Neustadt „Gesunde Luft, bestes Wasser und blumige Weine“

Im Jahr 1927 wurde „Der Historische Wein- und Luftkurort St. Martin“ touristisch aktiv. Unter Federführung des Kunstmalers Richard Platz, Sohn aus dem Gasthaus zum Grünen Baum, entstand ein erster illustrierter Gästeführer.
wurde damit zum Vorreiter in der Pfalz, warb mit Wein-und Kirschenkur und versprach den erholungssuchenden Fremden „gesunde reine Luft, bestes Wasser und feine blumige Weine von den Berghängen“. Die gute Luft attestiert das Prädikat Luftkurort. Inzwischen hat eine Untersuchung auch die besondere Qualität des Trinkwassers bestätigt. Was die Weinqualität betrifft, regnet es auf St. Martin bekanntlich viel Gold und alle Jahre wieder Auszeichnungen und Staatsehrenpreise für St. Martiner Winzer. Es gibt sogar einen historischen Vorläufer dafür, dass die Gemeinde inzwischen direkt dem Dachverband des Vereins Südliche Weinstraße angeschlossen ist: Vor 90 Jahren schon positionierte sich das kleine Winzerdorf auf Pfalzebene als eine Größe. Das fand der Kunsthistoriker und Heimatforscher Franz Josef Ziegler und verwies auf seinen Heimatort als aktives Mitglied im Pfälzischen Tourismusverband: „Es gab eine Verbandszeitschrift, wo Richard Platz auch regelmäßig über St. Martin publizierte.“ Ihm, dem St. Martiner Allrounder, der das Dorf zum frühen Vorreiter im Pfalz- und Weintourismus machte, will Ziegler eine Retrospektive widmen. Früh, erst 45 Jahren alt, erlag der Künstler 1932 einem plötzlichen Herztod. Vergessen haben die St. Martiner ihn nie. Umso mehr wird sich seiner wieder erinnert, als die Gemeinde sich jetzt touristisch selbstständig machte. Vor einem Jahr war ein Festabend dem Andenken von Platz gewidmet. Franz Josef Ziegler sprach dabei über Leben und Werk – und er versprach eine Ausstellung im Heimatmuseum. Er und seine Mutter Cäcilie Ziegler, St. Martins verstorbene Ortschronistin und Ehrenbürgerin, kauften am Ort ein historisches Gebäude und gründeten darin mit privaten Mitteln das Museum für Ortsgeschichte. Ein Förderverein unter Vorsitz von Markus Hener unterstützt dies. Seither finden in der Zeit von Kerwe bis Martini (August bis 11. November) Themen-Ausstellungen statt, vornehmlich an Sonntagnachmittagen zu besichtigen. Mehr als eine Ausstellung, will man nun mit einer geplanten Retrospektive das Lebenswerk sichtbar machen und zeigen, wie vielseitig talentiert und aktiv Richard Platz war. Auch wie gut vernetzt er schon zu seiner Zeit war. Hener verweist auf Gemälde, Zeichnungen, Grafiken, Illustrationen, Broschüren und auch Werbeflyer, wie jener für „Das Pfälzer Rebendreieck“ (St. Martin, Maikammer, Edenkoben). Von Kulissen, Bühnenbildern und Wagenaufbauten gibt es Fotos. Dann gelte es Repliken zu fertigen von geliehenen Originalen. Ziegler verweist auf die museumsdidaktische Aufbereitung, dass noch viel zu tun sei, ehe die Retrospektive starten kann. Das Ausarbeiten eines Vortrags über Leben und Werk sei noch die geringste Anstrengung. Briefe von Platz sollen dessen Lebensbild runden. Der Förderverein Heimatmuseum veranstaltet überdies „Historische Exkursionen“ in die Gegend. Armin Kiefer wird dieses Jahr wieder eine solche führen. In gut nachbarschaftlicher Zusammenarbeit wird unter Heimathistorikern auch das historische „Pfälzer Rebendreieck“ neu belebt. Hener wohnt in Maikammer, wo er den Club Sellemols leitet. Und vom Heimatbund Edenkoben wird Herbert Hartkopf dieses Jahr noch in St. Martin einen Vortrag halten. |jzs