Neustadt RHEINPFALZ Plus Artikel Grünes Licht für Hallenbadbetrieb

Die Traglufthalle, mit der das Stadionbad in das sogenannte Moby Dick umgewandelt wird, wird mit Heißluft betrieben.
Die Traglufthalle, mit der das Stadionbad in das sogenannte Moby Dick umgewandelt wird, wird mit Heißluft betrieben.

Der Neustadter Stadtrat möchte Bürgern, Vereinen und Schulen auch über Winter Wassersport ermöglichen. Daher wird die Traglufthalle im Stadionbad aufgebaut. Sollte sich die Energiekrise aber verschärfen, wird das Bad sofort geschlossen.

Die Sondersitzung im August war für den Stadtrat nicht einfach. Es ging ausführlich um die drohende Gasmangellage und wie Neustadt die Einsparquote von 15 Prozent beim Erdgasverbrauch, die das Land Rheinland-Pfalz vorgegeben hat, erreichen kann. In den Fokus kam dabei die Traglufthalle Moby Dick im Stadionbad: Der Hallenbadbetrieb alleine sei für 3,13 Millionen Kilowattstunden beim städtischen Gasverbrauch verantwortlich. Würde man das Angebot für den Winter 2022/23 streichen, hätte die Stadt im Prinzip fast auf einen Schlag ihre Einsparvorgabe von fünf Millionen Kilowattstunden erfüllt.

In den vergangenen Wochen wurde intensiv darüber diskutiert. Seit Dienstagabend ist klar: Das Szenario, das im Prinzip niemand haben möchte, ist erst einmal vom Tisch. Die Traglufthalle wird aufgebaut. Der Stadtrat sprach sich mit sehr großer Mehrheit dafür aus. Laut Oberbürgermeister Marc Weigel erfolgen der Auf- und Abbau in Eigenregie. Allerdings gibt es beim Betrieb der Halle mit Blick auf die kritische Energieversorgung nun Einschränkungen: Wasser- und Lufttemperatur werden drei Grad niedriger sein als früher (Wasser künftig 23 statt 26 Grad, die Raumtemperatur beträgt künftig nur noch 26 statt 29 Grad). Klar ist: Wenn die Traglufthalle aufgebaut ist, muss dauerhaft Heißluft strömen, damit der Überbau nicht kaputt geht.

Ein Brief an den OB

Claus Schick (SPD) hatte am Dienstagabend die Debatte eingeleitet, indem er einen Brief von zwei Vorschulkindern aus Lachen-Speyerdorf an Marc Weigel überreichte. Darin hieß es: „Lieber Bürgermeister, kannst du bitte das Stadionbad öffnen, wir wollen schwimmen lernen.“ Im Ratssaal waren zudem Wasserballer und Aktive der DLRG, die die Forderung des Briefes mit Applaus unterstützten. Weigel betonte: „Wir haben uns die Entscheidung alles andere als leicht gemacht.“ Aktuell sei die Gasversorgung aber stabil. Daher sei es vertretbar, die Traglufthalle aufzubauen und in den Hallenbadbetrieb zu starten. Allerdings sei es eine „vorläufige Entscheidung“. Weigel betonte: Sobald sich die Versorgungslage verschärfe oder strengere Verordnungen von Bund oder Land kommen, werde die Halle umgehend abgebaut und das Bad geschlossen. Durch die Absenkung der Wasser- und Raumtemperatur erreiche man immerhin noch ein Einsparvolumen von 800.000 Kilowattstunden, so Weigel. Klar sei, dass Neustadt mit diesem Beschluss die 15-Prozent-Einsparvorgabe nicht erreichen werde, „wir kommen auf zehn Prozent“. Aber in anderen Städten sei die Situation ähnlich.

Aus den Fraktionen kam überwiegend Zustimmung für den Beschluss. Nur Friderike Graebert (Grüne) hielt den Hallenbadbetrieb für nicht vertretbar und stimmte als einzige mit Nein. Laut Stadtwerke-Geschäftsführer Holger Mück wird der Aufbau der Traglufthalle schon in den nächsten Tagen über die Bühne gehen.

Einsparpaket beschlossen

Der Stadtrat stimmte beim Thema Energie zudem einem Maßnahmenpaket für Einsparungen zu: So soll der Energieverbrauch in Verwaltungsgebäuden weiter gesenkt werden (etwa durch Homeofficeregelungen und eine geringere Raumtemperatur). Zudem werden keine öffentlichen Gebäude und Denkmäler mehr beleuchtet. Außerdem wird genau geprüft, wo nachts die Straßenbeleuchtung ausgeschaltet werden kann. Zudem will die Verwaltung die Bürger informieren und ihnen aufzeigen, wo im privaten Bereich Einsparmöglichkeiten bestehen. Andreas Böhringer (SPD) regte ergänzend an, in Schulen nach weiteren Einsparmöglichkeiten zu suchen, da diese nachts und an Wochenenden nicht beheizt werden müssten. Weigel sagte, dass er darüber in einer Runde mit den Schulleitern gesprochen habe.

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