Neustadt Gute Trainingsbeteiligung auf Wunschzettel

Placeholder-Image

Neustadt. Davorin Golubic (38), neuer Coach des Bundesligisten SC Neustadt, gilt als jüngster Erstliga-Wasserball-Trainer Deutschlands. Als 22-Jähriger trainierte er bereits in der Saison 1999/2000 den Erstligisten SV Esslingen.

Auch wenn sich damals die Wege von Trainer und Mannschaft noch während der laufenden Saison nicht im besten Einvernehmen getrennt haben, kamen die Esslinger zehn Jahre später erneut mit Golubic zusammen. Er folgte 2010 dem Ruf aus Baden-Württemberg und trainierte das Team bis 2013. Dann wurde der Trainer „zu teuer“ für die in finanzielle Probleme geratenen Esslinger. „Das Bad musste saniert werden, der Trainer war der teuerste Stein“, so der 38-Jährige zu seinem Ausscheiden. Auch die Verbindung mit dem Zweitligisten Ludwigsburg war in der Saison 2014/2015 nicht von langer Dauer. Hier überkreuzte sich sein Engagement als Jugendnationaltrainer mit den Anforderungen des Zweitligisten. Golubic musste mit dem Jugendkader zu vielen Auslandsspielen und Vorbereitungsturnieren, es folgte die Teilnahme an den Europäischen Spielen in Baku. Dort waren von allen europäischen Schwimmverbänden keine Erwachsenenteams im Wasserball gemeldet, sondern U17-Mannschaften. Deutschland wurde Achter unter 16 Startern. „Ziel erreicht, damit sind wir für die Weltmeisterschaften im nächsten Jahr in der Altersklasse U18 qualifiziert“, so Golubic. Die Trennung von Ludwigsburg Ende März sei in Freundschaft erfolgt aufgrund seiner Termine als Jugend-Bundestrainer. Das Angebot von SCN-Manager Michael Heinz habe er angenommen, weil er das Potenzial hier in Neustadt sehe und beide Seiten eine langfristige Verbindung eingehen wollten, erzählt der Trainer. Golubic arbeitet auf der Basis einer „Dreiviertelstelle“, also einer 30-Stunden-Woche. Kaum hat Golubic sein Amt angetreten, bricht ein neuer Krater beim Erstligisten auf. Der als Ersatz für Michael Knelangen und Abel Müller vorgesehene Jugend-Nationaltorhüter Simeon Martus, der von Leimen/Mannheim zum SCN wechseln sollte, muss noch durch einen Gesundheitscheck. „Er hat ein Problem an der Leiste, eine chronische Sache. Wir müssen abwarten, ob er auf diesem Niveau in der Ersten Liga spielen kann“, informiert Golubic. „Ein Wasserball-Tormann macht die Hälfte der Verteidigung aus. Wären wir im Ausland, würden wir jetzt einfach einen Profi-Keeper einkaufen. Hier in Deutschland sieht es in der höchsten Spielklasse ganz anders aus.“ Und damit ist Golubic bei seinem „heißen“ Thema. Denn anders als in anderen Erstliga-Bereichen, wie etwa im Handball, Basketball oder Volleyball, kochen die meisten Bundesliga-Teams auf Sparflamme. Außer Waspo Hannover und Serienmeister Spandau Berlin spiele hier keine Mannschaft mit Profis oder Halbprofis, so Golubic. Daher sei die Auswahl besonders auf dem Sektor der Torhüter begrenzt. Er ist seit Juli für den SCN im Einsatz. Obwohl die konkrete Saisonvorbereitung erst im September startet, will Golubic jetzt die Spieler kennenlernen, „sehen wo die Schwächen liegen.“ Noch hat er nicht alle Wasserballer kennengelernt, aber er möchte besonders den Nachwuchs weiter an die Belastungen der Bundesliga heranführen. „Es ist viel zu tun“, stellt er fest. Das meine er nicht negativ, schiebt er gleich hinterher. Aber in Deutschland sei es ein allgemeines Problem für die jungen Spieler, dass in der Ersten Mannschaft fast täglich trainiert werden müsse. Darin liege der Unterschied zum Jugendtraining. Er wolle die Jungen gut vorbereitet sehen und ihnen Schrittweise mehr und mehr Einsatzzeit bei den Rundenspielen mit der Ersten Mannschaft zubilligen. „Sie sammeln jetzt schon Erfahrung in den Trainingsspielen“, betont er. Sein wichtigstes Ziel: „Alle Spieler zu einer echten Mannschaft zu formen. Welche Platzierung dabei am Ende herauskommt, ist zweitrangig. Wir planen langfristig.“ Auch er selbst möchte an der Weinstraße heimisch werden. Das beweist seine Suche nach einer Wohnung für seine Familie. Mit seiner Ehefrau Susanna und seinen Söhnen Tin (vier Jahre), Noa (2) und Leo (fünf Monate) sucht er nun eine Bleibe. Golubic hat nach seinem ersten Engagement in Esslingen bis 2010 in Kroatien gearbeitet. Mit Mevescak Zagreb und Mladosd Zagreb war er bei zwei Erstligisten beschäftigt. „Wasserball in Kroatien bedeutet viel mehr Stress. Dort ist es so wichtig wie Fußball. Der Zeitaufwand ist wesentlich höher. Es gibt mehr Druck, viele Pressegespräche, viele Präsentationen. Da blieb nicht viel Zeit für die Familie“, erklärt Golubic. So traf der Diplom-Sporttrainer vor fünf Jahren die Entscheidung, sein Glück in Deutschland zu versuchen. Die Sprache beherrscht er bereits ausgezeichnet, so kann er auch den Neustadter Spielern auf Deutsch klarmachen, wohin der Weg führen soll. Einen konkreten Wunsch hat er schon jetzt: „Eine gute Trainingsbeteiligung.“ Sein Part sei dabei, die Motivation im Team hoch zu halten. „Die Spieler machen das, weil sie Spaß daran haben, nicht um Geld zu verdienen.“ Diese Erkenntnis soll helfen auf dem langen Weg zur gesunden Teambildung. (kle)

x