Neustadt RHEINPFALZ Plus Artikel Gemälde von Birgit Weinerth im Artshop des Neustadter Kunstvereins

Birgit Weinerth mit einem ihrer Werke: „The Game“.
Birgit Weinerth mit einem ihrer Werke: »The Game«.

„Klaviatur der Farben“ ist die nächste Einzelausstellung im Artshop des Neustadter Kunstvereins überschrieben, und der Titel war vermutlich nur selten angemessener als hier. Denn die Künstlerin Birgit Weinerth spielt in ihren teils abstrakten, teils gegenständlichen Acrylgemälden, die in dichter Hängung die Wände dieser in einem ehemaligen Friseursalon angesiedelten „Galerie auf Zeit“ zieren, wirklich virtuos mit den Farbtönen.

„Quer durch die Palette“ habe sie sich gemalt, lacht die 58-Jährige, doch ihre Experimentierfreude beschränkt sich offenkundig nicht allein auf diesen Aspekt. Auch die Vielfalt der Motive, der Gegenstände oder Nicht-Gegenstände ihrer Bilder zeugt von großer Aufgeschlossenheit. Nur so lässt sich erklären, dass abstrakte Kompositionen mit allenfalls rudimentärer Rest-Gegenständlichkeit ihren Platz hier direkt neben äußerst akribisch gemalten Tier-Portraits finden, deren fast übersteigerter Naturalismus nur durch bewusste Fehlfarbigkeit aufgebrochen wird: Ein kleiner Schimpanse hat da eben grünes Fell und Zebras rote Streifen statt schwarzer.

Große Vielfalt, große Experimentierfreude

„Zu viele Ideen“, kommentiert die Böhl-Iggelheimerin, die schon seit etlichen Jahren zum festen Inventar des Neustadter Kunstvereins gehört, selbst schmunzelnd die enorme Heterogenität ihres Œuvres. Diese hat sich in jüngster Zeit sogar noch verstärkt, denn neben reiner Acrylmalerei – dem Medium, das sie seit einem impulsgebenden Malkurs beim Schifferstadter Künstler Martin Eckrich 2010 für sich entdeckte – setzt sie inzwischen immer mehr auf Mischtechniken: baut Lacke, Ölkreide, Tusche, Druckeffekte in ihre Bilder ein, oder sogar Holzstäbchen-Applikationen wie im Gemälde „Klaviatur der Farben“, das der Schau den Namen gegeben hat. Neben schwer zu definierenden Formelementen in Grün, Rot und Gelb finden sich hier auf blauem und weißem Grund eben auch die besagten Hölzchen, die zudem noch auf der einen Seite grün und auf der anderen rot bemalt sind, was einen besonderen optischen Effekt auslöst, wenn man daran vorbeischreitet.

Eine kleine Hommage an die BASF

„Der Betrachter muss selbst seine Geschichte finden“, will Birgit Weinerth dabei ganz bewusst nicht zu weit gehen mit der Selbstdeutung ihrer Bilder. Und so kann jeder auch seine persönlichen Favoriten entdecken: „Perspektive“ vielleicht, ein mittelgroßes Gemälde, das eine Brücke am Meer aus dem Blickwinkel eines Vogels zeigt und im Hintergrund verschwommen die Ladekräne eines Industriehafens. „Kleines Geheimnis“, eine in mystisches Grün getauchte Gartenszene. Oder „Fortschritt“, eine kleine Hommage Weinerths an ihren Arbeitgeber, die BASF, wo sie seit fast genau 40 Jahren als IT-Spezialistin beschäftigt ist, mit chemischen Formeln und Laborgefäßen. Alles allerdings formal reduziert und in Farben, die – man verzeihe es – irgendwie ungesund wirken.

Dann nimmt man als Nicht-Aniliner vielleicht doch lieber Zuflucht zu einem der formschönen Flaschen- und Gläser-Stillleben. Zu einem feurig-expressiven Stier, einer fast impressionistisch anmutenden Segelschiff-Flotte oder einer symbolistisch wirkenden Pflanzen-Komposition, die als Teil einer Serie zu den vier Elementen gedacht war. Birgit Weinerth hat eben tatsächlich vieles zu bieten.

Die Ausstellung

Die Ausstellung „Klaviatur der Farben“ wird am Donnerstag, 3. Februar, um 19 Uhr im Artshop des Kunstvereins, Zwerchgasse 5, in Neustadt eröffnet. Bei der Vernissage interpretiert die Musikerin Sabine Diven in Gesang und Texten drei beispielhafte Werke Birgit Weinerths. Anmeldung per E-Mail an Brahms4@t-online.de. Die Schau ist danach bis 19. Februar immer donnerstags bis samstags 10-13 Uhr und 14-18 Uhr zu besichtigen, wobei man der Künstlerin auch bei der Arbeit über die Schulter schauen kann.

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