Neustadt RHEINPFALZ Plus Artikel Gasmangellage: Hallenbad-Betrieb steht auf dem Prüfstand

Die Traglufthalle, mit der das Stadionbad in das sogenannte Moby Dick umgewandelt wird, wird mit Heißluft betrieben.
Die Traglufthalle, mit der das Stadionbad in das sogenannte Moby Dick umgewandelt wird, wird mit Heißluft betrieben.

Kein Moby Dick im Winter – das ist die allerletzte Option, für die sich der Stadtrat Neustadt angesichts der drohenden Gasmangellage entscheiden will. Mitte September soll entschieden und bis dahin nach Alternativen gesucht werden.

Rund 33 Millionen Kilowattstunden (kWh) Gas verbraucht der Konzern Stadt Neustadt im Jahr. Angesichts der Erdgasknappheit und der befürchteten Gasmangellage sollen deshalb 15 Prozent – gut fünf Millionen kWh – eingespart werden. Dabei orientiert sich die Stadtverwaltung am Land Rheinland-Pfalz, das entsprechend des Notfallplans der Europäischen Union diese Quote als Ziel ausgerufen hat.

Auch wenn es etliche kleinere Einsparpotenziale gibt: Die mit rund 3,13 Millionen kWh größte Menge ließe sich auf einen Schlag einsparen, wenn die Traglufthalle über dem Stadionbad nicht aufgebaut, also im Winter 2022/23 kein Hallenbad betrieben würde. Dass das aber die Schwimmsportvereine und die DLRG nach zwei Jahren Corona vor große Probleme stellen würde, darüber waren sich in der Stadtratssitzung am Montag alle Fraktionen einig. „Keiner im Rat will es, aber keiner will es auch ausschließen“, brachte es Matthias Frey (FDP) auf den Punkt. Deshalb soll bis zur nächsten Sitzung Mitte September geprüft werden, ob es andere Möglichkeiten gibt, bevor letztlich entschieden wird. So hatte es die Verwaltung auch vorgeschlagen.

OB: Sehr, sehr schwierig

Das Schlagwort dabei lautet Zentralbad im Sinn einer interkommunalen Kooperation. Sprich: Mit anderen Hallenbad-Betreibern in der Region soll geprüft werden, ob einer für alle Sporttreibenden öffnen kann. Wichtig, so Oberbürgermeister Marc Weigel (FWG) wäre zudem, dass sich die Wassersport treibenden Vereine „ein wenig mit Ideen an einer Lösung beteiligen“. Fest steht: Wenn die Traglufthalle aufgebaut ist, muss die Heißluft dauerhaft strömen, damit der Überbau nicht kaputt geht. Wie erfolgreich Kooperationsgespräche sein werden, wollte der OB nicht prognostizieren. Erste Vorstöße hätten indes gezeigt, dass das „sehr, sehr schwierig wird“. Doch werde die Verwaltung nichts unversucht lassen.

Krisenstab eingesetzt

Mit Blick auf die 15 Prozent hat die Verwaltung einen Krisenstab „Energieeinsparen“ eingesetzt. Dort läuft alles zusammen, was sieben Arbeitsgruppen an Ergebnissen liefern. Das Ganze ist ein fortlaufender Prozess. Die Arbeitsgruppen befassen sich mit Kommunaler Infrastruktur, Finanzen, Organisation des Konzerns Stadt, Kommunikation und Information, Soziales, Sicherheit und für den Fall der Fälle Katastrophenschutz.

Neustadt wolle auf unterschiedliche Szenarien vorbereitet sein, die mit unterschiedlicher Wahrscheinlichkeit eintreten könnten, so Weigel. Dabei stehe man noch relativ am Anfang. Es gehe nicht nur um einen Gas-Lieferstopp, sondern zum Beispiel auch um die immensen Preissteigerungen und Verluste durch Energieeinsparung, was eben auch die Stadtwerke zu verkraften hätten. Und alles, was den Werken nicht gut tue, habe auch Auswirkungen auf die städtischen Finanzen sowie die Tourist, Kongress und Saalbau GmbH.

Zehn Kunden „nicht schützenswert“

Zuvor hatte der kaufmännische Geschäftsführer der Stadtwerke, Torsten Hinkel, skizziert, vor welchen Problemen der Gasmarkt aktuell steht, wie der Bund reagiert und wie sich das auf die Werke und ihre Kunden auswirken könnte. Um ein Beispiel zu nennen: Die Stadtwerke Neustadt zählen demnach rund 14.000 Netzanschlüsse. Etwa zehn Kunden seien nach den generellen Vorgaben „nicht schützenswert“ und würden dann auch vom Netz genommen. Hinkel: „Sie alle sind informiert und wissen, was los ist.“ Auch die Stadionbad GmbH gehöre dazu. Als allerletztes gingen in einem Schlimmster-Fall-Szenario die Privatanschlüsse vom Netz, wobei jeder Anschluss einzeln außer Betrieb gesetzt werden müsste und ebenso wieder in Betrieb. Sei einmal abgeschaltet, werde es Monate dauern, bis das Hochfahren wieder möglich sei.

Mit Blick auf die bundesweite Gasbeschaffungsumlage, die ab Oktober erhoben werden soll, gab Hinkel eine Beispielrechnung für einen Haushalt mit einem Jahresverbrauch von 20.000 kWh. Bei einem Umlagesatz von 1,5 Prozent wären es 357 Euro mehr, bei fünf Prozent 1190 Euro. Am 15. August werde bekanntgegeben, wie hoch der Satz sein solle. Hinzu kämen pro Haushalt die Aufschläge wegen der Preisanpassungen, auch für jene Kunden mit festem Tarif. Nicht zu vergessen: Dass auch die Stromkosten steigen werden.

Dynamischer Prozess

Nach und nach will der Stadtrat nun festlegen, wie die Stadt Neustadt für ihre Bereiche das 15-prozentige Einsparziel erreichen soll. „Das ist bitter und wird auch vielen weh tun, aber es ist noch beherrschbar, ebenso wie es eine Gasmangellage wäre“, so die Einschätzung des OB. Der am Montag präsentierte „erste Aufschlag“ wurde von allen Fraktionen gelobt. Einig war sich der Stadtrat aber auch darin, dass nicht auf alles verzichtet werden kann, sondern es auch immer um Verhältnismäßigkeit gehen müsse. Dabei war die Weihnachtsbeleuchtung ein Beispiel, auf die Handel und Gewerbe, aber auch die Bürger und Gäste nicht automatisch verzichten sollen müssen.

Einen Kommentar zum Thema lesen Sie hier.

Die Gaskugel bei Lachen-Speyerdorf: Ihr Inhalt reicht nicht aus, um Neustadt auch nur für einen Tag zu versorgen.
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