Neustadt
Gewusst wie: Sport und Schwangerschaft schließen sich nicht aus
Gerald Staudenmaier empfiehlt den schwangeren Frauen vor allem, sich draußen an der frischen Luft zu bewegen. Immer vorausgesetzt, die Schwangerschaft verläuft normal. „Aber der Sport sollte nicht extrem betrieben werden.“ Wenn eine Frau Yoga mache, solle sie aufhören, wenn es unangenehm werde. Wolle sie mit dem Rad fahren, sei alles über 50 Kilometer schon extrem, betont er. „Der Sport wirkt sich positiv auf das Baby aus – es ist besser durchblutet“, weiß der Arzt. Auch die Mutter profitiert von der Aktivität, denn „Frauen, die sich bewegen, haben weniger Probleme mit dicken Beinen“, also mit schwangerschaftsbedingten Wassereinlagerungen.
Es gibt viele Beispiele prominenter Sportlerinnen, die zeigen, dass sich Sport und Schwangerschaft nicht ausschließen. Das Kind von Skeletonpilotin Kerstin Szymkowiak war beim wichtigsten Rennen ihrer Karriere dabei: 2010 fuhr die noch ungeborene Tochter bei den Olympischen Spielen in Kanada mit ihrer sportlichen Mutter zur Silbermedaille. Die Tennisspielerin Mandy Minella aus Luxemburg ist 2017 im vierten Monat schwanger in Wimbeldon angetreten. Und die Amerikanerin Serena Williams hat ebenfalls 2017 im zweiten Monat schwanger die Australian Open in Melbourne sogar gewonnen.
Sport treiben, um für die Geburt fit zu sein
In einem Interview mit dem Nachrichtenmagazin Spiegel hat 2013 Marion Sulprizio als Leiterin des Informationsportals „Sport und Schwangerschaft“ an der Deutschen Sporthochschule in Köln festgestellt, dass eine normale Herzfrequenz beim Fötus bei rund 140 Schlägen pro Minute liegt. Nach sportlicher Belastung der werdenden Mutter habe sich die Frequenz auf 160 erhöht, sei aber schnell wieder gesunken. Das Kind macht laut Sulprizio „im Prinzip eine kleine Trainingseinheit mit“. Laut einer Studie der John-Hopkins-Universität in Baltimore (USA) wirkt sich intensives Training nicht negativ aufs Kind oder den Verlauf der Schwangerschaft aus.
Vivian Schwaab war bis Ende des achten Monats noch als Fit-mix-Übungsleiterin beim TV Maikammer im Einsatz. „Wenn man Sport immer macht, ist eine Schwangerschaft kein Hindernis“, sagt sie. Und als Schwangere merke man schnell, „wenn’s zu viel ist. Zum Beispiel Ziehen im Bauch oder, wie bei mir, Rückenschmerzen“. Auch nachdem sie als Übungsleiterin vorläufig aufgehört hat, treibt die Maikammererin noch für sich Sport. „Für die Geburt muss ich ja auch fit sein – das ist ja körperlich anstrengend“, merkt sie an.
Am Tag nach der Geburt Muskelkater in den Armen
Lisa Bode kann das bestätigen. Die Yogalehrerin beim TuS Haardt ist Ende 2019 Mutter geworden. Sie hat während der Geburt viel Zeit im Vierfüßlerstand verbracht. „Ich hatte am Tag nach der Geburt Muskelkater in den Armen und den Schultern“, erzählt sie. Yoga, sagt sie, sei grundsätzlich vom Anfang bis zum Ende der Schwangerschaft geeignet, bestenfalls in einer Klasse nur für Schwangere. „Ich kenne Mamas, die haben bis zur Geburt noch 90 Minuten auf der Matte gestanden.“
Sabine Leibrock hingegen, Handballerin des SV Meckenheim, hat direkt, nachdem sie von ihren Schwangerschaften erfahren hatte, mit dem Sport aufgehört. „Handball ist zu gefährlich“, sagt die Mutter dreier Kinder. Der Jüngste ist im Januar ein Jahr alt geworden. „Alles, was man nicht selbst beeinflussen kann, sollte man meiden“, rät auch Staudenmaier und warnt vor Sport mit gegnerischer Einwirkung sowie vor Risikosport.
Kein Training mit den geraden Bauchmuskeln
Vivian Schwaab hat in den ersten drei bis vier Monaten der Schwangerschaft noch Bauchmuskelübungen absolviert. „Aber sobald der Bauch kommt, geht’s einfach nicht mehr“, erzählt sie. Sie habe diese Übungen dann weggelassen. Der Hetzelstift-Arzt erklärt, wieso das Training der geraden Bauchmuskulatur einer Schwangeren irgendwann nicht mehr funktioniert, das der schrägen Bauchmuskeln aber schon: „Das Baby muss sich ausdehnen können, das Gewebe wird weicher, damit Platz im Bauch entsteht.“ So weichen während der Schwangerschaft die geraden Bauchmuskeln auseinander, um Platz zu schaffen. Die schräge Bauchmuskulatur hingegen setze außen an, so Staudenmaier. Sie sei somit dem Baby und dem Bauch nicht im Weg.
Natürlich sei eine Schwangerschaft mit Einschränkungen verbunden, betont der Arzt. „Man ist schneller außer Atmen“, ergänzt Vivian Schwaab. „Manche Übungen, hauptsächlich Beinübungen wie Kniebeugen, fallen schwerer, weil man das Körpergewicht spürt.“ Das zusätzliche Gewicht merke sie auch bei den Trizepsdips, den rückwärtigen Liegestützen, auf einem Stuhl oder Hocker. „Die gehen auch, aber mit geringerer Wiederholungszahl, denn den Bauch muss man auch mittragen.“
Rückenübungen bis zum Ende der Schwangerschaft
Lisa Bode, die auch Yogakurse für Schwangere anbietet, weiß, dass „alles individuell ist“. Sie rät schwangeren Frauen, sich selbst zu fragen: „Was braucht mein Körper gerade? Wie geht es mir?“ Bei ihren Yogaübungen sei während ihrer Schwangerschaft der körperliche Aspekt, je weiter die Schwangerschaft vorangeschritten sei, immer mehr in den Hintergrund gerückt. „Ich habe mich fokussiert, um mich auf die Geburt vorzubereiten“, sagt Bode. Vivian Schwaab erzählt, dass sie zum Ende ihrer Schwangerschaft vor allem Rückenübungen absolviert habe. „Man soll ja trainieren, um fit zu bleiben, und nicht, um bestimmte sportliche Leistungen zu erreichen“, ergänzt die Maikammererin.