzufahrt.
Borutta im Tunnel
Samantha Borutta, obwohl erst 20 Jahre alt, hat indes schon viele Wettkampfstätten erlebt. „Ich blende alles um mich herum aus und konzentriere mich auf meinen Ablauf. Ich bin immer im Tunnel, merke überhaupt nichts von meiner Umgebung“, erzählte sie. Erst nach dem Wettkampf tauchte sie auch jetzt wieder aus dem Tunnel auf. Und freute sich, dass sie diesmal eine kurze Heimfahrt nach Mutterstadt hat. Dort trainiert sie die meiste Zeit. Nur selten muss sie nach Köln zur Bundeswehr und kann dies mit einem Abstecher zu Bayer Leverkusen verbinden.
Schwandke genoss ebenfalls das überschaubare Areal. Zwar müsse sich ein Athlet immer den jeweiligen Rahmenbedingungen anpassen. Wenn er aber an großen Wettkampfstätten starte, dann fänden zeitgleich andere Disziplinen statt. So habe er sich in Haßloch voll auf seine Versuche konzentrieren können. Bundestrainer Helge Zöllkau ist es gewohnt, dass sich die Hammerwurffamilie öfter abseits der großen Arenen trifft. „Nur die großen Wettkämpfe sind im Stadion. Wir sind oft auf kleineren Plätzen. Da gibt es eine gute Stimmung, weil sich alle auskennen.“
3-D-Analyse für Werfer und Trainer
So war es auch in Haßloch. Obwohl keine Zuschauer zugelassen waren, gab es für die Weitenjagd von Schwandke großen Beifall der Konkurrenten und Betreuer. Die technische Unterstützung der Kaderwerfer war auch auf dem spartanischen Ackergelände gewährleistet. Regine Isele vom Olympiastützpunkt Hessen hatte Kameras und Rechner mitgebracht. Sie liefert dem Bundestrainer, den Heimtrainern und den Athleten eine 3-D-Analyse. „Wir messen die Geschwindigkeit des Hammers, die Winkel der verschiedenen Phasen. Für die Athleten gibt es so einen genauen Datenplan“, erklärte sie. Dann vergleichen die Sportler ihre Werte und sehen, wo sie sich verbessern können. Und wo Tristan Schwandke die noch fehlenden Zentimeter herauskitzeln kann. Am Sonntag hat er sich zu seinem Geburtstag mit einer Leistungssteigerung um zwei Meter beschenkt. Schafft er die Norm, jubelt ebenfalls Kurt Büttler. Er feiert am 9. Juli seinen 75. Geburtstag. Es wäre ein schönes Geschenk auch für das Haßlocher Wurf-Urgestein.