Neustadt Händler im Bahnhofsgebäude wegen Baustellen unter Druck

Mit lockerem Spruch: Werbebanner auf dem Fußweg zu den Gleisen.
Mit lockerem Spruch: Werbebanner auf dem Fußweg zu den Gleisen.

Seit der Bahnhofsvorplatz in Neustadt umgestaltet wird, ändern sich die Laufwege ständig. Das spüren die Händler im Bahnhofsgebäude. Banner sollen sie nun unterstützen.

Der Platz vor dem Neustadter Hauptbahnhof ist seit mehr als anderthalb Jahren eine Großbaustelle: Unter- und überirdisch wird für die Umgestaltung rundum erneuert. Seit Anfang Juli ist auch noch das Bahnhofsgebäude selbst eingerüstet worden, das die Deutsche Bahn für 5,5 Millionen Euro umfassend modernisiert. Das baustellenbedingt wenig attraktive Umfeld mit wechselnden Laufwegen für Fußgänger spüren die Händler im Bahnhofsgebäude. Simone Ehrat von der Bäckerei Ehrat berichtet von „enormen Einbußen“, und das nicht erst, seitdem das Gerüst ums Gebäude steht. „Unsere Kunden können ohne Parkplätze nicht mehr kurz anhalten und reinspringen, um etwas zu kaufen.“ Zudem hält ein Großteil der Busse an den Ersatzhaltestellen auf Höhe der ehemaligen Esso-Tankstelle. „Die Pendler müssen dann direkt zum Zug und nehmen unter Zeitdruck die Umwege zu uns nicht mehr in Kauf.“

Zwar kämpfe die Bäckerei um „jeden hart erarbeiteten Stammkunden“ aus dem Stadtgebiet, doch die ständig wechselnden Laufwege schreckten ab. Da helfe auch die zweite Verkaufsstelle nah an Gleis 1 nicht. „Es hätte besser laufen können“, meint Ehrat, die gleichwohl einsieht, dass der Bahnhofsvorplatz gemacht werden muss. „Wenn alles fertig ist, wird es schön – aber bald zwei Jahre bis zur Fertigstellung sind eine lange Zeit.“ Sie sei froh über ihr motiviertes Personal, wegen dem die Leute noch gerne kämen.

Stammkunden bleiben weg

Das Verkaufspersonal im Buch- und Pressehandel Eckert & Schmitt nebenan bemerkt, dass vor allem ältere Stammkunden den „Gewaltmarsch“ durch die Baustellenführung seit dem Baustart auf dem Bahnhofsvorplatz nicht mehr auf sich nehmen. Selbst Kunden, die sonst treu ihre reservierten Zeitschriften abgeholt hätten, seien auf andere Geschäfte ausgewichen – ob sie nach Fertigstellung des Bahnhofsvorplatzes wiederkommen, sei unklar. „Wir verzeichnen sehr starke Frequenz- und Umsatzrückgänge“, schreibt die Geschäftsleitung von Schmitt und Hahn auf Anfrage. „Der gesamte Bahnhof ist blockiert, unsere Kunden können nicht mehr parken und haben keinen ungehinderten Zugang zum Bahnhof. Auch unsere Lieferanten können nicht mehr wie gewohnt anliefern.“

Das Personal schildert: „Wir werden auch mehrmals am Tag gefragt, wie man jetzt zur Toilette kommt.“ Vor Ehrat steht mittlerweile ein Aufsteller, der in Richtung WC zeigt. Das befindet sich auf der Gebäuderückseite, wenn man Gleis 1 nach rechts folgt. Der direkte Zugang von der Vorplatzseite ist versperrt.

Simone Ehrat von der Bäckerei Ehrat im Bahnhofsgebäude weist mittlerweile mit einem Schild darauf hin, wo Reisende die Bahnhofst
Simone Ehrat von der Bäckerei Ehrat im Bahnhofsgebäude weist mittlerweile mit einem Schild darauf hin, wo Reisende die Bahnhofstoilette finden.

Seit vergangenem Donnerstag hat die Wirtschaftsentwicklungsgesellschaft (WEG) sechs Banner an drei Standorten aufgestellt, die auf die Erreichbarkeit der Händler im Bahnhofsgebäude hinweisen und sie so unterstützen sollen: vom Hetzelplatz aus kommend auf Höhe der Ersatzhaltestellen gegenüber des Saalbaus, von der Exterstraße kommend links dem Laufweg folgend sowie direkt am Aufgang der Unterführung von den Zuggleisen kommend. Man habe sich vorher intensiv Gedanken gemacht, sagt Gianluca Raneri. Die Banner seien in Gold mit weißer Schrift sichtbarer gestaltet als Vorgängermodelle. „Und wir haben auf Wunsch von Simone Ehrat einen auflockernden Spruch mit aufgenommen“: Eines schönen „Teiges“ wird das Leben wieder normal, ist da zu lesen.

Nach Vorplatz geht Hotel weiter

Die Werbebanner kommen mit Blick darauf, dass der Vorplatz im November fertig sein soll, ziemlich spät. Es sei zu klären gewesen, an welche Bauzäune man überhaupt etwas anbringen darf, erklärt WEG-Geschäftsführerin Karin Henneke. „Es ist wichtig, dass wir das jetzt noch machen. Wir stehen hinter den Händlern, die mit den derzeitig erschwerten Bedingungen ihren Service für die Neustadter aufrechterhalten.“ Man wisse aber auch, dass die Situation erst wieder „ganz gut wird, wenn der Hotelbau neben dem Vorplatz fertig ist“. Die Geschäftsführung von Schmitt & Hahn ist „sehr dankbar für die Initiative der Wirtschaftsförderung – eine tolle Idee. So wird wenigstens signalisiert, dass wir noch im Bahnhof sind“.

Gesperrt: Zugang zur Bahnhofstoilette vom Bahnhofsvorplatz aus.
Gesperrt: Zugang zur Bahnhofstoilette vom Bahnhofsvorplatz aus.

Die WEG sieht ebenfalls den Bedarf an Parkplätzen für Kunden. „Wir sind dran“, versichert Henneke. Kurzzeitparkplätze am Saalbau, wie sie Simone Ehrat vorschlägt, würden aber nicht lange helfen, da sich die Laufwege in Kürze wieder ändern werden. Henneke sieht mehr Möglichkeiten für Kundenparkplätze hinter dem Gebäude der Bundespolizei, dafür seien Gespräche mit dem verantwortlichen Bahnhofsmanagement vorgesehen. Für diejenigen, die sonntags Brötchen kaufen wollen, weist Henneke auf Parkmöglichkeiten in der Alban-Haas-Straße auf der anderen Seite des Bahnareals hin. „Über den Steg an den Gleisen ist man ruckzuck am Bahnhofsgebäude.“

Wer aus der Unterführung von den Gleisen in Richtung Stadt läuft, kommt an den Werbebannern nicht vorbei.
Wer aus der Unterführung von den Gleisen in Richtung Stadt läuft, kommt an den Werbebannern nicht vorbei.
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