Neustadt
Groteskes Spiel – die beiden Theaterreihen in der Saison 2023/24 im Saalbau
„Die Buchungen sind sehr viel teurer geworden“, benennt auch Rainer Nosbüsch, der ehrenamtliche Theaterbeauftragte der Stadt, das, was derzeit viele umtreibt: die Inflation. Fünfstellige Euro-Beträge – darunter sei inzwischen keine Gastspielproduktion mehr zu haben. Da das Budget im städtischen Haushalt gedeckelt ist, erfordert dies immer größere Verrenkungen und Tricks, um noch ein attraktives Programm zustandezubringen. Die Aufnahme der Tanzproduktion „Anonymus/Sense“ des Pfalztheaters Kaiserslautern, die vom Programm „Tanzland“ der Kulturstiftung des Bundes gefördert wird, in die altehrwürdige Schauspielreihe ist einer davon. Dass man jemals die erstmals in der abgelaufenen Saison durchexerzierte Reduktion von zehn auf acht Stücke in den beiden Reihen Schauspiel und Komödie (früher „Leichte Muse“) zurückdrehen kann, erscheint da eher unwahrscheinlich.
Im ersten Stück spielt ausgerechnet Jochen Busse
Gerade die Lustspielreihe stand dabei bei politischen Gedankenspielen in der Vergangenheit auch schon mal als Ganzes vor dem Abschuss – der damalige OB-Kandidat und Kulturdezernent Ingo Röthlingshöfer (CDU) nannte in diesem Zusammenhang 2017 ausdrücklich eine Boulevardkomödie mit Jochen Busse als absolut verzichtbar. Ausgerechnet dieser fernsehbekannte Schauspieler und Kabarettist beendet nun mit seinem Gastauftritt am 16. November die lange Durststrecke der Neustadter Theater-Enthusiasten – und bringt für die Komödie
Busse, Balder sowie René Heinersdorff, der Gründer und Leiter des „Theaters an der Kö“ in Düsseldorf, von dem auch das Stück stammt, spielen drei nicht mehr ganz so junge Väter, die auf unterschiedliche Weise versuchen nachzuholen, was sie bei ihren Töchtern versäumt haben, und die sich dabei natürlich gewaltig in die Quere kommen. Es geht um Seitensprünge, Liebe, Eifersucht, Lebensfehler, Versäumtes und die Erinnerung an große Taten. Als „typische Boulevardkomödie“ beschreibt Rainer Nosbüsch das 2018 uraufgeführte Stück, das Heinersdorff seinen beiden Mitakteuren direkt auf den Leib geschrieben hat, aber auch diese Theaterform habe durchaus noch viele Fans – besonders natürlich, wenn sie auf so spritzige und pointierte Weise vorgetragen wird, wie es die Kritik bei dieser Komödie konstatierte.
Viel weniger Konkretes lässt sich bislang über
Das „Altonaer Theater“ stellt sich erstmals in Neustadt vor
Anders als bei den anderen Terminen der Schauspielreihe gibt es bei diesem übrigens nicht nur eine Einführung (um 19.30 Uhr mit Tanzdramaturgin Annabelle Köhler und Ballettleiterin Luisa Sancho Escanero), sondern auch noch ein öffentliches Warm-Up zuvor (ab 19 Uhr) sowie ein Publikumsgespräch im Anschluss.
Danach stehen in der Schauspielreihe nacheinander zwei Roman-Adaptionen eines literarischen Vater- Sohn-Gespanns an: die Hochstapler-Story „Felix Krull“ von Nobelpreisträger Thomas Mann in der Bühnenfassung von John von Düffel im Advent und „Mephisto“, die der Biografie von Gustaf Gründgens nachempfundene Geschichte eines hemmungslosen Karrieristen im Dritten Reich, von Sohn Klaus im Januar. Mit den
Ein „Mephisto“ im Kabarettstil der 20er
Das Stück
Davor gibt es im neuen Jahr aber als erstes noch eine weitere Komödie:
In der Abo-Reihe Komödie folgt danach im März noch eine weitere Roman-Adaption,
„Wir kaufen da die Katze im Sack“
Den Abschluss der Schauspielreihe macht im Mai 2024 das von Miloš Forman kongenial verfilmte Mozart-Stück
Er kritisiert generell bei der Zusammenarbeit mit der Bühne des Bezirksverbands, dass man als lokaler Veranstalter keinerlei Planungssicherheit habe – und dann eben zum Beispiel schon auch mal Werkstattproduktionen in Neustadt auf der großen Bühne landen, für die sie schlicht nicht ausreichend dimensioniert sind. Insgesamt zieht Nosbüsch aber eine positive Bilanz: Die Auslastung bei den beiden Theaterreihen sei inzwischen wieder „sehr beachtlich“ und bei den Abos sogar besser als vor Corona.
Noch Fragen?
Alle Theater-Abende finden im Neustadter Saalbau statt und beginnen um 20 Uhr. Karten gibt es unter www.ticket-regional.de und bei Vorverkaufsstellen wie Tabak-Weiss oder den Tourist-Informationen in Neustadt und Maikammer. Vor den Schauspiel-Terminen (nicht jedoch vor denen der Komödienreihe) gibt es jeweils um 19.15 Uhr Einführungen im Beethoven-Saal – außer, wie erwähnt, beim Tanzabend.
Zur Sache: Die Schauspiel- und Komödien-Termine der Saison 2023/24 im Saalbau
SCHAUSPIEL
Dienstag, 28. November: „Anonymus/Sense“, ein Tanzabend von Jone San Martin und dem Ballett des Pfalztheaters Kaiserslautern
Dienstag, 12. Dezember: „Bekenntnisse des Hochstaplers Felix Krull“, Bühnenfassung von John von Düffel nach dem Roman von Thomas Mann, Altonaer Theater, Hamburg
Dienstag, 30. Januar: „Mephisto“, Bühnenfassung des Romans von Klaus Mann, Neues Globe-Theater Potsdam
Donnerstag, 4. April: „Ein Sommernachtstraum“ von William Shakespeare, Pfalztheater Kaiserslautern
Donnerstag, 2. Mai: „Amadeus“, Schauspiel von Peter Shaffer, Konzertdirektion Landgraf
KOMÖDIE
Donnerstag, 16. November: „Komplexe Väter“, Komödie von René Heinersdorff mit Jochen Busse und Hugo Egon Balder, Theater an der Kö
Donnerstag, 18. Januar: „Achtsam morden“, Krimikomödie nach dem Bestseller von Karsten Dusse mit Martin Lindow, Konzertdirektion Landgraf
Dienstag, 12. März: „A long way down“, Tragikomödie nach dem Roman von Nick Hornby, Altonaer Theater