Neustadt Grüne wollen Jahnplatz-Pläne wieder ändern

Diese etwa 50 Jahre alten Lindenbäume sollen gefällt werden. Neupflanzungen sind weiter südlich geplant.
Diese etwa 50 Jahre alten Lindenbäume sollen gefällt werden. Neupflanzungen sind weiter südlich geplant.

Wenn in der Neustadter Kommunalpolitik Emotionen hochkochen, dann geht es nicht selten um Bäume. So auch am Mittwoch im Umweltausschuss. Dezernentin Waltraud Blarr (Grüne) gab eine persönliche Erklärung zum Erhalt von 14 Lindenbäumen beim Jahnplatz in Lachen-Speyerdorf ab.

Noch in der Nacht auf Donnerstag legte ein Parteifreund nach. Kurt Werner, der Fraktionsvorsitzende der Grünen, forderte in einem Antrag zur Stadtratssitzung am 19. Juni, dass die Planung für den Bebauungsplan Jahnplatz in Lachen-Speyerdorf wieder geändert und eine Bürgerversammlung dazu abgehalten wird. Werner erklärte gestern: Um keine Fristen zu versäumen, habe er den Antrag nicht mit den Koalitionspartnern CDU und FDP abgestimmt. Das sei aus seiner Sicht aber kein Problem, weil jede Fraktion schon eigene Anträge gestellt habe. Es gebe ganz viel Widerstand in der Bevölkerung für die Großbaumaßnahme „Am Jahnplatz“, den er nur aufgreife. Auslöser der Kritik ist eine Planänderung, die vorsieht, dass 14 Linden am Rande der heutigen Sportplätze gefällt werden, um mehr Raum für den sozialen Wohnungsbau zu schaffen (wir berichteten am 7. Juni). Drei Mehrfamilienhäuser will die Wohnungsbaugesellschaft der Stadt schlüsselfertig von dem Projektentwickler Gerst kaufen. Kurt Werner verweist auf die geplante Fällung von sieben weiteren Bäumen im Hambacher Weg und hat auch optische Bedenken, weil die Mehrfamilienhäuser im Süden des Baugebietes wie ein Riegel wirken würden. Waltraud Blarr erklärte vor dem Umweltausschuss, Baumfällungen aus Sicherheitsgründen immer verteidigt zu haben. Bei der Lindenallee distanziere sie sich aber von dem Entwurf der Verwaltung. „Der Umgang mit Bäumen in Neustadt wird ihrem monetären und klimatischen Wert nicht gerecht. Ich vermisse zunehmend die Ehrfurcht vor der Natur“, so die Beigeordnete in einer persönlichen Erklärung. Mit Friderike Graebert, Jonas-Luca König und Hermann Scherrer legten drei Ausschussmitglieder der Grünen nach. Graebert warf der Stadt vor, kritiklos die Planungen des Bauträgers Gerst zu übernehmen. Mehrmals war von einer „Einfamilienhaus-Hölle“ die Rede, die das Neubaugebiet verschandele. Das brachte dann Andreas Böhringer (SPD) auf die Palme, der auch eine persönliche Erklärung abgab: „Ich bin entsetzt darüber, wie hier über die Schaffung von dringend notwendigem bezahlbarem Wohnraum gesprochen wird, sei es mit Mehrfamilienhäusern oder auch mit Einzelhäusern für junge Familien.“ Böhringer wies auch die Kritik an Investor Gerst zurück, die zuvor Olaf Bergmann vom BUND vorgetragen hatte. „Wo waren denn die vielen Investoren, die es angeblich gibt, als die VR-Bank Südpfalz aus dem Projekt ausgestiegen ist?“, fragte er. Unterstützung bekam Böhringer von Otto Fürst (CDU), der sich engagiert dafür aussprach, die Planung nicht zu ändern. Ähnlich argumentierte Tobias Weisenburger (CDU), der als Vorsitzender des TuS Lachen-Speyerdorf von der Sportplatzverlegung betroffen ist: „Seit 14 Jahren kämpfen wir um dieses Projekt, und jetzt soll es wieder in Frage gestellt werden?“ Es handele sich teilweise um Baumbestand auf privatem Grund. „Wie anmaßend ist es denn, da mitreden zu wollen“, so Weisenburger. Der Ausschuss stimmt der Vorlage unter der Bedingung zu, dass nach der Offenlegung der Pläne über die Änderungswünsche weiter beraten wird. Waltraud Blarr und Friderike Graebert stimmten dagegen.

x