Neustadt Golfplätze gibt es überall
DEIDESHEIM. Eine typische Pfälzer Heimatkomödie, wie man sie in letzter Zeit nicht mehr allzu oft auf dem Spielplan des Boulevardtheaters Deidesheim fand, erlebte am Wochenende ihre Uraufführung im „heiteren Theater mit Herz“. „′S bleibt wie′s is’“ aus der Feder des Dirmsteiner Autors Rüdiger Kramer, der auch die Musik beisteuerte und Regie führte, ist eine sehenswerte Komödie – vor allem deshalb, weil sich die Darsteller – zwei Profis und vier Amateure – „mit Haut und Haaren“ mit ihren Rollen identifizieren.
Die Geschichte spielt in einem fiktiven Pfälzer Winzerdörfchen namens Labetal, in dem sich Fuchs und Hase Gutnacht sagen. In dem man wunschlos glücklich ist auch ohne Handynetz und Internet. Die Rückständigkeit ist überhaupt kein Thema. Das ändert sich allerdings schlagartig mit der Ankunft von Kevin Söder (Marc Zech), der mit seiner Assistentin Carola Schmitt (Eva Berlejung) nach einer Autopanne in Labetal strandet und im „Gasthaus Magin“ unterschlüpft. Söder ist ein Werbemanager aus Frankfurt und verfällt sehr schnell – er hat ja „Zwangspause“ – auf die Idee, den verträumten Ort tourismustechnisch „aufzumöbeln“. Als Symbol für die Rückständigkeit der „Eingeborenen“ hat er den merkwürdigen, schwarzen Bakalit-Telefonapparat ausgemacht, den er in Ermangelung eines funktionierenden Mobilfunknetzes zu benutzen versucht – allerdings ebenfalls vergeblich. Wie Marc Zech diesen ausgebremsten „Macher“ aus der Metropole auf die Bühne bringt, wirkt sehr authentisch. Beim Wirt Herbert Magin (Jürgen Smolenga), einem ausgesprochenen „Strukturkonservativen“, stößt Söder mit seinen Projekten allerdings auf Ablehnung, die „rote“ Bürgermeisterin Rita Weber (Manuela Brk-Smolenga) ist dafür schon eher zu gewinnen, ihre Tochter Heike (Alexa Schönefuß) hat nur Augen für den „Werbefuzzi“, und der Wirtssohn Manfred (Timo Benß) verguckt sich in dessen Assistentin Carola. Zur Debatte in einem amüsanten wortgewaltigen Disput stehen zwei Konzepte: die Ansiedlung eines Wellness-Hotels mit Golfplatz oder das Dorf in seinem ursprünglichen Charakter als friedliche Gästeoase zu erhalten. Die Bürgermeisterin beruft eine Bürgerversammlung ein. Damit hat der Autor ein Element direkter Demokratie ins Stück eingebaut, wie er bei öffentlichen Veränderungen heutzutage oft gefordert wird. Das Ergebnis der Befragung ist eindeutig und gibt dem Stück auch den Titel: „′S bleibt wie′s is’“. Denn Golfplatz und Wellness-Hotel gibt’s überall, aber Labetal ist einmalig. Ein Happy End gibt es dennoch nicht. Offen bleibt, ob Carola mit Manfred nach Australien geht, um ein Weingut aufzubauen, und Kevin die „rote“ Heike bekommt nach seinem leidenschaftlich stotternden Geständnis, dass er der CDU angehört. Der gelungene erste Deidesheim-Auftritt von Manuela Brk-Smolenga (Krankenschwester) und Ehemann Jürgen Smolenga (Chemiker) aus Höningen und Timo Benß (Student) aus Bockenheim ist absolut bühnenreif. Sie hatten sich bei einem Casting im Januar beworben und wurden unter 22 Kandidatinnen ausgewählt. Alexa Schönefuß kommt vom Pfalzbau-Jugendtheater aus Ludwigshafen. Marc Zech und Eva Berlejung sind Profi-Schauspieler und schon seit langem in Deidesheim aktiv. TERMINE Weitere Aufführungen von „′S bleibt wie′s is’“ gibt es im Boulevardtheater Deidesheim am 30. Oktober und 27. November, jeweils um 20 Uhr, und am 27. Dezember und 31. Januar, jeweils um 18 Uhr. Karten (17/15/13 Euro) unter 0172-4008201, bei Brillen Bott (Weinstraße 43 in Deidesheim), www.boulevard-deidesheim.de und www.reservix.de. (awk)