Neustadt
Grobe Pläne für Areal östlich des Hauptbahnhofs stehen fest
Der Neustadter Hauptbahnhof ist das Eingangstor zur Innenstadt. Seit Jahren ist klar, dass das Umfeld deshalb aufgewertet werden muss. Erste Schritte sind bereits gemacht: Der Bahnhofsvorplatz soll ab Ende 2022 saniert werden. Für den verlängerten Fußgängersteg über den Hauptbahnhof werden noch dieses Jahr Fundamente gesetzt und Fertigbauteile verlegt. Westlich des Vorplatzes ist auf dem Postareal ein Hotel inklusive Parkhaus geplant.
Nun könnte der – insbesondere vom Innenstadtbeirat – lang gehegte Wunsch nach einem Parkhaus östlich des Hauptbahnhofs in Erfüllung gehen. Zumindest besteht Konsens zwischen der Wohnungsbaugesellschaft (WBG) und der Deutschen Bahn (DB) als Grundstückseigentümern sowie der Stadtverwaltung und dem Zweckverband Schienenpersonennahverkehr Rheinland-Pfalz (ZSPNV) Süd darüber, dass das eine gute Sache wäre. In mehreren Workshops haben sie sich laut Stadtplanerin Martina Pauly überlegt, was man alles im Ostbereich verwirklichen könnte. Das übergeordnete Ziel, laut Pauly: Das Areal gestalterisch aufwerten und es möglichst kleinteilig und wirtschaftlich halten.
400 bis 500 Stellplätze denkbar
Neben einer Kombination aus Bike & Ride, Kiss & Ride, E-Mobilität, Carsharing und Parken sollen auch Büros, Dienstleistungen, Gastronomie, Grünflächen und gegebenenfalls Wohnungen nicht zu kurz kommen. Natürlich gibt es dazu auch detailliertere Pläne. Doch mit denen wollen die Beteiligten noch nicht an die Öffentlichkeit. „Wir wissen ja noch gar nicht, ob das so alles funktioniert, wie wir uns das vorstellen. Und wir wollen keine Erwartungen wecken, die wir am Ende nicht erfüllen können“, erklärt Pauly. Deshalb soll eine Machbarkeitsstudie in Auftrag gegeben werden. Die Kosten von 100.000 Euro wollen sich die vier Parteien teilen, blieben also 25.000 für jeden – sofern der Stadtrat und die Unternehmensgremien zustimmen.
Ein bisschen was kann die Stadtplanerin dann aber doch berichten. Etwa, das der ZSPNV Süd zwar kein Grundstück in dem Gebiet besitzt. Er habe aber ein Interesse daran, das Bahnhofsumfeld weiterzuentwickeln, um eventuell einen neuen Bahnsteig zum vorhandenen Gleis 1b zu bekommen. Zudem soll ein Quartiercharakter entstehen, weshalb ein Parkhaus – denkbar seien 400 bis 500 Stellplätze – im rückwärtigen Bereich, zu den Gleisen hin, gebaut werden müsste: „So eine prominente Lage verdient es, ganzheitlich aufgewertet zu werden. Für einen Parkplatz im vorderen Bereich wäre das Areal schlicht zu schade“, so Pauly. In Sachen Parkhaus müsse geprüft werden, ob es „von unten bis oben“ gebaut und damit ein Teil der Terrasse abgetragen werden kann. Und ob das Ganze überhaupt finanzierbar ist.
Noch viele Verhandlungen
Einig war man sich auch darin, das Gebiet über die Landauer Straße zu erschließen, um den Bahnhofsvorplatz zu entlasten. Dazu muss laut Pauly auch der Straßenraum mitgedacht und -geplant werden. Braucht es eine Linksabbiegerspur? Benötigt die Straße insgesamt mehr Raum, auch um durchgängige Fahrradwege zu ermöglichen? Was würde das für die Bebauung bedeuten? Kann der Fußgängersteg von den Bahnsteigzugängen in das Gebiet hinein verlängert werden? Fest steht, dass die Esso-Tankstelle verschwinden wird. Laut Pauly läuft der Pachtvertrag mit der WBG Mitte 2024 aus.
„Das könnte gut werden“, fasst Pauly sowohl die ersten Ideen als auch die Zusammenarbeit mit den anderen drei Akteuren zusammen. In den Gruppen habe man sich für eine grundsätzlichen Sichtweise zusammenraufen müssen, dabei sei ein Vertrauensverhältnis entstanden. Sollte das Großprojekt über die Studie als machbar eingestuft werden, würden jedoch noch viele Verhandlungen und Grundsatzentscheidungen bevorstehen. „Da kann auch durchaus Konfliktpotenzial entstehen“, so Pauly. Schließlich könnten gewisse Vorhaben nur über die Grundstücksgrenzen hinweg realisiert werden. Und noch sei nicht klar, ob Stadt, DB oder WBG dort selbst etwas betreiben oder lieber vermarkten wollen.
Machbarkeitsstudie Ende 2022?
Das alles hängt nun zunächst von der Machbarkeitsstudie ab. „Wenn jeder sein Okay zur Finanzierung der Studie gegeben hat, werden wir sie gemeinsam auf den Weg bringen“, sagt Pauly. Ende 2022 könnte die Analyse dann vorliegen. Dann würden die Verhandlungen folgen und schließlich weitergehende Pläne. Bevor östlich des Hauptbahnhofs etwas passiert, dauert es also noch eine ganze Weile.
Am kommenden Donnerstag beraten Haupt- und Bauausschuss über die Machbarkeitsstudie, am 5. Oktober entscheidet der Stadtrat, ob er dafür 25.000 Euro in den Haushalt 2022 stellen will. Innenstadtbeiratsvorsitzender Norbert Schied, der an einem der Workshops teilgenommen hatte, zeigt sich erfreut darüber, dass sich alle vier Parteien für ein Parkhaus aussprechen: „Unsere Wünsche haben in Gänze Niederschlag gefunden.“ Damit wäre man einen Schritt weiter, den Parksuchverkehr aus der City zu holen.
Und das Hambacher Parkhaus?
Die Parksituation zu entlasten, ist nicht das einzige Ziel, das der Innenstadtbeirat mit einem Parkhaus östlich vom Hauptbahnhof verfolgt. Das Hambacher Schloss gehöre zu Neustadt, postuliert Vorsitzender Norbert Schied immer wieder. Weshalb das Parkhaus auch ein touristischer Knotenpunkt sein sollte, von dem aus Gäste am Bahnhof zum Schloss starten – per Shuttle und/oder Linienbus. So würden die Gäste an die Innenstadt gebunden.
Das Verkehrskonzept fürs Hambacher Schloss sieht derzeit ein solches Busshuttle vor, eventuell mit dem Unternehmen MoD. Ob die Zufahrt dann für den meisten Individualverkehr gesperrt wird, darüber wird noch mit der Schloss-Stiftung diskutiert. Überlegt wird, an der Dammstraße ein Parkhaus zu bauen – dort würde das Shuttle starten.
Adams: Muss sich rechnen
Dass die aktuelle Parkhaus-Idee östlich des Hauptbahnhofs diesen Plan überflüssig macht, sieht Neustadts Baudezernent Bernhard Adams nicht. Bei den Plänen fürs Bahnhofsgelände stimme zwar die Zielrichtung, aber alles werde noch geraume Zeit dauern. Letztlich solle das Parkhaus vor allem der Innenstadt und dem Bahnhof nutzen.
„In Hambach werden deutlich schnellere und greifbare Resultate erwartet“, so Adams. Der geplante Shuttlebetrieb zwischen Dammstraße und Schloss mit vermutlich drei Fahrzeugen pro Stunde lasse sich auch nur von dort wirtschaftlich aufziehen. Ein Pendelstrecke im 20-Minuten-Takt vom Bahnhof aus würde deutlich mehr Fahrzeuge und Fahrer benötigen, was mindestens halbvolle Shuttles voraussetze. Die meisten Schloss-Besucher steuerten aber gezielt Hambach an.
Ein weiterer Aspekt: Eine Shuttle-Verbindung ab Hauptbahnhof wäre aus Adams Sicht eine direkte Konkurrenz zum künftig halbstündigen Linienbusverkehr aufs Schloss. ahb