Neustadt Gesucht: acht Finalisten
Neustadt-Mussbach. Der Countdown für das große Wettbewerbskonzert der Neustadter Frühlingsakademie, den im Herrenhof Mußbach stattfindenden internationalen Meisterkurs für Violine und Viola, läuft. Geübt wird momentan, was das Zeug hält. Wer schließlich am Mittwochabend um die Gunst von Jury und Publikum kämpfen darf, entscheiden die Dozenten Sebastian Schmidt und Roland Glassl erst wenige Stunden zuvor.
Bei den drei Studentenkonzerten in der Parkvilla im Herrenhof gab der größte Teil der 30 Kursteilnehmer schon mal eine beachtliche Kostprobe seines Könnens und damit natürlich Anlass zu wilden Spekulationen. Wer wird im Finale dabei sein, wer landet auf dem Siegertreppchen? Zunächst einmal relativ entspannt ging’s trotz einer kleinen Panne beim offiziellen Empfang der Meisterschüler seitens der Stadt Neustadt zu: Fest verschlossen waren pünktlich zum anberaumten Termin die Türen des im Steinhäuser Hof befindlichen historischen Restaurants. Kulturdezernent Ingo Röthlingshöfer zeigte gute Nerven, nahm die Sache mit Humor, organisierte flugs einen Schlüssel und dankte später den tüchtigen Damen von der Stadtverwaltung für die prompte Organisation des obligatorischen Begrüßungstrunks. Musik hat manchmal etwas mit Hochleistungssport zu tun, vor allem wenn ein Wettbewerbskonzert winkt und sich jeder bemüht, das Optimale aus sich herauszukitzeln. „Meine Gastschüler fangen schon morgens um 8 Uhr an zu üben“, berichtet Gerhild Pohl. Sie beherbergt gleich drei davon unentgeltlich in ihrem kleinen Gästehaus, erfreut sich am Fleiß und Können der jungen Leute und lauscht gespannt dem Auftritt der bei ihr untergebrachten, aus Island stammenden Geigerin Solveig Steinhorsdottir. „Der Meisterkurs ist ein echtes Highlight für Neustadt“, schwärmt sie und ist ihrer Freundin Liesel Becker, die selbst seit Jahren Meisterschüler aufnimmt, dankbar für den Tipp. Was die Vorbereitung auf die Auftritte anbelangt, verfolgt jeder so seine eigene Strategie. Gerne nutzen die Studenten ihre Privatunterkünfte zum Üben, da im Herrenhof bei der Verteilung der Proberäume bei über 30 Leuten naturgemäß Engpässe entstehen. Da profitiert man natürlich gerne vom Komfort, den die Gasteltern bieten. Bratscherin Hanna Breuer zum Beispiel verfügt neben ihrem Schlafzimmer über ein weiteres Übezimmer mit Reckstange, kann dort also gleichzeitig ein paar Fitnessübungen machen. Auf letztere setzt auch der Schweizer Geiger Anik Stucki. „Stundenlanges Üben vor dem Konzert macht bei mir wenig Sinn, besser nutze ich die Zeit kurz vor dem Auftritt mit Gymnastik und relaxen“. Seine Rolle als einer der Favoriten festigte der letztjährige Publikumsliebling mit seiner wunderbar geschmeidigen Interpretation des zweiten Satzes aus der Sonate für Violine und Klavier Nr. 2 von Brahms. Sein Spiel wurde wie jenes von Tilman Fleig vom Publikum von einem unüberhörbaren Raunen begleitet. Auch der junge Würzburger ist ein Wiederholungstäter, profitiert vom Unterricht von Sebastian Schmidt und genießt zum zweiten Mal die Gastfreundschaft der Familie Schlichthärle. „Dort kann ich stundenlang üben“, betont der Mann mit dem unglaublich großen Ton. Wo er seinen Riesensound hernimmt, wollen wir nach seiner klangvollen Wiedergabe der Sonate für Violine und Klavier von César Franck wissen. Er gibt sich bescheiden und sagt: „Das hängt bestimmt allein an meiner Geige, einem italienischen Instrument aus dem 18. Jahrhundert“. Den mutigen Anfang beim 1. Studentenkonzert machte Elisabeth Horn mit dem Allegro con brio aus der Sonate op. 12/1 von Beethoven: Forsch und makellos, mit ganz viel Feuer, eröffnete sie, kongenial begleitet von Korrepetitorin Nargiza Alimova, den atemberaubenden Virtuosenreigen. Sie findet es immer schön, am Anfang zu spielen: „Dann muss man nicht so lange warten, denn mit jedem, der vor einem dran ist, wächst die Nervosität“, so ihr Kommentar. Gerne hätte sie mit Anik Stucki das Prokoview-Duo gespielt. „Aber der hat leider nicht so gut geübt“, verrät sie augenzwinkernd. Wie sie, musste die Bratschistin Lara Sophie Schmitt leider bereits am Wochenende abreisen. Die junge Österreicherin und Schülerin von Roland Glassl in Frankfurt hat sich gleichzeitig für einen Meisterkurs in England angemeldet und nahm nichtsdestotrotz die Gelegenheit wahr, von ihrem Lehrer beim Neustadter Meisterkurs den letzten Schliff bei der Einstudierung ihres Englandrepertoires zu erhalten. Im Zuge ihrer schlackenfreien Interpretation der Suite Nr. 6 für Viola solo von Bach durfte sich Korrepetitorin Cornelia Weiß etwas ausruhen, bevor sie mit Hanna Breuer mit dem Konzertstück für Viola und Klavier von George Enescu zu einem wahren Klavierkonzert ansetzte und für einen bravourösen Schlussakzent sorgte. Alle, einschließlich die beiden Dozenten Sebastian Schmidt und Roland Glassl, sind sich einig, dass das Niveau wieder sehr hoch ist. Entsprechend schwer fällt die Entscheidung für die acht Favoriten, zu denen sicherlich die Geigerin Ilgin Ülkü und die Australierin Phoebe Gardner zählen. Ihre von Spielwitz und Charme begleitete Interpretation der Polonaise de Concert von Henryk Wieniawaski wird mit einem riesigen Applaus belohnt. In Sydney zählt die 18-jährige Australierin übrigens zu den großen Hoffnungsträgern, erhielt unter anderem ein Stipendium für die Teilnahme eines von Itzhak Perlman geleiteten Streicherworkshops in New York. So darf das Publikum weiterhin dem Wettbewerbskonzert am Mittwoch, 23. März, 18.30 Uhr, im GDA-Wohnstift entgegenfiebern.