Neustadt "Hambach live": Spannungsfeld vieler Interessen

Dorfrundgang Verkehr mit Planer Michael Baier (Mitte).
Dorfrundgang Verkehr mit Planer Michael Baier (Mitte).

Dorfmoderation läuft seit zwei Tagen - Teilweise einander widersprechende Anforderungen

Die Bürger sollen den Planern helfen, ein integriertes Entwicklungskonzept für das Weindorf zu erstellen. Keine leichte Aufgabe im Spannungsfeld vieler Interessen, wie nun auch die Hambacher merken. Winzer Bernhard Friedrich bringt es am Donnerstagabend auf den Punkt: „Wir haben Forderungen und Ziele, aber keine Ideen, wie wir sie erreichen.“ Im Alten Rathaus präsentiert der Hambacher, was beim Rundgang zum Thema Dorfentwicklung herausgekommen ist. Dazu hatten sich er und weitere Bürger anderthalb Stunden zuvor auf den Weg gemacht, „angeführt“ von Pia Niclasen und Frank Pflüger vom Aachener Planungsbüro HJP. Die Profis wollten wissen, wie die Einheimischen ihren Ort sehen. Parallel dazu waren zwei weitere Gruppen gestartet: die eine nahm den Verkehr unter die Lupe, die andere den Tourismus. Alle drei Bereiche wollen – trotz Schnittmengen – bei dem Integrierten Entwicklungskonzept unter einen Hut gebracht werden. Ein Konzept, das Perspektiven für Hambach im Zusammenspiel mit dem Schloss aufzeigen soll, und das die Planungsbüros HJP, Compass Köln und BSV, Büro für Stadt- und Verkehrsplanung Aachen, erstellen. Die Kosten von rund 150.000 Euro übernimmt zu 90 Prozent das Land, den Rest die Stadt. Im Herbst soll es vorliegen. Doch zurück zum Spaziergang-Ergebnis Dorfentwicklung, das auch exemplarisch zeigt, wo die Probleme in Hambach liegen. Wie die unterschiedlichen Interessen: Die einen wollen in Ruhe in Hambach wohnen, die anderen, wie Gastronomen oder Winzer, wären froh über mehr touristischen Betrieb. Vom Verkehr sind nicht alle gleichermaßen belastet: Jenseits der Routen zum und vom Schloss ist es vergleichsweise ruhig. Hinzu kommt: Hohe Baulandpreise locken Investoren für seniorengerechte Mehrfamilienhäuser, Wohnraum für Familien mit Kindern ist kaum in Sicht. Und: Es gibt kein klassisches Dorfzentrum angesichts der Aufteilung in Ober-, Mittel- und Unterhambach sowie das Gebiet beim Römerweg. Das erschwert ein gutes Dorfleben und den Zusammenhalt. Je nach Interessenlage habe jeder auf seine Weise Recht, formuliert es Bernhard Friedrich. Allen gerecht zu werden, sei nicht einfach, um ihre Aufgabe seien die Planer nicht zu beneiden. Ähnlich setzt Kerstin Bach als Sprecherin der Tourismus-Spaziergänger an. Einerseits sei in Hambach viel Potenzial vorhanden, anderseits wolle man kein zweites St. Martin werden. Ihre Gruppe hat beispielhaft den Platz am Alten Rathaus „überplant“: frei von Verkehr und gastronomisch verbessert, worüber sich Touristen und Bürger freuen würden. Um das Dorf weiter für Besucher aufzuwerten, sei eine bessere Beschilderung für das Schloss notwendig, auch im Ort müsse darüber informiert werden. „Der Gast wird nicht abgeholt, weder thematisch noch verkehrlich“, wird es Expertin Martina Leicher von Compass später beschreiben. Indes werde oben auch nicht über Hambach informiert, bringt ein Bürger bei der folgenden Debatte ein. Auch das wird notiert, ebenso wie mehr attraktive Spazierwege, auch und gerade zum Schloss. Als Negativbeispiel dient der vorhandene Handwerkerpfad: „Er verspricht mehr, als er erfüllt“, sagt Leicher und erntet keinen Widerspruch. Michael Dorka fasst aus Hambacher Sicht zusammen, was der Spaziergang zum Thema Verkehr ergeben hat. So sollten Reisebusse und Wohnmobile unten bleiben, sprich, deren Insassen anders zum Schloss hochgebracht werden. Das wäre in Stoßzeiten auch für den Individualverkehr wichtig. Bei einer Befragung von Schlossgästen durch die Planer stand in Sachen Ersatzverkehr ein Shuttlebus an zweiter Stelle, gefolgt von einer Seilbahn. Autonom fahrende Shuttles wollte keiner. Die meisten indes hätten gern einen schönen Fußweg – ob der auch im Praxistest bestehen würde, dürfte fraglich sein. Klare Ansage der „Spaziergänger“: Die Zu- und Abfahrt sollte umgekehrt verlaufen, um mehr Schlossbesucher ins Dorf zu bringen: „Die einzigen, die Hambach derzeit ein wenig erleben, sind die Wanderer.“ „Haben wir jetzt ein gewisses Setting?“, will Planer Pflüger am Ende wissen. Die Runde ist sich einig: Ja. Auf dieser Basis wurde gestern weitergearbeitet. Heute um 14 Uhr werden die Ergebnisse präsentiert.

Öffentlich gearbeitet wird auch heute noch vor und im Alten Rathaus.
Öffentlich gearbeitet wird auch heute noch vor und im Alten Rathaus.
Ein Ergebnisplakat.
Ein Ergebnisplakat.
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