Neustadt Grüne Flaschen werden knapp
Von Problemen beim Flaschenkauf berichtet beispielsweise Heike Darting vom Dürkheimer Weingut Darting. Sie war kürzlich auf der Suche nach den grünen Flaschen für die Literweine ihres Betriebs – ohne Erfolg. Bereits im vergangenen Jahr sei ihr von ihren Lieferanten signalisiert worden, dass auch Weißglas knapp sei. Daraufhin habe sie Flaschen auf Vorrat bestellt, berichtet sie. „Die stehen jetzt auf dem Hof.“ Weißglas verwenden die Dartings beispielsweise für ihren Rosé. Für Nicholas Eder, Geschäftsführer der Firma Eder im Dürkheimer Bruch, sind Engpässe bei Glasflaschen zu Jahresbeginn nichts Neues. Die Knappheit betreffe nicht nur Literflaschen, sondern auch andere Größen und Formen. „Das ist nichts, was jetzt speziell in diesem Jahr auftritt. Das kommt immer mal wieder vor“, sagt Eder. Obwohl das Unternehmen seinen Fokus auf das Holzsegment legt – die Firma stellt unter anderem Fässer und Möbel her – würden die Stammkunden in diesem Jahr mit den gewünschten Flaschen versorgt, sagt Eder. Auch bei der Firma Wittmer aus Kirrweiler, die sich auf Flaschen und Verschlüsse spezialisiert hat, kennt man das Problem. „Obwohl die Glashütten 24 Stunden am Tag arbeiten, können wir nicht alle Wünsche unserer Stammkunden komplett bedienen“, berichtet Geschäftsführer Peter Mohr. Generell seien Glasverpackungen im Moment sehr stark nachgefragt, bestätigt er. Woran das liege, darüber könne er nur spekulieren. Möglicherweise spiele im Weinbereich der mengenmäßig starke Jahrgang eine Rolle. Die Nachfrage nach Glas sei seit dem Jahrhundertsommer im vergangenen Jahr einfach hoch geblieben, sagt Mohr. Zu den großen Kunden der Glasindustrie zählen auch Brauereien und Mineralbrunnen. Obwohl die Winzer Weinflaschen in der Regel zurücknehmen und vor allem die Gastronomie davon auch rege Gebrauch macht, lassen sich nicht alle Formen und Größen so ohne Weiteres neu befüllen, nachdem sie gespült wurden. Die geringsten Schwierigkeiten gibt es bei den Literflaschen. „Bei den Dreiviertelliter-Flaschen sind sehr viele unterschiedliche Standards auf dem Markt, sodass viele dann nicht exakt in die Füllanlage passen“, erklärt Jochen Schmitt, Vorsitzender des Dürkheimer Weinbauvereins. Probleme bereite allein schon die unterschiedliche Höhe der Gefäße. Wie auch das Weingut Darting nimmt sein Betrieb alle Flaschen zurück. Diese werden dann sortiert und gegebenenfalls entsorgt, wobei das Altglas wieder in den Rohstoffkreislauf zurückkehrt. Die Literflaschen lassen sowohl Schmitt als auch Darting spülen und befüllen sie erneut. „Das hat uns in diesem Jahr gerettet“, sagt Heike Darting. Hinzu kommt der ökologische Aspekt: Laut einer Untersuchung aus Österreich entfallen 45 Prozent der bei der Produktion eines Liters Wein entstehenden CO2-Emissionen auf die Herstellung der Flasche. Jochen Schmitt, der nach Richtlinien des kontrolliert-umweltschonenden Weinbaus arbeitet, überlegt, Größe und Form seiner Dreiviertel-Literflaschen zu vereinheitlichen, um auch diese wieder füllen zu können. Er selbst habe zwar keine Probleme, wisse aber von Kollegen, dass es derzeit einen Engpass gebe. Genügend Glasflaschen auf Lager haben auch die Wachtenburg Winzer. Die Wachenheimer Genossenschaft nimmt ebenfalls alle Flaschen zurück, wobei nur die Literflaschen gespült und neu gefüllt werden. „Bei der Füllung laufen die Maschinen dann aber nicht mehr ganz so reibungslos, weil doch immer mal eine Flasche dabei ist, die anders ist“, sagt Geschäftsführer Albert Kallfelz. Doch der ökologische Aspekt sei wichtig. Kallfelz: „100 Prozent Spülglas würden wir auch bei den Literflaschen nicht bekommen.“