Neustadt Gemeinsam stärker

Vor zwei Jahren hat alles begonnen. Damals, berichtet Doris Krieg, hätten sich die Sozialstationen Böhl-Iggelheim, Frankenthal, Haßloch-Mittelhaardt, Limburgerhof, Ludwigshafen, Neustadt und Schifferstadt dazu entschlossen, enger zusammenzuarbeiten. Die 62-Jährige ist seit zwölf Jahren Verwaltungsleiterin der Sozialstation Limburgerhof. Jetzt hat sie auch den Vorsitz des neuen Konstrukts übernommen, für das Ende Juli eine Kooperationsvereinbarung unterzeichnet wurde (wir berichteten auf unserer Seite „Südwestdeutsche Zeitung“). „Die Sozialstationen hatten bereits einen guten Austausch auf verschiedenen Ebenen. Wir haben auch schon gemeinsam Probleme gelöst“, sagt Krieg. Jetzt gehe es darum, noch enger zusammenzurücken, Netzwerke weiter auszubauen und als Gemeinschaft wahrgenommen zu werden. Denn: „Wenn sich im Pflegebereich etwas ändert, betrifft das alle. Jede Sozialstation macht dann das gleiche.“ Jetzt habe man die Kooperation offiziell gemacht. Dadurch soll auch die Marke Sozialstation gestärkt werden. „So kann man mehr erreichen.“ Im vergangenen Jahr haben nach Angaben der sieben Sozialstationen in deren Bereich insgesamt 660 Pflegefachkräfte knapp 10.000 Menschen betreut. Die bei den Hausbesuchen zurückgelegte Strecke belief sich auf über 2,4 Millionen Kilometer. „Allein die Pflegekräfte der Sozialstation Limburgerhof haben rund 700.000 Kilometer zurückgelegt“, verdeutlicht Krieg. Die sieben Einrichtungen wollen vor allem im administrativen Bereich Synergieeffekte nutzen. Unterm Strich soll dann etwa ein einheitliches Qualitätsmanagement stehen. Auch gemeinsame Schulungen kann sich Doris Krieg vorstellen – zum Beispiel im Bereich Hygiene. Und: Die sieben Einrichtungen wollen mit einer Stimme sprechen, wenn es an Verhandlungen mit Kostenträgern wie den Krankenkassen geht. Auch ein gemeinsames Marketing samt Logo soll entwickelt werden. Einen Austausch von Pflegepersonal werde es aber nicht geben, sagt Krieg. Das sei rechtlich nicht möglich. Heißt: Wenn die Sozialstation Limburgerhof einen Personalengpass hat, kann sie keine Kräfte aus Schifferstadt oder Böhl-Iggelheim anfordern. 33 Sozialstationen gibt es insgesamt in Rheinland-Pfalz. Zusammengeschlossen sind sie bereits seit 1975 in der Arbeitsgemeinschaft für die Ökumenischen Sozialstationen der Pfalz mit Sitz in Speyer. Die neue Organisation sieht sich nicht als Konkurrenz dazu. Sie will als regionaler Verbund mit enger Vernetzung gesehen werden. Eine solche Kooperation, wie sie die sieben jetzt anstreben, gebe es ihres Wissens nach noch nicht im Land, sagt Krieg. Die Tür für andere Sozialstationen sei nicht zu. Aber jetzt müsse man sich innerhalb des Konstrukts erst einmal finden, man sei noch in der Anlaufphase. „Das Kind ist noch jung“, sagt Doris Krieg. Einen Namen hat es immerhin schon: Kooperationsverbund Vorderpfalz. Überlegungen zu solch einer Kooperation gebe es bereits seit 15 Jahren, berichtet Doris Krieg weiter – „jetzt war die Zeit einfach reif.“ Vor allem die Entwicklungen im Bereich Pflegeversicherung seien es gewesen, die die Sozialstationen zum Handeln gezwungen hätten. Krieg will den Kooperationsverbund aber nicht als ersten Schritt hin zu einer einheitlichen Ökumenischen Sozialstation Vorderpfalz verstanden wissen. „Die Sozialstationen wollen eigenständig bleiben“, betont die Verwaltungsleiterin. Ein Grund: die teilweise unterschiedlichen Angebote. Ludwigshafen etwa biete Tagespflege an, Neustadt Essen auf Rädern. Und irgendwann werde die Verwaltungseinheit dann auch zu groß. Krieg vergleicht: „Die ideale Größe für eine Einrichtung wie die Sozialstation sind 120 bis 150 Patienten im Monat. In Limburgerhof betreuen wir schon rund 700, in Ludwigshafen sind es etwa 900.“ An einem Ziel des Kooperationsverbunds will Doris Krieg besonders arbeiten: die Verbesserung des gesellschaftlichen Stellenwerts der Pflege. „Pflege ist leider immer noch ein Tabuthema. Der Beruf ist nicht sehr angesehen. Für viele ist es oft der letzte Anker.“ Doch Pflege müsse man machen, wenn man Lust dazu hat. „Es sollte Berufung sein. Das ist leider nicht immer der Fall.“ Es werde immer schwieriger, qualifiziertes Personal zu finden – gerade im ambulanten Bereich. Wer sich dafür entscheide, trage eine große Verantwortung, sei ein Einzelkämpfer bei den Patienten. Gefragt seien vor allem physische und mentale Stärke. Zur Vorsitzenden gewählt ist Doris Krieg für zwei Jahre – die sie als Stabilisierungszeit für den Kooperationsverbund bezeichnet. Danach sei es wünschenswert, wenn jemand den Vorsitz längerfristig übernehme.