Neustadt RHEINPFALZ Plus Artikel Haßloch: Letzte Chance für die Maikerwe?

Trauriges Bild: Maikerwe 2019 im Wendehammer der Leo-Loeb-Straße. Foto: stbe
Trauriges Bild: Maikerwe 2019 im Wendehammer der Leo-Loeb-Straße.

Im Mai wurden die „Leisböhler Weintage“ und die Maikerwe zum dritten Mal im Doppelpack gefeiert. Zum Weinfest strömten die Besucher wie gewohnt zahlreich, doch die Beschicker der Kerwe fühlten sich „abgehängt“. Ist die Maikerwe noch zeitgemäß? Für das kommende Jahr gibt es neue Pläne.

2017 hatte der Gemeinderat nach vorheriger Beratung im Ausschuss für Ortsmarketing beschlossen, beide Feste zusammenzulegen, um zu sehen, wie man „vor allem mit der Maikerwe neue Impulse setzen“ könne. „Die Leisböhler Weintage und die Maikerwe sind zwei Haßlocher Feste mit Tradition“, heißt es auf der Homepage der Gemeinde. Beschicker und Besucher sehen die kleine Kerwe, die gerade noch so den Wendehammer der Leo-Loeb-Straße ausfüllt, kritischer: Zu wenig Angebot für Jugendliche, zu klein, im Wendehammer „abgehängt“, kein Autoscooter mehr, einzig Spiele und Kinderkarussell und ab dem Abend für Familien eher unpassend zum Weinfestpublikum – so lauten die häufigsten Aussagen.

Standort allein macht keine gute Kerwe

Die Kerwe als Einzelveranstaltung hatte in Haßloch zuletzt nicht mehr den erhofften Zuspruch gefunden, weshalb man ihr durch die Zusammenlegung neue Impulse geben wollte“, heißt es auch in einer Stellungnahme der Verwaltung auf RHEINPFALZ-Nachfrage. Zudem spare die Änderung 5000 Euro pro Jahr an Logistikkosten ein. Einige Beschicker „profitierten“ vom Standort im Wendehammer, wenn sie „dem Weinfest zugeneigt“ seien. Andere hingegen fühlten sich „wie das fünfte Rad am Wagen“ und bezeichneten die Maikerwe nurmehr als „Anhängsel des Weinfestes“.

„Der Standort allein macht keine gute Kerwe“ betont der Erste Beigeordnete Tobias Meyer (CDU) im Gespräch mit der RHEINPFALZ: „Das Angebot muss auch vom Besucher angenommen werden.“ Zwei neue Teilnehmer habe es gegeben, ein Laufgeschäft und ein Fahrgeschäft, das in der Branche als „Scheibenwischer“ bezeichnet wird. Meyer gibt allerdings zu: „Beides ist nicht so gut angenommen worden.“ Deswegen kämen sie „im kommenden Jahr auch nicht wieder“. Die Anwohner seien überwiegend mit dem Kerwestandort klargekommen. Falls nicht, habe man in Gesprächen oder Hausbesuchen versucht, Lösungen zu finden.

Andere Zeiten, andere Attraktionen?

Dass das jugendliche Publikum größere Dimensionen – Stichwort Dürkheimer Wurstmarkt – oder auch permanente Fahrgeschäfte im Holiday Park, die Haßlocher mit Bürgerkarte kostenfrei nutzen dürfen, spannender finden als zwei altersgerechte Stände innerorts, verneint Meyer nicht. Es sei mit dem Wandel ein bisschen wie beim Schüleraustausch: „Früher waren Austauschfahrten eine kleine Sensation, und heute setzt man sich eben für zehn Euro in einen Flixbus und fährt weg.“

Dennoch sind laut Meyer für die Verwaltung zwei Dinge sicher: „Eine Trennung der Feste ist keine Option mehr, und die Weintage auf dem Jahnplatz sind gesetzt.“ Die Kerwe sei „trotz allem eine traditionsreiche Einrichtung“. Man wolle „an den Stellschrauben drehen, um sie möglichst besser zu integrieren“.

Neues Konzept ab 2020?

Um dieses Ziel zu erreichen, sei man bereits „mitten in der Planung fürs kommende Jahr“, bestätigt Festorganisator Gunther Metz. Der vom Ortsmarketing-Ausschuss initiierte Arbeitskreis Veranstaltungen habe sich bis jetzt vorwiegend mit dem Andechser Bierfest beschäftigt, ergänzt Meyer: „Dabei kamen auch gute Sachen heraus, etwa die neue Entgeltordnung.“ Die Weintage und der Weihnachtsmarkt seien nun „als Nächstes an der Reihe“.

Für Mai 2020 haben Meyer und Metz ein mögliches Konzept in der Tasche: „Wir wollen prüfen, ob die Maikerwe sich enger mit dem Weinfest verzahnen lässt“, kündigt der Erste Beigeordnete an. Die Stände könnten dabei auf dem Jahnplatz „Kopf und Fuß“ der Weintage und eine Art Rahmen bilden. Eine Sperrung der Schillerstraße zwischen Lidl-Parkplatz und Feuerwehr könne dazu in Betracht gezogen werden, doch man müsse noch entsprechende Gespräche führen. Eine Folge hätte diese Idee aber garantiert: „Bei dieser Variante wäre klar, dass die Dauer der Kerwe angepasst werden muss und so der verlängerte Kerwetag am Montag wegfallen würde.“ Der Familiennachmittag könne durch Einzelaktionen ausgeglichen werden, stellt Metz in Aussicht. Nach der Sommerpause sollen laut Meyer sich die politischen Gremien weiter mit dem Konzept befassen. Ob der Autoscooter wiederkommt und der Wendehammer für ihn wieder genutzt wird, sei ebenfalls noch unsicher.

Zur Sache: Historie der Feste

Als „klein, aber fein“ hat Haßloch mit 24 Hektar Rebfläche seine „Leisböhler Weintage“ mit einer eigenen Weinauswahl samt Gläserserie etabliert. Vier Weingüter sind beteiligt: Weinland Meckenheim, Weinland Königsbach, Wein- und Sektgut Braun in Meckenheim und Weingut Grundhof Meckenheim. Die dazu passenden „Leisböhler Weintage“ werden seit 2008 jedes Jahr im Mai als „das Haßlocher Weinfest“ gefeiert.

Die „Maikerwe“ ist – von den Fahrgeschäften beim Andechser Bierfest abgesehen- – die letzte verbleibende Kerwe im Haßloch. Die Frage nach der Zukunft einer eigenständigen Kerwe stellt sich allerdings schon etwas länger: 2009 wurde die Spätjahreskerwe vom Pfalzplatz auf den Jahnplatz verlegt und, in Anlehnung an den früheren althochdeutschen Namen Haßlochs („Hasalaha“), in „Haselnusskerwe“ umbenannt. 2011 kam es dann zum Wegfall der Frühjahrskerwe auf dem Pfalzplatz, bevor sie 2014 als „Maikerwe“ auf dem Jahnplatz neu belebt wurde. Gestrichen wurde letztlich aber die „Haselnusskerwe“.

Seit 2017 wird die „Maikerwe“ mit den „Leisböhler Weintagen“ zusammen gefeiert. Nach einem gescheiterten Standorttausch finden die Weintage wieder auf dem Jahnplatz statt, und die Kerwe ist bislang im Wendehammer der Leo-Loeb-Straße zu finden – wenn auch empfindlich kleiner als in früheren Zeiten.

EINWURF

Früher war eben früher

Von Stephanie Becker

Dass kleine „Traditionskerwen“ im Jahr 2019 nicht „automatisch“ so gut besucht werden wie früher, damit steht Haßloch sicher nicht alleine da. Trotzdem hört man immer noch von älteren Besuchern oder in Sitzungen der Gremien, dass die Frühjahrskerwe „früher“ so viel größer und besser gewesen sei. Diese Zeit ist nunmal vorbei. Trotzdem enthält die Aussage des Ersten Beigeordneten, dass die Besucher die Kerwe „auch annehmen müssen“, allein keine Lösung: Gerade mal zwei Angebote für Jugendliche haben die gewünschte Sogwirkung einfach verfehlt. Dass man in guter Tradition ein Angebot für Familien erhalten und die langjährigen Beschicker besser integrieren will, sollte den weiteren Versuch aber wert sein.

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