Neustadt RHEINPFALZ Plus Artikel Hambach: Startschuss für Neubau in Winzerstraße

Eine Tafel im Vorgarten weist auf das Projekt hin.
Eine Tafel im Vorgarten weist auf das Projekt hin.

In Hambach wird nun ein Bauprojekt mit acht Wohnungen umgesetzt, dessen Anfänge fünf Jahre zurückreichen und das politische Sprengkraft hatte. Jetzt scheint alles geregelt.

Die Winzerstraße in Hambach ist ein schönes Fleckchen Neustadt. Es gibt gepflegte Wohnhäuser und eine tolle Sicht hinauf zum Hambacher Schloss oder auf die umliegenden Weinberge. Hier ist Matthias Müller aufgewachsen, und vor Jahren hat er sein Elternhaus mit der Anschrift Winzerstraße 16 geerbt. Müller entschied sich aber dagegen, das alte Häuschen mit dem großen Garten einfach zu sanieren und alles herzurichten. Stattdessen entwickelte er einen Plan: das alte Gebäude abzureißen und es durch ein modernes Mehrfamilienhaus mit acht Wohnungen zu ersetzen.

Das Problem: Für die Ecke Hambachs gibt es keinen gültigen Bebauungsplan. Demnach muss die Verwaltung nach Paragraf 34 entscheiden, ob sich ein Neubauprojekt in die Umgebung einfügt. Entscheidend ist dabei Höhe, Maß und Art der Bebauung. Müller sagt, er habe sich von Anfang an alle Vorgaben der Stadtverwaltung gehalten und nie etwas ausgereizt. Er habe sich vielmehr auch an einem Projekt des Haßlocher Investors Müller Bau ein paar Meter weiter in der Winzerstraße gerichtet. Die Verwaltung erkannte nichts, was gegen eine Baugenehmigung sprach und erteilte im September 2020 eine Baugenehmigung. Doch ein Nachbar wehrte sich juristisch. Zudem verweigerten Ortsbeirat Hambach und Bauausschuss die Zustimmung. Beide Gremien warnten vor Folgeproblemen und einer vergifteten Nachbarschaft.

Noch zwei Wohnungen frei

Inzwischen ist viel Zeit vergangen. Die juristischen Themen wurden alle zugunsten Müllers entschieden. Daher freut er sich nun auch, dass es tatsächlich losgeht. Was ihn zuletzt noch beschäftigt hat, war die Finanzierung des Mehrfamilienhauses. Die Investition liege im einstelligen Millionenbereich. Matthias Müller hat nun zwei weitere Partner mit im Boot. Sie treten als Baugemeinschaft auf und kümmern sich um Organisation und Abläufe auf der Baustelle. „Wir bestimmen die Qualität“, sagt Müller. Bis Ende 2026 soll das Anwesen fertig sein. Sechs der acht Wohnungen sind schon weg. Zum Teil werden die Investoren sie selbst nutzen oder vermieten. Die zwei Erdgeschosswohnungen sind noch zu haben.

Momentan ist wegen des Gasanschlusses, der gekappt wird, eine Baustelle am Haus. Idyllisch: der Blick hoch zum Hambacher Schloss
Momentan ist wegen des Gasanschlusses, der gekappt wird, eine Baustelle am Haus. Idyllisch: der Blick hoch zum Hambacher Schloss.

Die juristischen Überprüfungen in der Zwischenzeit bestätigen Müller, alles richtig gemacht zu haben. „Für mich ist das alles erledigt.“ Bald soll der Abriss des alten Hauses beginnen. Der Neubau wird das Grundstück zur Straße hin bis hoch zum Feldweg ausfüllen und so tief wie die Nachbargebäude sein. Dahinter entsteht ein Garten. Für die Bewohner wird eine Tiefgarage mit zwölf Stellplätzen gebaut. Zudem wird auf Photovoltaik und Erdwärme gesetzt. Alles soll nachhaltig sein und sich gut in die Siedlung einfügen. Müller sagt, er will ein gutes Verhältnis zu den Nachbarn. Er ist auch überzeugt: „Durch die Tiefgarage wird sich die Parksituation in der Winzerstraße sogar verbessern.“ Sobald gebaut werde, würden viele Menschen neugierig werden, ist Müller überzeugt: „Die Lage ist einfach schön.“ Beim Bau werde auf entsprechende Qualität geachtet. Er setzt mit dem Projekt auf Innenverdichtung. Die Zusammenarbeit mit der Stadtverwaltung sei sehr gut.

Neustadts Baudezernent Bernhard Adams sagt auf Anfrage: „Es ist positiv zu sehen, wenn in Neustadt zusätzlicher Wohnraum entsteht, hier acht Einheiten. Wir benötigen ihn. Maßgabe ist, dass sich das Vorhaben in die Umgebung einfügt. Das tut es vorliegend, gleichwohl es nicht allen Hambachern beziehungsweise Nachbarn gefallen wird. Dass nun begonnen wird, ist für mich ein gutes Zeichen, dass der Wohnbaumarkt langsam wieder anzieht.“

Unverändert skeptisch

Hambachs Ortsvorsteher Pascal Bender ist hingegen unverändert kritisch und verweist auf die „grundsätzliche Ablehnung“ des Projekts durch Ortsbeirat und Bauausschuss. Er befürchte für die Zukunft Probleme in der engen Winzerstraße: „Sie ist die Hauptzuwegung zur Andergasse mit Bussen und viel Verkehr.“ Daher halte er es für problematisch, wenn dort noch weitere Anwohner parken und die Straße befahren möchten. Denn man könne niemanden zum Parken in einer Tiefgarage zwingen. Bender betont aber auch, dass er das Ansinnen der Bauträgergemeinschaft „verstehen und nachvollziehen kann“. Er wolle ihnen auch keine bösen Absicht unterstellen. „Wir fürchten aber dennoch in der Zukunft Stress.“

x