Neustadt „Gut angezogen wie eine Prinzessin“

Dirndl-Designerin Astrid Söll (links) mit Sandra Gross und Andrea Gross-Stranz.
Dirndl-Designerin Astrid Söll (links) mit Sandra Gross und Andrea Gross-Stranz.

«Deidesheim/Regensburg.»Die modebegeisterten Geschäftsfrauen Sandra Gross und Andrea Gross-Stranz erwarten gespannt die Kunsthistorikerin und Couture-Designerin Astrid Söll aus Regensburg zur Deidesheimer Weinkerwe im Modegeschäft „Fräulein Grossartig“ in der Schlossstraße. Söll will dort in einer Modenschau entlang der malerischen Geschäftsstraße ihre „Zauberwelten“ präsentieren – neueste Dirndlkreationen, elegant, verspielt, modern, mit klassischen Elementen, die beispielsweise aus Seide gefertigt für hochwertig geschneidertes Design stehen. Söll entwirft Mode mit dem Schwerpunkt Dirndl seit dem Jahr 2011 nach jahrelanger Arbeit im Veranstaltungsmanagement.

Hallo, Frau Söll, schön Sie zu treffen, aber ich habe Sie im Dirndl erwartet ...

(lacht) Ich trage gern und oft Dirndl, komme aber gerade aus Regensburg und wollte in der Frühe um 5.30 Uhr noch nicht ins Dirndl schlüpfen. Zudem habe ich die letzte Woche fast ausschließlich Dirndl getragen, weil wir gerade unsere Herbst/Winter Kollektion 2017 „Zauberwelten“ bei den führenden Einzelhändlern bewerben. Eigene Läden betreibe ich nicht, ich bin Designer und Herstellerin. Was zeichnet denn Ihre neue Kollektion aus? Die Herbstmodelle sind geprägt von samtig, pudrigen Tönen, aber auch knallige Farben findet man in der Kollektion. Ganz neu präsentieren wir Dirndl mit einem Spitzenrücken, das heißt, der Rücken ist transparent, eine ganz innovative Form, die es bislang noch nicht gab. Und wer trägt sie? Zu meinen Kundinnen zählen Frauen unterschiedlichsten Alters, junge Bräute bis hin zu über 70-jährigen Damen. Zu meinen prominenten Kundinnen und Freundinnen zählen Desiree Nick, Kristina Bach, Allegra Curtis, Maren Gilzer, Gitta Saxx oder Krimhild Siegel. Denn in einem eleganten, gut geschnittenen Dirndl ist eine Frau unabhängig von ihrem Alter, der Figur und der Veranstaltung, zu der sie es trägt, immer gut und weiblich anziehend angezogen. Es soll seine Trägerin schöner machen. Jede Frau soll sich in meinen Kreationen wie eine Prinzessin fühlen. Es gibt also einen regelrechten Siegeszug des Dirndls in die Frauenherzen? Das Dirndl hat eine große, kulturhistorische Entwicklung hinter sich. Ich sehe das immer auch mit dem Interesse der Kunsthistorikerin. Wenn man bedenkt, dass es einmal Dienstbotenkleidung, dann traditionelle, aber auch konservative Tracht war, ist seine Entwicklung zum modisch begehrten, abwechslungsreichen Kleidungsstück mit beispielsweise durchsichtiger Tattoo-Spitze an Rücken und Armen enorm. Meine Händler verkaufen meine Dirndl in erster Linie bundesweit und in der Schweiz, haben aber mittlerweile auch immer mehr Anfragen aus Österreich, den USA, von arabischen Ländern und sogar Australien. Diese Nachfrage ist zwar erfreulich für Sie, hat doch aber auch Design-Konkurrenten und zahlreiche Discounter auf den Plan gerufen? Der Markt ist hart umkämpft, schon mehr als einmal sollten meine zukünftigen Kollektionsideen ausgekundschaftet werden. Sind sie dann auf dem Markt, kann man sie nur noch schwer schützen. Discounter-Dirndl sind für mich keine Dirndl. Denn ein echtes Dirndl steht für Nachhaltigkeit, kann in bester Verarbeitung problemlos gereinigt und lange getragen werden. Meine Kreationen werden in Seide, Brokat und Loden gearbeitet, baumwollgefüttert mit meinem Label versehen, haben handbestickte Schürzen und passgenaue Mieder mit Stützstäbchen in eigenen Stofftaschen, die die Weiblichkeit perfekt betonen und nicht unangenehm drücken. Die eingearbeiteten Reißverschlüsse sind sehr belastbar. Apropos Reißverschlüsse. Ich dachte die Mieder würden geschnürt und ein Dirndl verlange einen bestimmten Dresscode? Schnüren ist out. Mein „Schneewittchen-Kragen“ und Reißverschlüsse sind in. Ich entwerfe derzeit acht Kollektionen im Jahr mit je mindestens 20 Modellen. Individuelle Maßanfertigungen werden ab 1000 Euro verkauft, Kollektionsware ist günstiger. Da entwickeln sich natürlich Trends. Meine Dirndl umspielen das Knie, können auch ohne Bluse getragen werde. Elegante Pumps finde ich passend, klobige Trachtenschuhe sind mir ein Graus, witzig fände ich da höchstens noch ausgefallene Flipflops. Mir ist wichtig, dass ich mich auf Veranstaltungen, wie bald in Deidesheim, direkt mit meinen Kundinnen austauschen kann und so ebenso auf neue Ideen komme, wie auf meinen Reisen oder Autofahrten, die mich entspannen. Bei all den Neuerungen, gelten da überhaupt noch die alten Geheimbotschaften der Schürzenschleife? Klar gelten die noch: Schleife hinten, verwitwet oder Kellnerin, Schleife vorne Mitte, Jungfrau, Schleife links unverheiratet und rechts vergeben bis verheiratet. Oder wie meine Freundin Désirée Nick einmal gesagt hat: Früh am Abend trage ich noch rechts und je interessanter die männliche Gesellschaft wird, umso weiter wandert die Schleife nach links. | Interview: Anke Wanger

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