Neustadt
Georg-von-Neumayer-Realschule plus hat einen neuen Schulleiter
Auf dem Tisch in der Besprechungsecke des Büros von Tobias Schumacher fallen drei Vorratsdosen sofort auf. Sie sind durchsichtig. Also erkennt man: Hier gibt es Süßigkeiten und Nüsse. Die Dosen sind hübsch beschriftet mit „Geduldsfäden“ und „Nervennahrung“. Schumacher lacht. „Die drei Dosen sind ein Geschenk, da soll jeder zugreifen, dem danach ist.“ Schumacher geht es bislang offensichtlich ziemlich gut. Denn die drei Dosen sind noch gut gefüllt, lediglich in der mit den „M&M’s“ sind ein paar Lücken zu erkennen.
In der Besprechungsecke verbringt der 51-Jährige gerade viel Zeit. Vor gut zwei Wochen hat er seine offizielle Urkunde erhalten und durfte sich an die Arbeit machen. Tobias Schumacher ist also pünktlich zum neuen Schuljahr der neue Rektor der Georg-von-Neumayer-Realschule plus in Neustadt. Er füllt damit die Lücke, die Ende 2023 durch den Wechsel von Kerstin Ellerwald an die Realschule plus in Bad Bergzabern entstanden ist. Schumacher, der mit seiner Familie in Maikammer wohnt, muss und will in seiner Anfangszeit viele Gespräche führen – mit jedem Lehrer aus dem 60-köpfigen Kollegium, aber eben auch mit ganz vielen Akteuren rund um die Schule. Daher der Stammplatz in der Besprechungsecke.
„Ich freue mich auf viele Jahre in Neustadt“, kündigt Schumacher an. Die Georg-von-Neumayer-Realschule plus ist seine dritte Lehrerstation: Zuvor war er in Ludwigshafen und Germersheim tätig. Seit 2008 ist er schon stellvertretender Schulleiter. Jetzt habe ihn der Sprung auf die Rektorenstelle gereizt. „Ich war zuletzt zwölf Jahre in Germersheim, stehe also für Kontinuität.“
Kinder aus 35 Nationen
Ganz wichtig sei ihm das Klima: „Die 550 Schüler sollen gerne zur Schule kommen.“ Daher lege er großen Wert auf die Werte und Spielregeln im Umgang miteinander. „Nur dann kann Schule ein guter Ort sein.“ An der Georg-von-Neumayer-Realschule plus gebe es Kinder aus 35 Nationen. Folglich müsse der Schulalltag so gestaltet werden, „dass die Schule ein angstfreier Raum ist, in dem der gegenseitige Respekt zählt“. Daher seien die Schüler verpflichtet, einander offen und tolerant zu begegnen. „Mein Motto ist: Mit Werten und Wissen ins Leben“, so Schumacher. Das sei wichtig, damit die Kinder nach Abschluss der Realschule „charakterlich in der Lage sind, den Weg ins Leben zu finden“ – egal ob sie dann doch noch einen höheren Schulabschluss oder eine Ausbildung anstreben. „Jedes Kind ist ein Könner“, betont der Schulleiter. Guter Nachwuchs auch in Ausbildungsberufen sei angesichts des Fachkräftemangels elementar wichtig. Daher freue er sich auch, dass die Handwerkskammer in Neustadt ein Ausbildungszentrum bauen will. „Da sehe ich uns auch als Partner.“
Schumacher will, dass die Realschule plus ein Teil des Stadtlebens ist. Daher will er Neustadt in den Schulalltag einbauen. „Wir wollen mit den Kindern ins Stadtmuseum und ins Stadtarchiv gehen und aufs Hambacher Schloss. Auch Kooperationen mit Neustadter Experten fände ich toll.“ Dass er im neuen Umfeld „sehr gut aufgenommen“ worden sei, erleichtere ihm das Ankommen. „Ich habe gleich gespürt, dass Kollegium und Schulleitung in den Vorjahren sehr gute Arbeit geleistet haben. Wir haben hier ein tolles, engagiertes Kollegium.“
Mit Rad und Hund in die Weinberge
Mit diesem gehe es gemeinsam an die Herausforderungen der nächsten Jahre. So ist die Georg-von-Neumayer-Realschule plus im Startchancen-Programm von Bund und Land und bekommt über zehn Jahre finanzielle Unterstützung für den Lernprozess. Nicht weniger wichtig: der Neubau der Schule, der 2026 beginnen und Ende des Jahrzehnts abgeschlossen sein soll und 35 bis 40 Millionen Euro kosten wird.
Schumacher sieht darin große Chancen: „Wir müssen Schule neu denken, alles wird individueller.“ Der Neubau werde da viele Möglichkeiten schaffen, ist er überzeugt. Dann will er auch in Neustadt seinen Anspruch an einen zeitgemäßen Pausenhof erfüllen. In Germersheim ist unter der Regie Schumachers ein 2000 Quadratmeter großer Hof entsiegelt und dann begrünt und neu gestaltet worden. „Das war mein Herzensprojekt“, sagt Schumacher und zeigt auf die verschiedenen Bilder im Büro, die an diesen Kraftakt von Schülern, Eltern und Lehrer erinnern. „Wir brauchen für die Schüler keine zugepflasterten Bereiche, sondern naturnahe Bewegungsräume“, sagt Schumacher. Er würde mit so einem Projekt wohl auch gerne sofort in Neustadt beginnen. „Aber wir warten jetzt natürlich auf den Neubau.“
Abends bei kleinen Radausflügen mit dem Hund in die Weinberge oder den Pfälzerwald sammelt Schumacher neue Energie. Aktuell verbringe er die langen Arbeitstage ohne Pausen. Er gibt 13 Unterrichtsstunden pro Woche (Englisch, Wirtschaft, Verwaltung, Sozialkunde), arbeitet sich in alle Aufgaben ein und will zudem für alle ansprechbar sein und nimmt sich Zeit für jeden. Direkt in der Nähe des Computers steht die offene Brotdose. „Damit ich da tagsüber immer mal reingreifen kann.“ Doch wenn er dann nach Hause komme, merke er oft: „Oh je, ich habe ja kaum was gegessen.“ Bis zu den Herbstferien sei der Terminkalender schon komplett voll. Klingt nach Stress. Schumacher sieht es anders und formuliert es so: „Es ist eine wunderbare Herausforderung. Ich freue mich auf alles, was jetzt kommt.“