Neustadt RHEINPFALZ Plus Artikel Gaststättenverband sieht Vielfalt der Gastronomie in Gefahr

Die Gastronomie hat es schwer, Personal zu finden.
Die Gastronomie hat es schwer, Personal zu finden. Foto: dpa

Wie sieht die Zukunft der klassischen Gastronomie aus? Dieser Frage widmeten sich Köche, Wirte und Vertreter der Politik am Montag beim „Gastro-Polit-Talk“, zu dem die Metro Deutschland in den Ketschauer Hof geladen hatte.

Sie sind fast überall präsent und so gut wie stets verfügbar – die Angebote der Gastronomie. Vom einfachen Feierabend-Bier bis zum exklusiven Mehrgänge-Menü bieten Wirte und Hoteliers ihren Gästen ein breit gefächertes Spektrum an Dienstleistungen. Und dies zumeist zu Zeiten, in denen „normale“ Arbeitnehmer frei haben. Doch die Arbeitszeiten sind nicht das einzige Thema, bei dem die Gastronomen der Schuh drückt.

400 Betriebe geschlossen

400 Betriebe seien in Rheinland-Pfalz in der jüngeren Vergangenheit geschlossen worden, weil es keinen Nachfolger gegeben hatte. Bei 60 Prozent aller Einrichtungen stehe in den nächsten Jahre eine Betriebsnachfolge an, informierte Gereon Haumann, Präsident des Deutschen Hotel- und Gaststättenverbands (Dehoga) Rheinland-Pfalz beim Gastro-Polit-Talk am Montag in Deidesheim.

Gleichzeitig stelle die Hotellerie und die Gastronomie die meisten sozialversicherungspflichtigen Arbeitsplätze und eine Vielzahl von Teilzeitjobs in Rheinland-Pfalz. Trotzdem sei es für die Betriebe immer schwieriger, qualifiziertes Personal zu finden. Umso wichtiger sei es deshalb, als Betrieb auch für die Mitarbeiter attraktiv zu bleiben. Ausufernde Bürokratie sei ein weiterer Faktor, der viel Zeit koste – Zeit, die für die eigentliche Aufgabe der Gastronomen fehle, nämlich die, sich um die Gäste zu kümmern. Auch werde es gerade für die vielen Familienbetriebe immer schwieriger, so zu wirtschaften, dass unter dem Strich ein auskömmlicher Unternehmerlohn bleibe.

„Handwerk geht verloren“

Mittelfristig drohe die gastronomische Vielfalt in der Region auszubluten, so Haumann. Diese Sicht der Dinge teilte Annette Glücklich, gelernte Hotelfachfrau und heute erfolgreiche Privatköchin in Worms: „Fehlendes Berufsprestige, ungenügende Verdienstmöglichkeiten und unattraktive Arbeitszeiten“ nannte sie neben dem freien Zugang zum Beruf als Gründe für das Risiko, dass die klassische Gastronomie vom Aussterben bedroht sei: „Das Handwerk geht verloren, was bleiben wird, ist Convenience auf der einen, Spitzengastronomie auf der anderen Seite“, sagte sie und erntete zustimmenden Applaus der Wirte.

Eine der Forderungen des Dehoga sei darum ein Befähigungsnachweis für Existenzgründer, um den Zugang zum Beruf zu regeln, so Haumann. „Eine abgeschlossene Berufsausbildung sollte selbstverständlich sein für Menschen, die mit Lebensmitteln umgehen“, betonte er. Um die Zukunft der Gastronomie zu sichern, sei es außerdem notwendig, die Branche als Saisonarbeit anzuerkennen: „Die Sommerüberstunden sind die Medizin gegen die Winterarbeitslosigkeit“, sagte er zum Thema Jahresarbeitszeitkonto.

„Gerade angesichts des steigenden Klimabewusstseins kann es doch nicht sein, dass der Coffee-to-go im Plastikbecher mit sieben Prozent besteuert wird, während auf das ehrlich gekochte Essen im Lokal 19 Prozent Mehrwertsteuer erhoben werden“, erneuerte er eine alte Dehoga-Forderung.

Bisher kein Nachfolger

„Auch wenn heute keine Patentlösungen gefunden wurden, ist es gut, dass wir Gelegenheit hatten, unseren Anliegen Gehör zu verschaffen“, meinte Werner Steigert, Betreiber des Pfälzer Hofs in Elmstein-Iggelbach. Er hat seinen Beruf wie viele seiner Kollegen von der Pike auf gelernt und führt den Betrieb seit 1985 in der sechsten Generation. Wenn er dereinst in Ruhestand geht, gehen dort aller Wahrscheinlichkeit die Lichter aus – einen Nachfolger hat er nicht.

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