Neustadt
Gesichter der Gartenschau: Anne Pieper managt die Themen Bau und Finanzen
Im Januar 2024 ist Anne Pieper als Co-Geschäftsführerin der Landesgartenschaugesellschaft nach Neustadt gekommen. Die 40-Jährige, die mit ihrem Mann und ihrer Tochter in der Nähe von Landau lebt, erinnert sich, dass sie für die Stelle „ganz schnell“ zugesagt habe. Die Stadtplanerin hatte zuvor in Mannheim ehemalige amerikanische Militärflächen, die ans Bundesgartenschaugelände angrenzten, städtebaulich zu Stadtquartieren entwickelt. Die Fachleute sprechen dabei von Konversion. Und das steht nun auch in Neustadt für die Landesgartenschau (LGS) an. Dieses Mal aber nicht bei Militärflächen, „sondern es geht um die Transformation einer Deponie, das ist sehr interessant“, sagt Pieper.
Mit einer Gartenschau bekommt sie es nun zum ersten Mal zu tun. Pieper beschreibt ihren Arbeitsauftrag so: „Stadtentwicklung plus Event“. Der Zeitplan bis zur Eröffnung der Landesgartenschau im April 2027 sei eng getaktet. Doch sie sei froh über die „Topleute bei der LGS: Jeder besetzt seine Nische, das macht für uns den Unterschied“. Hinzu komme die „tolle Zusammenarbeit“ mit der Stadt Neustadt und das große Interesse der Bürger an der LGS. Das motiviere.
Hoher Aufwand bei Anträgen
Denn das Paket an Arbeit ist nicht gerade klein. Pieper leitet die Bereiche Bau und Betrieb sowie Finanzen. Geld ist dringend nötig, weil sonst nichts gemacht werden darf. Doch die entsprechenden Abstimmungen mit dem Land und das Vorbereiten der nötigen Anträge seien aufwendig. Pieper beschreibt das mit einem aktuellen Beispiel. Pünktlich zum Rheinland-Pfalz-Tag Ende Mai informierte das Land, dass es angesichts der Kostensteigerungen weitere 5,4 Millionen Euro zur Verfügung stellen werde. Natürlich eine gute Nachricht. „Aber wir müssen nun alle Förderanträge aktualisieren, weil sich ja die Zahlen geändert haben. Das ist schon ein hoher Aufwand“, sagt Pieper.
Denn parallel dazu laufen die Bauarbeiten und es werden Sponsoren akquiriert. Bisher sei überwiegend über die durch die LGS entstehende Parkanlage (Teil des Investitionshaushalts) gesprochen worden, doch nun rücke immer mehr das Landesgartenschaujahr und somit der Durchführungshaushalt in den Fokus. Ziel sei, über Sponsoren eine Million Euro einzuwerben. Außerdem seien die Eintrittsgelder ein wichtiger Faktor der Kalkulation. Mit diesem Thema werde sich der Aufsichtsrat demnächst befassen. Vorverkaufsstart soll im Frühjahr 2026 sein, weshalb bis dahin auch ein Ticketingsystem ausgeschrieben werden müsse.
1,8 Millionen Euro pro Monat
„Auf der Baustelle geht es derweil rasant voran“, freut sich die Geschäftsführerin. Bis Jahresende sollen 90 Prozent der Gesamtleistungen vergeben sein, damit weiter zügig gearbeitet werden könne. Um was es da genau geht, verdeutlicht Anne Pieper mit einer Zahl: „Wir verbauen jeden Monat 1,8 Millionen Euro an Parkanlagen. Hinzu kommt alles, was wir speziell fürs Gartenschaujahr bauen. Das ist schon Wahnsinn.“
Im Zeitplan gebe es im Prinzip „keinen Puffer mehr“, sagt Pieper offen. Druck werde man aber erst im kommenden Jahr verspüren. Sie sei „sehr zuversichtlich“. Und erzählt dann gleich, dass im Januar noch eine weitere Aufgabe dazu kommen wird: die Stilllegung der Deponie Maifischgraben. Sie arbeite hier eng mit dem Eigenbetrieb Stadtentsorgung zusammen. „Es ist wie bei einem Zahnrad, alles muss ineinandergreifen.“ Sie und ihr Team müssten nun alle anstehenden Aufgaben parallel angehen. Um das alles noch besser schaffen zu können, soll für die Planung des Maifischgrabens noch eine Projektleitungsstelle besetzt werden, zudem sollen noch zwei Finanzexperten zum LGS-Team stoßen.
Zeit mit der Familie sei Luxus und für sie die Quelle, um neue Kraft zu tanken. Ganz wichtig sei ihr bei allem Trubel, zweimal pro Woche die Tochter von der Schule abzuholen und dann Zeit für sie zu haben. Wobei sie sich auch in Auszeiten mal kurz auf der Arbeit melde: „Wenn ich das Gefühl habe, es läuft, kann ich wirklich abschalten.“ Dazu gehöre dann auch „guter Schlaf“. Dann hält Anne Pieper kurz inne und sagt erfreut: „Die Eröffnung der LGS wird greifbarer. Als ich neulich eine Gruppe zum Speyerbach geführt habe, hat man die Grundstruktur gesehen. Das war ein Aha-Effekt.“
Die Serie
Im April 2027 öffnet die Landesgartenschau in Neustadt ihre Tore. Bis dahin muss für die Großveranstaltung noch einiges gebaut und umgestaltet werden. Darum kümmern sich die Mitarbeiter der Landesgartenschau gGmbH. In dieser Serie treffen wir uns mit den Menschen und schauen: Wer sind sie und was machen sie konkret?