Neustadt
Haßloch: Heimatblatt 116 widmet sich vielen alten Dokumenten
Im Archiv des Heimatmuseums haben sich sehr viele Dokumente angesammelt. Einen Teil davon hat Wolfgang Hubach zusammengefasst und im 116. Heimatblatt veröffentlicht. Die Beiträge reichen von der napoleonischen Zeit bis in die Anfänge der Bundesrepublik.
Dabei handelt es sich um Briefe, Annoncen, Kochbücher, ein Wachbuch aus einem Haßlocher Gefangenenlager und einen Radfahrerführerschein, wie er während der französischen Besatzungszeit nach dem Ersten Weltkrieg mitgeführt werden musste. Ein weiterer Teil stammt auch aus dem Dritten Reich. Außerdem enthält das Blatt Informationen, die kaum glaubhaft sind. So sollen die Schulabgänger der Haßlocher Volksschule im Jahre 1945, also nach dem Zusammenbruch des Dritten Reiches, mit dem Porträt von Adolf Hitler geschmückte Abschlusszeugnisse erhalten haben – und das einen Tag nach dem Einmarsch der Amerikaner am 24. März 1945.
Viele Haßlocher waren bei den IG-Farben in Ludwigshafen, der heutigen Badischen Anilin- und Sodafabrik (BASF) beschäftigt. Es wird besonders diese Personen interessieren, was in den letzten Werkzeitungen vom November 1944 veröffentlicht wurde. Interessant sind auch die Notpersonalausweise, wie sie zuerst die Amerikaner und später die Franzosen ausstellten.
Viele Dokumente erinnern an Werbung
1925 veröffentlichte Gottlieb Wenz sein Buch „Beiträge zur Geschichte der Pflege Haßloch“. Der damalige Bürgermeister Brauch verschenkte diese Chronik an Weihnachten an die Gemeinderäte, so auch an Philipp Hügly, welcher der erste Landtagsabgeordnete aus Haßloch gewesen ist. Er war für die Kommunistische Partei abgeordnet.
Anzeigen sind in ebenfalls reichlich zu finden. So vom Landwirtschaftlichen Consum-Vereine eine Einladung zur Generalversammlung am 6. März 1905 „auf dem Gemeindehause“; vom Verkauf einer Maschinenfabrik der Firma Bastian, die Automobile hergestellt hatte. Später kaufte Gottlieb Duttenhöfer das Gelände und begründete seine noch heute existierende Blechemballagenfabrik.
Kochbuch für Arbeiterfrauen
In dem Heft werden auch einige Kochbücher vorgestellt, so unter anderem ein Kochbuch für bürgerliche Haushaltungen mit dem Titel „Supp’, Gemüs’ und Fleisch, ein Kochbuch für bürgerliche Haushaltungen“. Ein weiteres Kochbuch gab eine „Anleitung zum Kochen“ für Arbeiterfrauen.
Von November 1918 bis 30. Juni 1930 war die Pfalz von französischem Militär besetzt. Auch das Großdorf hatte die entsprechenden Einquartierungen. In dieser Zeit durfte jemand ein Fahrrad nur benutzen, wenn er einen Fahrradführerschein besaß.
Zeugnisse und Rechnungen
An den Wochenenden gab es in den Metzgereien Peter Stamer in der Ohliggasse, Ecke Kühngässel und bei Karl Hene in der Langgassee billige Fleisch- und Wurstwaren. Hene war ein jüdischer koscherer Metzger, und man kannte ihn im Großdorf nur als „Datschel“.
Die Firma Brauch musste Teile für Gasmasken herstellen, was Rechnungen belegen. In dem Heft werden auch Auszeichnungen und Ehrungen von Haßlocher Bürger für ihre langjährige Treue in ihrer Firma vorgestellt. Zu ersehen sind auch Zeugnisse und Notenstufen aus der Haßlocher Volksschule.
Schuhe selbst gemacht
Nach dem Einmarsch der Amerikaner am 23. März 1945 in das Großdorf verloren die amtlichen Papiere ihre Gültigkeit. Im Sommer wurden die amerikanischen Besatzer von den Franzosen abgelöst. Es gab neue Ausweise und Kennkarten sowie viele Bekanntmachungen der Militärregierung wie die Sperrzeiten. In Haßloch herrschte einige Tage lang nur zwei mal vier Stunden Ausgehzeit.
Die selbstgemachten Schuhe für Haus und Straße bilden den Abschluss des Heftes. Es gab wertvolle Anleitungen und Hinweise zur Selbstanfertigung von Haus- und Straßenschuhen. Sie waren alle aus den vorhandenen Beständen leicht herzustellen. Jeder Rest und jeder Fleck konnte verwendet werden. Die landwirtschaftlichen Beratungsstellen standen dabei mit Rat und Tat zur Seite. Vorgestellt werden Straßenschuhe in verschiedenen Modellen, Sommersandaletten, sportliche Schuhe, Schuhe mit Binsen- und Maisstrohsohlen, Schnallenverschlüsse, Sommerschuhe aus Stoffresten und Straßenschuhe aus Lederresten. Zudem sind die Arbeitsgänge zu den verschiedenen Schuharten beschrieben. Auch findet man etliche Anleitungen für das Herstellen von Haus- und Straßenschuhen.
Info
Zu beziehen ist das 116. Heimatblatt, wie die bisher erschienenen Blätter, am ersten und dritten Sonntag im Monat im Heimatmuseum, Gillergasse 11, von 14.30 Uhr bis 17 Uhr, oder unter Telefon 06324/5648 oder 06324/1291.