Neustadt Gute Jugendarbeit schützt nicht vor Mitgliederschwund
Mehr Einsätze mit weniger Feuerwehrleuten, die jedoch einen hervorragenden Dienst leisten: So lautete das Fazit des Jahrestreffens der Freiwilligen Feuerwehr in der Verbandsgemeinde Deidesheim.
Die Wehren rückten 2016 zu 206 Einsätzen aus, fast doppelt so oft wie im Vorjahr. „Vor allem die sechs Großbrände forderten unsere Einsatzkräfte nicht nur körperlich, sondern auch psychisch“, betont Wehrleiter Torsten Ritzmann. Dazu kamen Hilfeleistungseinsätze, Verkehrsunfall mit eingeklemmten Menschen sowie Einsätze mit Gefahrstoff oder Öl auf öffentlichen Straßen, Absperrungen des Verkehrsraumes und Wasserrohrbrüche. Bei einem Einsatz wurde ein Feuerwehrangehöriger sogar verletzt. Außerdem wurden elf Einsätze außerhalb der Verbandsgemeinde unterstützt. Im vergangenen Jahr wurden 21 Menschen aus lebensbedrohlichen Situationen gerettet, so viele wie nie zuvor. Über das Jahr leisteten die Feuerwehrleute rund 4200 Einsatzstunden. Weitere Zeit beanspruchen Übungen, Lehrgänge und Seminare. „Wahrscheinlich verbrachte mancher mehr Zeit bei der Feuerwehr als zu Hause“, betont Ritzmann. Großes Lob für seine Aktiven aus Deidesheim, Meckenheim und Niederkirchen hat der Wehrleiter der Verbandsgemeinde bereit: „Wir sind Feuerwehrleute im Dienst für unsere Bürger. Ein eingeschworenes Team, in dem sich jeder auf den anderen verlassen kann!“ Der umsichtige Löscheinsatz beim Brand der Deidesheimer Synagoge sowie beim Gebäudebrand in Meckenheim wurde von Gutachterseite sehr gelobt. Durch die professionelle Brandbekämpfungstaktik konnte der Schaden jeweils in Grenzen gehalten werden. In beiden Fällen kam auch die Atemschutznotfallstaffel aus Niederkirchen zum Einsatz. Dabei gebe es einen landesweiten Trend, dass die Anzahl der Einsatzkräfte rückläufig sei. Mit 117 Feuerwehrleuten – darunter sieben Frauen – sei ein historischer Tiefstand erreicht, so der Wehrleiter. Laut Gesetzgeber sollten es 154 sein. „Den Mitgliederschwund können wir leider auch nicht über unsere hervorragende Jugendarbeit aufhalten“, bedauert Ritzmann. Zur Jugendfeuerwehr gehören vier Mädchen und 32 Jungs. Nun seien die politischen Verantwortlichen gefragt, die Mitbürger zu motivieren. Wenig Verständnis finden bei Ritzmann Anwohnerbeschwerden über den Lärm der Martinshörner. „Das ist bei Einsatzfahrten gesetzlich vorgeschrieben“, sagt er. Reichlich grotesk auch der Vorwurf, als an Heiligabend in Meckenheim ein Schwelbrand gelöscht werden musste, dass der Lärm der Feuerwehr, den weihnachtlichen Gesang gestört habe. Zudem würden immer wieder die abendlichen Übungen moniert. Diese seien jedoch für qualifizierte Einsätze unumgänglich, so Ritzmann. Zu bedenken sei auch, dass die ehrenamtlichen Helfer der Feuerwehr mitunter die eigene Gesundheit für die Mitbürger riskierten. Für den Erfolg ist auch die technische Ausrüstung ausschlaggebend. Hier seien, trotz knapper Kassen, sowohl der Bürgermeister als auch der Verbandsgemeinderat stets offen für notwendige Investitionen in die Sicherheit der Mitbürger. Im Frühjahr 2016 wurde der alte Rüstwagen durch ein Mehrzwecktransportfahrzeug (MZF 3) ersetzt: In diesem Jahr ist der Austausch der 34 Jahre alten Löschzug-Wasser-Komponente geplant. Geehrt wurde für 35 Jahre engagierte Mitarbeit in der Feuerwehr, der stellvertretende Wehrleiter der Verbandsgemeinde Deidesheim, Holger Ferentz (52). Ritzmann lobte die produktive und kollegiale Zusammenarbeit. Für die Freiwillige Feuerwehr Deidesheim wurden zwei Männer neu verpflichtet, zur Meckenheimer Wehr kamen sieben neue Angehörige. Thorsten Reis, Wehrleiter der Freiwilligen Feuerwehr Meckenheim, wurde zum Hauptbrandmeister befördert. Marc Huber und Christian Zitt wurden zu Brandmeistern befördert, was zwei einwöchige Lehrgänge an der Landesfeuerwehrschule in Koblenz voraussetzt, |vnl