Neustadt Gesperrt für Linienbusse
Auch in dieser Woche kam es in der Stiftstraße wieder zu Begegnungsverkehr zwischen einem Linienbus und Autofahrern, der erst dadurch aufgelöst wurde, dass einige der Verkehrsteilnehmer rückwärtsfahrend nachgaben. Der Engpass war ausgelöst worden, weil Autos verbotenerweise auf den Sperrflächen abgestellt waren. Der SPD-Nahverkehrsexperte Werner Schreiner fordert die Stadt auf, bei zugeparkten Sperrflächen unverzüglich abzuschleppen. Es könne nicht sein, dass die Verkehrsabteilung stattdessen den Linienbussen die Durchfahrt verbiete – wie geschehen (wir berichteten zuletzt am Samstag). Seit 1991 gebe es schließlich mit der Stadt und dem Landesbetrieb Mobilität (LBM) die Vereinbarung, dass Busse in Richtung Edenkoben die Stiftstraße benutzen dürften, wenn die Verkehrssituation im Bereich Zwockelsbrücke und Schillerstraße angespannt sei. Das sei auch deshalb kein Problem, weil die nächste Haltestelle in der Pfalzgrafenstraße bedient werde. Dem widerspricht der Beigeordnete Georg Krist. Bei der Neuvergabe die Buslinien 2012 sei keine Rede von der Stiftstraße gewesen. Er finde keine Aufzeichnungen über den Zeitpunkt davor. Das Argument von Schreiner, die Fahrt über die Stiftstraße ginge schneller, hält Krist zurzeit für realitätsfern. „Durch die aktuelle Sperrung der B 39 fährt ein Bus derzeit über die Zwockelsbrücke doch deutlich schneller, weil von Westen kein Verkehr kommt.“ Dem widerspricht Jürgen Heil, Betriebsleiter der Palatina Bus GmbH. „Zweimal rechts abbiegen geht immer schneller als zweimal links. Das ist im Moment auch nicht anders. Wenn wir Verspätung haben, ist zum Beispiel die Stiftstraße die beste Möglichkeit, dass die Fahrgäste noch die Anschlusszüge in Edenkoben erreichen.“ Nach Auskunft der Koblenzer LBM-Pressesprecherin Birgit Küppers gibt es keine Absprache mit der Genehmigungsbehörde zum Befahren der Stiftstraße durch Linienbusse. Deshalb sei nur eine Linienführung über die Zwockelsbrücke zulässig. Die Aussagen von Krist und der LBM-Sprecherin bringen Werner Schreiner auf die Palme. „25 Jahre war alles in Ordnung und jetzt fangen Paragrafenreiter in Koblenz damit an, dem öffentlichen Nahverkehr Steine in den Weg zu legen“, erklärt der ehemalige Geschäftsführer des Verkehrsverbundes Rhein-Neckar. Schreiner ist der Meinung, dass die Haltung des LBM juristisch nicht haltbar sei, weil alle Haltestellen bedient würden. Die durch Georg Krist und seinen Abteilungsleiter Alf Bettinger verfügte Sperrung der Stiftstraße für Busse sei ein Angriff auf den Öffentlichen Personennahverkehr, wie er ihn in Neustadt noch nicht erlebt habe, so Schreiner. Er spricht von einem „Eigentor“ der Stadt: „Anschlussverluste sorgen dafür, dass weniger Bus gefahren wird. Weniger Kunden heißt in der Konsequenz höhere Kosten für die Stadt.“