Neustadt
Hambacher Fotograf Peter Hofmeister zeigt seine Bilder
So kennt man Neustadt bislang eher nicht: Peter Hofmeister nimmt in seinen Bildern nämlich zwar bevorzugt Motive aus der näheren Umgebung in den Fokus – die Endergebnisse sind dann aber oft so surreal verfremdet, dass sich ganz neue Perspektiven ergeben. So wie etwa bei einer Ansicht des allen wohlbekannten Saalbaus, bei der sich im flirrenden Gewirr aus Linien, Flächen, Falschfarben die Wirklichkeit nur noch erahnen lässt, oder bei einer Serie von Zoom-Outs der nächtlichen Neustadter Altstadt und des Bahnhofs von der Zwockelsbrücke aus, bei der sich im Spiel der fließenden Lichtlinien alles aufzulösen scheint. Anderes wiederum kennt man einfach deshalb nicht, weil man noch nie dort war, obwohl die „Locations“ ganz in der Nähe liegen: „Lost Places“ wie etwa ein inzwischen nicht mehr existierendes Abbruchhaus in der Amalienstraße oder die alte Papierfabrik in Lindenberg – auch sie im übrigen durch verstärkte Komplementär-Farben irgendwie unwirklich, irreal.
Ein besonderer Blick für Strukturen und Symmetrien
Die Architekturfotografie habe von Anfang an zu seinen bevorzugten Gattungen gehört, berichtet Hofmeister im Gespräch – vielleicht, weil er hier seine besondere Vorliebe für Strukturen und Symmetrien ausleben kann. Schon 2014 schuf er eine auch in Buchform veröffentlichte Serie über Portale, historische Türen und Türfassungen, in Neustadt und seinen Weindörfern. „Eine gute Übung, um die Kamera – eine Canon EOS 6D Vollformat – kennenzulernen“, sagt der promovierte Chemiker, der seitdem unter anderem auch hin und wieder für die RHEINPFALZ fotografiert hat. Doch davon zeigt er jetzt in der Ausstellung nichts, die mit ihren 28 zumeist recht großformatigen Arbeiten gleichwohl eine Art Best-of der letzten Jahre darstellt.
Die Ibag-Halle verkauft sich am besten
Die Ibag-Halle, der inzwischen zum Appartementhaus umgestaltete „Lost Place“ im Westen der Stadt, ist dabei gleich mit mehreren Beispielen vertreten. Sie sei auch das Motiv, das er am häufigsten verkauft habe, so Hofmeister. Aber auch die besonderen architektonischen Strukturen der Hetzelgalerie hat der gebürtige Niederbayer mehrfach eingefangen. Ein Beispiel mit Color-Key-Effekt, also ein Graustufenbild, bei dem nur ein einzelnes Farbelement heraussticht, belegt beispielhaft, wie gerne (und gekonnt) der Fotograf mit den Mitteln der Nachbearbeitung spielt. Denn der 70-Jährige ist keine Foto-Purist. Alle seine Bilder seien nachbearbeitet – ob mit Adobe-Lightroom oder Photoshop –, sagt er, schon allein, um stürzende Linien auszumerzen, denn die stören sein ästhetisches Empfinden ganz gewaltig.
Auch Passanten können bei Architekturfotografie natürlich zum Störfaktor werden. In der Straßenfotografie, die in der Schau ebenfalls mit einigen Beispielen vertreten ist, dagegen sucht Hofmeister sie. Ein schönes Beispiel ist hier eine aus zwei Einzelfotos zusammengesetzte Collage zweier junger Frauen in Landau – auch dieses Bild verblüfft durch den irritierenden Verdopplungseffekt das Auge des Betrachters. Auch Ansichten von der Jakobuskerwe in Hambach und vom Spiegelpalast beim Weinlesefest lassen sich diesem Motivfeld zurechnen. Ebenso wie eine Aufnahme vom Stationentheater in der Hambacher Schlossstraße, ein Maskentheater-Duo vor den glänzenden Stahltanks eines Weinguts, das einmal mehr Hofmeisters besonderes Auge für Situation und Komposition belegt.
Auch eine eigene Galerie soll es bald wieder geben
Das „Artshop“-Gastspiel beim Kunstverein, den er seit mehreren Jahren auch schon bei der Bestückung der Saalbau-Galerie unterstützt, ist für den Fotografen dabei eine Art Zwischenspiel in einer Phase, in der er ausnahmsweise nicht mit einer eigenen „Niederlassung“ in der Stadt präsent ist: Bis Januar, als ihm gekündigt wurde, hatte er nämlich eine eigene kleine Galerie in der Hetzelstraße und in Bälde stehe – zusammen mit einem malenden Kollegen – ein Neuanfang an anderer Stelle an. Doch bis dahin können sich die Neustadter erst einmal in der 1A-Lage der Hauptstraße von der Qualität seiner Bilder überzeugen – und sich verblüffen lassen von manch unbekanntem Motiv aus der ach so bekannten Heimat.
Die Ausstellung
Die Ausstellung im „Artshop“, Hauptstraße 31, in Neustadt wird am Donnerstag, 1. Juli, um 19 Uhr eröffnet und läuft bis 10. Juli. Öffnungszeiten: donnerstags und freitags 15–18 Uhr, samstags und sonntags 10–13 Uhr. Die Vernissage wird vom früheren Kulturabteilungsleiter Wolfgang Dinges mit Singer-Songwriter-Stücken umrahmt. Sie kann coronabedingt allerdings nur mit begrenzter Teilnehmerzahl stattfinden. Anmeldung unter peterhofmeister@web.de. Der Eintritt ist frei.