Neustadt Gut fünf Euro kalt

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39 soziale Mietwohnungen plant die WBG im Harthäuser Weg nahe der Berufsbildenden Schule. Kostendeckend funktioniert das nicht. Und der Bedarf ist damit noch lange nicht gedeckt.

Kostengünstig gebaut und trotzdem über Jahrzehnte hinweg attraktiv: Dieses Ziel hat sich die städtische Wohnungsbaugesellschaft (WBG) mit ihrem jüngsten Projekt im Harthäuser Weg direkt beim neueren Gebäude der Berufsbildenden Schule gesetzt. Konkret heißt das: insgesamt 39 Wohnungen in drei dreigeschossigen Häusern, die Einheiten zwischen 45 und 90 Quadratmeter groß, gut geschnitten, jene im Erdgeschoss barrierefrei – aber weder Keller noch Aufzug. Läuft alles wie geplant, rechnet WBG-Prokurist Martin Ulmer damit, dass sie 2017 bezogen werden können. Von Mietern mit extrem kleinem Geldbeutel, die einen Wohnberechtigungsschein besitzen. „Wir hätten gern jedes Jahr solch ein Projekt“, sagt Bürgermeister Ingo Röthlingshöfer, Sozialdezernent und einer der beiden WBG-Geschäftsführer. Denn der Bedarf an sozialem Wohnraum sei groß. Um eine Vergleichsgröße zu nennen: Mit dem Harthäuser Weg würde gerade mal einem Drittel jener 120 bis 140 Menschen Wohnraum geboten, deren Adresse die Tagesbegegnungsstätte „Lichtblick“ ist. Rund 2,5 Millionen Euro will die WBG dafür investieren. Trotz umsichtiger Planung bedeutet das laut Ulmer etwa acht Euro Kosten pro Quadratmeter – „vorausgesetzt, wir erzielen gute Ausschreibungsergebnisse“. Billiger sei das Ganze nicht zu bekommen, auch wenn die Stadt der WBG das Grundstück zu günstigen Konditionen überlassen habe. Diesen prognostizierten acht Euro steht ein Höchstmietsatz von 5,10 Euro pro Quadratmeter gegenüber. Mehr darf beim staatlich geförderten sozialen Wohnungsbau in Neustadt nicht verlangt werden. Folglich wird das Projekt zumindest mittelfristig rote Zahlen schreiben. Die WBG tue sich schon schwer, dem Aufsichtsrat solche Projekte vorzustellen, sagt Ulmer. Das Gremium habe aber zugestimmt, ergänzt Röthlingshöfer. Zumal es aktuell einfach nicht möglich sei, bei 5,10 Euro Höchstmietsatz kostendeckend zu bauen . Dass der Markt für preisgünstige Wohnungen sehr überschaubar und durch die Flüchtlingssituation zusätzlich angespannt ist, gilt für Neustadt, aber auch für ganz Rheinland-Pfalz. Auf Landesebene hat sich ein „Bündnis für bezahlbares Wohnen Rheinland-Pfalz“ gegründet. Vor allem finanzielle Anreize sollen für mehr bezahlbares Wohnen sorgen. Finanzielle Anreize gibt es auch jetzt schon. Wie zinslose Darlehen der landeseigenen Investitions- und Strukturbank. Für 2016 wurde die Förderung um 100 Euro auf 1150 Euro pro Quadratmeter erhöht. „Das hat uns gefreut“, erklärt Ulmer, nutze indes wenig, wenn gleichzeitig Standards wie beim Thema Energie kostenintensiv erhöht würden. Hinzu kommt aus WBG-Sicht ein anderes Problem: Mehr finanzielle Anreize greifen in Neustadt nicht, weil es an Bauland oder leerstehenden Wohnungen fehle. Zumindest an solchen, die die Wohnungsbaugesellschaft bezahlen kann. In der Kernstadt und den Ortsteilen sei alles geprüft worden. Ulmer: „Wir haben ja ein Interesse daran zu bauen, und wir sind deshalb gut vernetzt.“ An ihrer Aufgabe hält die WBG fest: Fast alle Wohnungen sollen zu möglichst sozialen Mieten zu haben sein, auch ohne Berechtigungsschein. Selbst wenn, wie seit geraumer Zeit, viel Geld in die Modernisierung des Bestands gesteckt wird. Dass die Mietpreisspirale in Neustadt nicht endlos nach oben schraube, sei mit ein Verdienst der WBG, ist Ulmer überzeugt. (ahb)

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