Neustadt Gute Gespräche über Kunst
Deidesheim. Sie bietet ein Künstlersymposium der kurzen Wege, die 13. Auflage der „Intonation“, die derzeit in Deidesheim in vollem Gange ist: Die Künstler selbst, aber auch die Besucher pendeln in diesem Jahr nur einmal quer über den Schlosshof, um die beiden Werkstätten der sechs Künstlerinnen und Künstler aus fünf Nationen zu besuchen. Dass die ehemalige Synagoge wegen des Brands im vergangenen Jahr als Veranstaltungsort diesmal ausfällt, bedauert Initiatorin und Gastgeberin Friederike Zeit Narum zwar, kann der Lage aber auch eine gute Seite abgewinnen: „Wir müssen unser Material nicht so weit schleppen.“
Doch auch das Kelterhaus des Restaurants Deidesheimer Schloss, das kurzfristig von der Betreiberfamilie zur Verfügung gestellt wurde, verfügt über großen architektonischen Charme. Hasan Sahbaz aus der Türkei, Johannes Nagel und Heidi Bach Hentze aus Dänemark teilen sich den Raum. Sahbaz und Hentze – beide erstmals bei der „Intonation“ zu Gast und damit mit den früheren Verhältnissen nicht vertraut – sind voll des Lobs für die Location: „It’s an amazing place to be“, sagt Bach Hentze, Sahbaz freut sich über die „fantastic atmosphere“. Das verdeutlicht eine der Hürden, die die Künstler während ihrer insgesamt zehn Tage währenden Zusammenarbeit zu nehmen haben: die Sprachbarriere. Denn da sind ja noch Svein Narum aus Norwegen und Simon Zsolt Jószef aus Ungarn – und damit insgesamt fünf Muttersprachen am Start. „Wir verständigen uns wenn es sein muss mit Händen und Füßen“, sagt Zeit Narum, „aber es kann schon ein paar Tage dauern, bis es klappt.“ Die zweite Hürde ist, mit den veränderten Gegebenheiten zu Recht zu kommen: „Jede Werkstatt ist anders, und auch die Beschaffenheit des Materials kann variieren“, erklärt Zeit Narum und verweist auf Bach Hentze, die ein wenig Mühe hat, den Ton in die von ihr gewünschte Form zu bekommen: Sie hat sich für die Arbeit in Deidesheim statt ihrer papierdünnen, mit der Lichtdurchlässigkeit spielenden architektonischen Bauten aus Porzellan Variationen über das Vogelnest vorgenommen und formt naturgetreu anmutende Äste und Eier zu filigranen Wandobjekten. Experimente über das Vasenthema steuert Johannes Nagel aus Halle bei: Seine Objekte und Arrangements wirken eher skulptural und verbreiten dank experimenteller Formgebung und unterschiedlicher Glasurtechniken einen archaischen Charakter, den er noch unterstützt, in dem er einzelne Exponate in feinem Sand vergräbt und den Betrachter an eine beinahe archäologische Ausgangslage heranführt. Was noch gibt es zu entdecken bei der „Intonation“? Zum Beispiel die Zeit Narum’schen „Außengrenzen“, der Trutzburg Europa nachempfundene teils aufgebaute, teils gedrehte Objekte mit mal bunten, mal bronzefarbenen Glasuren, Simon Zsolt Jószefs neue, zusammengesetzte Werke mit sichtbaren Bruchkanten, die seine sonst so organisch-korallenhaft anmutenden Arbeiten spannend kontrastieren, und schließlich Svein Narums Gefäße und Wandobjekte, deren gekonnte Glasuren an informelle Malerei erinnern. Als „Minimal Art mit orientalischen Wurzeln“ mag man die Arbeiten Sahbaz bezeichnen, die er aus Steinzeug gießt und dabei strenge äußere Formen mit einem organisch anmutenden Inneren kontrastieren lässt. Derzeit arbeitet er an einem seinem Unterarm nachempfundenen Wandobjekt, mit dem er symbolisch Kontakt zum Haus des künftigen Besitzers aufnehmen will. Dialog über das Medium Kunst liege ihm am Herzen, betont er. Und trifft damit den Nerv der Gastgeberin Friederike Zeit Narum, die schon im Vorfeld betont hatte, froh zu sein, angesichts der immer schwieriger werdenden politischen Lage in Europa auch Künstler aus der Türkei und aus Ungarn bei ihrem Symposium zu Gast zu haben. Termin Die Abschlussausstellung (jeweils 12 bis 18 Uhr) mit Vorlesungen der Teilnehmer (Samstag 15 bis 17, Sonntag 14 bis 16 Uhr) findet am Samstag und Sonntag, 1. und 2. April, in Deidesheim, Schlossstraße 6, statt. Das Atelier Lotte Reimers bleibt entgegen der ursprünglichen Ankündigung wegen einer kurzfristigen Erkrankung der Künstlerin geschlossen.