Neustadt „Habe Zeit und großes Interesse“

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Was haben das Dienstleistungszentrum Ländlicher Raum (DLR) Rheinpfalz und die Evangelische Kirche der Pfalz miteinander zu tun? Spätestens gestern hat es darauf Antworten gegeben. Berührungspunkte sind zum Beispiel dort, wo es um den Pachtzins geht, den Wein- oder Gemüsebauern für kirchliche Grundstücke zahlen. Oder um Seelsorge, wenn es in einem Betrieb nicht rund läuft. Das DLR in Mußbach war fünfte Station einer Rundreise von Kirchenpräsident Christian Schad durchs Dekanat Neustadt.

Form- und zwanglos will Schad bei diesen Besuchen in den insgesamt 19 Dekanaten in Pfalz und Saarpfalz eine „menschennahe Kirche“ praktizieren, will direkt erfahren, wo und wie die Menschen leben und arbeiten. Offiziell hat er dazu nur bei den alle neun Jahre stattfindenden Visitationen Gelegenheit; weshalb er dazwischen solche Abstecher macht. Haßloch als eine der 18 Kirchengemeinden des Kirchenbezirks Neustadt stand dabei gestern gleich zweimal auf dem Programm: mit der Gemeinschaftsunterkunft für Asylbewerber in der Bahnhofstraße und dem Altenhilfezentrum Theodor-Friedrich-Haus, wo Schad sich auch zum Mittagessen mit der Kommunalpolitik traf. Weitere Anlaufpunkte: das Bibelhaus in Neustadt, das DLR, das Künstlerhaus Edenkoben und das Casimirianum, wo ein Empfang für Ehren- und Hauptamtliche des Kirchenbezirks ausgerichtet wurde. So unterschiedlich die Stationen waren, so unterschiedlich waren auch die Eindrücke und Empfindungen des Kirchenpräsidenten. Er sprach von „der bedrückenden Situation, in ein Haus, wie es das Asylbewerberheim ist, zu kommen“. Den Betroffenen Solidarität und Fürsprache zu geben, aber auch in den Kommunen Verständnis für ihre Situation zu schaffen, sei wichtig. Ganz anders in Edenkoben: Mit Unterstützung des Künstlerhauses will die Landeskirche ein Stipendium anlässlich der bis 2017 laufenden Lutherdekade finanzieren. Oder eben das DLR. „Ich habe schon viel davon gehört, aber wenig davon gesehen. Heute habe ich Zeit und großes Interesse“, sagte Schad zu Beginn an die Adresse von DLR-Direktor Günter Hoos – ehrenamtlich Presbyter in Lachen-Speyerdorf – und dessen Expertenteam. Sie nutzten ihre Chance, gaben Einblicke in ihre Arbeit und informierten den Kirchenpräsidenten rundum – soziale Aspekte, die eine direkte Verbindung zur Kirche schaffen, inklusive. Dazu gehörte die Erfahrung, dass viele Winzerfamilien immer größere Flächen bewirtschafteten, manche damit aber überfordert seien – „ein großes Arbeitsfeld auch für die Kirche“, gaben sie Schad mit auf den Weg. Angesprochen wurden zudem ganz praktische Dinge. Wie eine gesunde Ernährung mit guten Lebensmitteln aus der Region in Kindertagesstätten und Schulen, die aber nicht für billiges Geld zu haben seien. Doch auch in kirchlichen Kitas gehe es beim Mittagessen weniger um Qualität, denn um die Kosten. Den abschließenden Empfang im Casimirianum nutzte Schad für eine Tagesbilanz. Den ehrenamtlich Engagierten dankte er und verwies auf das Dankeschön-Fest für Presbyter, das am 18. Juli in Speyer gefeiert wird. Sein Appell, die Arbeit fortzusetzen, hatte einen besonderen Hintergrund: Am 30. November werden die Presbyterien neu gewählt. Dass die Zeiten für die Landeskirche nicht einfacher werden, verhehlte ihr Präsident nicht. Als drittgrößter Kirchenbezirk innerhalb der Landeskirche stehe Neustadt zwar „relativ gut da“; trotzdem habe die Anzahl der Pfarrstellen von 23 auf 21 reduziert werden müssen. (ahb)

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