Neustadt RHEINPFALZ Plus Artikel Hambach: Kran blockiert wichtige Straße

Kein Durchkommen: Wegen eines großen Krans ist die Winzerstraße in Hambach gesperrt worden.
Kein Durchkommen: Wegen eines großen Krans ist die Winzerstraße in Hambach gesperrt worden.

Ein großer Kran blockiert die Winzerstraße in Hambach. Die Auswirkungen sorgen für Unmut im Ort, zumal es Probleme mit der Umleitungsstrecke gibt. Die Stadt räumt Fehler ein.

Es ist eine E-Mail, die von höchster Verstimmung zeugt, die vor ein paar Tagen bei der Stadtverwaltung Neustadt eingegangen ist. Verärgert und enttäuscht sei er, schreibt darin Helmut Glas vom Hambacher Landgasthof Jägerstübchen. Der Grund für seinen Ärger: Seit Ende vergangener Woche ist die Winzerstraße komplett gesperrt, weil dort ein großer Kran für ein privates Bauprojekt aufgebaut wurde. Wer mit dem Auto unterwegs ist, kann zwischen verschiedenen Ausweichstrecken wählen. Das gilt aber nicht für Busse, Lastwagen oder Wohnmobile. Die dürfen nämlich die Rittersbergstraße oder die Heerstraße in Diedesfeld nicht nutzen. Für sie wurde eine Umleitung eingerichtet, die über die Hohe-Loog- und Studerbildstraße in Diedesfeld führt. Das habe aber nicht gut funktioniert, beklagt Glas in seiner E-Mail, die er der RHEINPFALZ zur Kenntnis gegeben hat. Die Umleitungsstrecke sei zugeparkt , Parkverbotsschilder seien nicht zu sehen gewesen. Das betreffe seinen Betrieb, klagt der Gastronom, denn das Jägerstübchen in der Andergasse werde regelmäßig von Reisebussen angefahren.

Neben der Sperrung als solcher kritisiert er fehlende Kommunikation von Seiten der Stadt. Er habe vorher nichts davon gewusst, sogar Ortsvorsteher Pascal Bender sei von der Regelung überrascht worden.

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Das bestätigt Bender auf RHEINPFALZ-Anfrage. „Ich hätte mich gefreut, wenn ich im Vorfeld informiert worden wäre“, sagt der Ortsvorsteher. Dann hätte man nach anderen Lösungen suchen können, meint er. Die Winzerstraße sei eine „Schlagader für diesen Bereich des Ortes“, die Auswirkungen entsprechend gravierend. Daher gebe es viel Unmut im Dorf. Und die Frage, wie sich die Lage entwickelt, wenn ab Ende April das Andergasser Fest gefeiert wird. Bender blickt auch mit Sorge auf die weiteren Veranstaltungen im Ort, denn der Aufbau des Kranes ist auf sechs Monate genehmigt. „Die Saison hat ja gerade erst begonnen.“

Bau von Acht-Parteien-Haus

Der Ortsvorsteher sagt, das gehe nicht gegen den Bauherrn. Dieser habe das Recht zu bauen. Gegen das Projekt hatte es einst Widerstand gegeben, Ortsbeirat und Bauausschuss waren dagegen. Kritisiert wurde vor allem die Dimension des Vorhabens – dort entsteht ein Acht-Parteien-Haus. Ein Nachbar wehrte sich juristisch – am Ende ohne Erfolg. Darum gehe es jetzt aber nicht, betont Bender, sondern darum, dass die aktuelle Verkehrslage nicht tragbar sei.

Bernhard Adams, Neustadts Bau- und Verkehrsdezernent, widerspricht ihm da nicht. Auf RHEINPFALZ-Anfrage ordnet der Beigeordnete zunächst einmal die Rahmenbedingungen ein. Wer baue, müsse seine Gerätschaften vorzugsweise auf privaten Grund stellen. Sei dies nicht möglich, könne man öffentlichen Raum in Anspruch nehmen. Das liege hier vor. Der Kran könne nicht auf dem Grundstück stehen, weil die Baugrube so groß sei – dort entsteht auch eine Tiefgarage. Auch der Kran sei sehr groß, wegen der Dimension des Projekts.

Für das Aufstellen des Krans sei Ende März eine Sondernutzungsgenehmigung beantragt worden, sagt Adams. Diese sei dann von der Fachabteilung geprüft und erteilt worden, so dass das Baugerät aufgestellt werden konnte. Allerdings, so sagt es der Beigeordnete, sei bei der Abwägung der Interessen des Bauherrn und der Allgemeinheit eine „gewisse Fehlgewichtung“ entstanden. Er selbst sei schockiert gewesen, als er vor Ort gesehen habe, dass nicht mal Platz für Rad- oder Fußverkehr sei. Daher strebt Adams eine Veränderung an.

Umleitung nicht gut ausgeschildert

Nachbesserungsbedarf sieht er auch bei der Umleitung: „Eine Umleitung muss funktionieren“, dafür müsse sie ordentlich beschildert sein, sagt der Beigeordnete. Das sei bisher nicht der Fall gewesen. So fehlten Parkverbotsschilder an engen Stellen der Strecke, um die Durchfahrt für größere Fahrzeuge zu ermöglichen. Außerdem sei die Beschilderung für Fahrzeuge, die aus der Andergasse kommen, nicht ausreichend gewesen.

Adams hat aber noch ein ganz anderes Problem mit der Route, sie dürfte nämlich einem Großprojekt ins Gehege kommen, der Sanierung der Weinstraße in Diedesfeld. Die Baustelle rückt nämlich nach Norden, so dass irgendwann die Einfahrt in die Hohe-Loog-Straße nicht mehr möglich ist.

Auch deshalb möchte Adams, dass der Kran seinen Standort wechselt, damit die Winzerstraße wieder passierbar wird. Er habe dazu schon Gespräche mit dem Bauherren des Acht-Parteien-Hauses und dessen Baufirma geführt. Bei diesen sei der Vorstoß auf Wohlwollen gestoßen, berichtet Adams. Der Kran soll demnach auf eine andere Seite des Grundstücks gestellt werden, auf den Feldweg, der die Verlängerung der Banngasse darstellt.

Wieso der Ortsvorsteher nicht informiert wurde

Dabei gibt es jedoch ein Problem, das dazu geführt hat, dass der Kran dort nicht schon seit Anfang an steht: „Der Weg hat nicht die Tragfähigkeit für einen solch großen Kran“, erklärt Adams. Daher müsse der Feldweg an der Stelle vorher ertüchtigt werden. Wie das geschehen könne, werde derzeit geprüft. Die Stadt werde sich daran dann auch finanziell beteiligen, kündigt Adams an. Er wagt keine Prognose, wann es so weit ist. Für das Andergasser Fest, das am 30. April beginnt, „dürfte es eng werden“.

Adams bedauert auch, dass Ortsvorsteher Pascal Bender nicht im Vorfeld in die Entscheidungsfindung einbezogen worden sei. Er erklärt dies damit, dass Anträge für Sondernutzungsgenehmigungen praktisch täglich reinkämen, das gehöre „zum Grundrauschen in der Verwaltung“. Was für Auswirkungen der Fall in der Winzerstraße haben würde, sei leider unterschätzt worden.

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