Neustadt RHEINPFALZ Plus Artikel Haßloch: Als Ordnungshüter auf dem „Andechser“ – alles andere als vergnügungssteuerpflichtig

Zehn Vollzugsbeamte sind für die Sicherheit während des „Andechser Bierfests“ verantwortlich. Die routinierte Gruppe ahnt meist
Zehn Vollzugsbeamte sind für die Sicherheit während des »Andechser Bierfests« verantwortlich. Die routinierte Gruppe ahnt meist vorher schon, wann es wo klemmt und kennt alle erdenklichen Beleidigungen. Foto: Linzmeier-Mehn

REPORTAGE: Wenn das Andechser Bierfest drei Tage lang den Ortskern von Haßloch dominiert, muss die Ordnungsverwaltung auf Verstärkung bauen, um für ausreichend Sicherheit zu sorgen. Das geht nur zusammen mit externen Vollzugsbeamten und Sicherheitsleuten. Ein Rundgang.

„Auf welchem Funkkanal sind wir? Was haben Feuerwehr und DRK?“ Freitagabend, 19 Uhr. Während sich im proppenvollen Festzelt auf dem Haßlocher Rathausplatz die Anhänger des Andechser Bierfests für den Fassanstich bereit machen, haben die kommunalen Vollzugsbeamten Besprechung im Bürgerbüro. Auf ihren Sicherheitswesten tragen sie unterschiedliche Aufnäher: „Ordnungsbehörde“ steht darauf, „Ordnungspolizei“ oder „KVD“ für „Kommunaler Vollzugdienst“. Das liegt daran, dass Vollzugsbeamtin Melanie Braun und die beiden Hilfspolizisten für das Fest Verstärkung aus Kaiserslautern, Worms, Lampertheim und der Verbandsgemeinde Maxdorf bekommen. Die sechs Männer und Frauen sind für die drei Festtage, die durch den „Pro-Bier-Tag“ und die Wahl der Bierfestkönigin am Donnerstag eigentlich vier sind, kurzfristig Beschäftigte der Gemeinde Haßloch.

Während das Zelt tobt, wird draußen gesichert

Mit dem Technischen Hilfswerk Neustadt hat Christine Behret, Leiterin Abteilung Bürgerdienste, um die Festzone im Ortskern auch 14 sogenannte IBC-Containertanks als Sperren gestellt, einige davon in der Langgasse. Die mit Splitt gefüllten, umgitterten Tanks sind laut Behret jeweils 1,2 Tonnen schwer. Das sei „seit Berlin und Duisburg“ Schutz vor großen Fahrzeugen und Teil des Sicherheitskonzepts, das sie mit 14 Jahren „Andechser“-Erfahrung erarbeitet hat. Dieses enthält die Einsatz- und Rufbereitschaft, alle Sicherungsmaßnahmen, einen Fluchtwegeplan, Sperrungen, die Allgemeine Gefahrenabwehrordnung, die Allgemeinverfügung und mehr. Etwa 7000 Euro hätte ein solcher Plan laut Behret extern gekostet, was sie aber eingespart habe.

Gut gefunkt ist halb eingegriffen

Bevor die zehn Vollzugsbeamten sich in zwei Gruppen aufteilen, geht es zuerst einmal quer übers Fest zur Tourist-Information. Im Büro von Festorganisator Gunther Metz bekommen sie ein weiteres Funkgerät. Über eine Zentrale im Feuerwehrhaus ist man mit der Polizei, dem Roten Kreuz und der Intergrierten Leitstelle in Ludwigshafen verbunden. Als die Menge im Zelt „Ein Prosit der Gemütlichkeit“ anstimmt, geht der Kontrollgang weiter. Vier Sicherheitsleute der Lieblang GmbH Mannheim, die sonst Objekte wie die SAP-Arena sichern, sind mit eingeteilt: „Wir sind sehr froh darüber“, betont Behret. Das Hamel-Zelt habe eigene Security.

Auch der Ebertplatz in der Parkstraße mit Spielgeräten und Boulebahn gehört zum Rundgang. „Schönen guten Abend“, rufen die Vollzugsbeamten kurz vor 20 Uhr, als sie eine Gruppe Jugendlicher an einer Parkbank erblicken. Durch ihre dicken Westen mit Teleskop-Schlagstöcken sehen die Ordnungshüter imposant aus. Die Teenager zeigen Daniel Fischer aus Lampertheim und seinen Kollegen erstaunlich routiniert mitgebrachte Flaschen und viele Zigaretten. Weil alle 14 oder 15 Jahre sind und zudem nicht mehr auf den Spielplatz dürften, wird der Alkohol ausgekippt: „Nach dem Andechser wachsen die Büsche hier immer besonders gut“, scherzen die Beamten. Die „Kippen“ sind nur angeblich „von der Oma“ und werden mit kassiert. Nach einem Platzverweis gibt es kein Prosit und keine Gemütlichkeit mehr – nur, wenn der mal ignoriert wird, brauchen die Ordnungsbeamten zum Durchsetzen die Polizei.

„Das Meiste können wir eindämmen“

Am Lidl-Parkplatz wird der Fahrer eines Sprinters aus der Ukraine überprüft, der schräg geparkt und den Wagen samt steckenden Schlüssels offen gelassen hat, während er einkaufen ging. Diesen Leichtsinn werten die Beamten als „Aufforderung zum Diebstahl“. Weil der Discounter-Parkplatz Privatgelände ist, bleibt es aber bei einer mündlichen Ermahnung.

An der Kreuzung Bahnhofstraße/Kirchgasse kontrolliert die Gruppe gegen 21 Uhr auch „Wildpinkler“ und aggressive Festbesucher. „Das Meiste können wir eindämmen“, so Behret. In der „Coke zero“ eines sehr jungen Mannes fehlt nicht nur der Zucker, sondern die gesamte Cola: Abgekippt wird der Alkoholmix daher nur noch in den Ausguss. Etwas Tumult gibt es fünf Meter weiter. Christine Behret muss darauf bestehen, dass der Bauzaun zum Haus immer geschlossen ist. „Sonst hocken sich schnell Betrunkene in die dunklen Ecken.“

Die Beamten werden angefunkt: Ein Flohmarktstandinhaber diskutiert herum, weil er nicht einsehen will, dass sein Pavillon nicht bis mitten auf die Straße reichen darf. Die Markierung ignoriert er komplett. Behret gibt ihm eine Stunde zum Umbau. Die Wormser Vollzugsbeamtin Tanja Schwarz erklärt: 3,05 Meter Platz müssen für Rettungsfahrzeuge schon sein. „Sonst übernehmen wir für ihn den Abbau“, ergänzt Ordnungshüter Daniel Barth aus Kaiserslautern.

Um Mitternacht muss die Musik enden, um ein Uhr der Ausschank und um zwei Uhr das Fest. Die routinierte Gruppe ahnt meist vorher schon, wann es wo klemmt, und kennt alle erdenklichen Beleidigungen von Falschparkern. Zum Essen kommen die Beamten dagegen so gut wie nie. Kaum wird um 22 Uhr der Wunsch laut, kommt schon der nächste Funkspruch.

Zur Sache: Besondere Vorkommnisse

Etwa 30 Delikte auf dem Andechser Bierfest und noch weitere auf privaten Feiern hatte die Haßlocher Polizeiinspektion bis Sonntag zu bearbeiten: „Es war sehr viel los, aber das ist auf einem so großen Fest leider normal“, so Polizeihauptkommissar Frank Schulz im RHEINPFALZ-Gespräch. Drei Schlägereien größerer Gruppen habe es gegeben, bei denen laut Polizei „reichlich Alkohol und Streit um die Frauen“ der Auslöser waren. Waffen wurden jedoch nicht verwendet, es gab nur Leichtverletzte. Pkw-Spiegel blieben diesmal weitgehend verschont: Einer wurde am Friedrich-Ebert-Platz abgetreten, der Täter ist bereits geschnappt. Dringliche „Geschäfte“ wurden mehrfach in Höfen verrichtet. Freitagnacht wurde ein stark alkoholisierter Mann nach mehrfachem Platzverweis vor einem Dönerladen in der Langgasse verhaftet, der „massiven Widerstand“ geleistet habe und deswegen eine Nacht in Gewahrsam verbringen musste. Neben weiteren Sachbeschädigungen sei es öfters zu „grobem Unfug“ in Form von weggeräumten Absperrungen oder Baustellenbaken gekommen. Laut Gunther Metz, Festorganisator der Gemeinde, konnten gleich mehrere Diebstahlversuche vorab von den Vollzugs- und Sicherheitsdiensten vereitelt werden, „aber das waren dann meist organisierte Banden, die beim Auftakt unsere Standbetreiber genau beobachten und ab samstags dann versuchen, zuzuschlagen.“ Auffällig sei für ihn auch, dass die Festbesucher „diesmal erstaunlich wenig Müll und Dreck hinterlassen haben“. Möglicherweise folgten damit die Gäste sogar beim ausgelassenen Feiern „dann doch verstärkt dem ansteigenden Öko-Trend“. In der Nacht von Samstag auf Sonntag gab es dann auch noch einen etwa 20-minütigen Stromausfall, der aber nicht das Fest, sondern nur die Beleuchtung der angrenzenden Straßen betroffen habe, so Metz.

Im „Avenger Royal“ steht die Welt Kopf. Dass das auf der Erde nicht auch passiert, dafür sorgen beim Andechser auch sechs auswär
Im »Avenger Royal« steht die Welt Kopf. Dass das auf der Erde nicht auch passiert, dafür sorgen beim Andechser auch sechs auswärtige Ordnungshüter. Foto: Linzmeier-Mehn
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