Neustadt RHEINPFALZ Plus Artikel Giovanni Weisheit ist Artist und Sänger

Giovanni Weisheit, nachdenklich lächelnd vor dem Zirkuszelt.
Giovanni Weisheit, nachdenklich lächelnd vor dem Zirkuszelt.

Giovanni Weisheit, Artist und Sänger, konzentriert sich nach einem Sturz vom Trapez im Juli auf das Schreiben seiner eigenen Lieder, in denen er mit Leidenschaft seine Lebensphilosophie ausdrückt. Das Singen gibt ihm Kraft und soll auch seine Zuhörer stärken. Cosima Schade hat mit ihm gesprochen.

Sie singen im Finale ihres Zirkus' Baruk sehr eindrucksvoll mit souliger Stimme „I did it my way“. Haben Sie eine besondere Gesangsausbildung und seit wann singen Sie?
Ich singe schon immer und stamme aus einer musikalischen Familie. Auch meine Schwester singt, mein Vater spielt Klavier und Schlagzeug, mein Großvater Trompete.

Und spezieller Unterricht?
Tatsächlich habe ich an unterschiedlichen Coachings teilgenommen. Außerdem stehe ich von klein auf in der Manege. Es fällt mir leicht, mich vor Publikum auszudrücken.

Das merkt man, es ist für einen Musiker ja auch wichtig, dass Emotion beim Publikum ankommt, der Funken überspringt.
(lacht) Die Bühne ist mein Zuhause.

Mit welchen Coachs haben Sie gearbeitet?
Zum Beispiel mit Stevie Mackey in den USA. Da bin ich stolz drauf, er hat schon Jennifer Lopez gecoacht und war über zehn Staffeln Coach bei „The Voice“ in Amerika.

Ich seh’grad, er startete seine Karriere als Backgroundsänger von Whitney Houston und Michael Jackson.
Vor allem coachte er auch Selena Gomez, Lenny Gravitz, Kelly Rowland, Maroon Five…

Wie kam es denn zu dem Kontakt mit ihm?
Über Social Media. Er hat meine Videos kommentiert und mich angeschrieben. Außerdem wollte ich ohnehin mal in den USA Urlaub machen.

Wie arbeitet ein „Vocal Coach“?
Man gibt eine Gesangsprobe zum Klavier, so testet er die Stimme, wie viele Oktaven man beispielsweise erreicht. Außerdem macht man „Warm Ups“, Übungen für die Stimme und das Zwerchfell. Idealerweise arbeitet man dann selbst in dem Sinne weiter.

Hat das Coaching was gebracht?
Man muss natürlich immer an sich weiterarbeiten, Ehrgeiz und Leidenschaft gehört zusammen. Ich kenne zudem viele andere Musiker, die mich zusätzlich inspirieren.

Welchen Stimmumfang haben Sie?
Ich singe Tenor, vier Oktaven.

Was sind Ihre musikalischen Vorbilder?
Stevie Wonder, Tony Bennett, Bruno Mars, Mariah Carey. Natürlich auch Elvis Presley und Frank Sinatra. Aber ich bin auf kein Genre festgelegt. Ich cover auch gerne.

Sie schreiben nun eigene Lieder, können Sie dazu was sagen?
In den Liedern verarbeite ich mein Leben. Es ist mein inneres Bedürfnis, Musik zu machen und mich auszudrücken. Ich brauche Musik wie die Luft zum Atmen.

In dem Song „Circus in Our Lives“, den ich für das Finale der Show geschrieben habe, verarbeite ich meinen Sturz. Es geht darum, dass man, auch wenn man tief fällt, immer wieder die Kraft haben sollte, selbst aufzustehen. Der Song soll auch anderen Mut machen, die sich gerade in einer schwierigen Lebenssituation befinden. Ich selbst schöpfe aus der Musik viel Kraft. Der Satz: „Jeder Triumph, jede Narbe haben mich zu dem gemacht, der ich wirklich bin“ stimmt wirklich.

Das ist ein sehr tiefer Satz. Haben Sie sich durch den Sturz verändert? Sie sind ja aus etlichen Metern Höhe in die Tiefe gestürzt.
Ich bin nachdenklicher geworden, dankbar, dass ich am Leben bin, es hätte alles viel schlimmer ausgehen können. Ich genieße jede Minute. Das Leben ist schön, jede Sekunde ist wertvoll. Da ich momentan nicht am Trapez arbeiten kann, habe ich mehr Zeit, meine Lieder zu schreiben. Und ich bin nicht mehr der Fitnessjunkie.

Wie schreiben Sie die Lieder?
Viele Ideen kommen mir während der Spaziergänge mit meinem Hund Buddy, mit dem ich ja auch auftrete. Ich bin sehr naturverbunden, genieße die Ruhe im Wald. Meine Ideen nehme ich mit dem Handy auf, außerdem arbeite ich mit einem Komponisten, Stefan Lang und einem Produzenten, Christoph Seibel zusammen. Ein gutes Team, da gehört Vertrauen dazu.

Verraten Sie den Inhalt Ihrer weiteren Lieder?
Ja. In „We were like Fire“, ein Indie-Pop Lied im Singer-Songwriter-Stil geht es um eine Beziehung. Das ist ein sehr persönliches Lied. Es beschreibt eine Beziehung voller „Feuer und Flamme“, die aber dann wieder erloschen ist. Trotzdem sollte man dankbar sein, über die gemeinsame schöne Zeit und optimistisch bleiben.

In „Finally free“ geht’s um eine toxische Beziehung, um oberflächliche Menschen. Es ist eine Dance-Nummer. Es geht um menschliche Werte und um die Befreiung aus ungesunden Beziehungen.

Wie geht’s jetzt weiter?
Ende Oktober kommen auf den bekannten Plattformen Amazon, Apple Music, Spotify meine Songs raus. Am 18. Oktober präsentiere ich die Songs in Cochem im Apollo Theater, am 12. Oktober nehme ich in Karlsruhe am Wettbewerb „Die Goldene Gitarre“ teil. Und dann mal weitersehen.

Außerdem arbeite ich natürlich daran, wieder ganz gesund zu werden. Artistik und Musik ist mein Leben. Ich möchte beides nicht missen.

Info

Der Zirkus Baruk gastiert bis 8. September in Neustadt-Geinsheim in der Gäustraße. Nähe „Wasgau“-Supermarkt. Es folgen weitere Gastspiele in der Region.

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