Neustadt
Gastronom Grünwedel: „Wir werden in Verruf gebracht“
Dominik Grünwedel versteht die Welt nicht mehr. Der Diedesfelder Gastronom stemmt sich gerade mit Macht Gerüchten im Weindorf entgegen, die ihn in höchstem Maße verärgern. Und die ihm nach eigenen Angaben auch wirtschaftlich schaden. Dabei wäre aus seiner Sicht alles so einfach gewesen, „wenn mich mal jemand aus der Kommunalpolitik gefragt hätte“.
Dreh- und Angelpunkt sind die Pläne Grünwedels, seinen Betrieb in der Weinstraße 507 zu verkaufen. Davon nicht betroffen sei das Wohnhaus direkt an der Straße, weil es nicht ihm gehöre, berichtet er im RHEINPFALZ-Gespräch. Schon beim ersten Kontakt mit dem beauftragten Makler sei die klare Vorgabe gewesen: Er und seine Frau wollen nur an jemanden verkaufen, der sorgsam mit dem Anwesen umgeht, also nichts verändert. Und genau solch ein Bewerber habe sich unter den knapp 100 Interessenten gefunden.
Noch dieses Jahr Betrieb
Das junge Ehepaar Grünwedel hatte im Mai 2012 das Restaurant mit gehobener Küche in Diedesfeld eröffnet. Der Standort sei nie ein Selbstläufer gewesen, sagt der 38-jährige Koch. Indes habe er sein Stammpublikum gehabt. Mit Beginn der Pandemie aber seien die Zeiten noch härter geworden. Schließlich schlossen die Grünwedels im vergangenen Jahr ihr Diedesfelder Restaurant und setzten ausschließlich auf sogenanntes Event-Catering, boten also ihre Räume für geschlossene Gesellschaften mit Essen an. Parallel dazu betreibt Dominik Grünwedel das Restaurant auf dem Golfplatz bei Geinsheim und wird das auch weiter tun.
Unabhängig vom geplanten Verkauf wird Grünwedel das Event-Catering in der Weinstraße 507 aber noch das ganze Jahr über anbieten. Dafür waren bereits Termine gebucht, auf weitere Buchungen hoffte das Ehepaar. Jetzt aber sieht es sich in Verruf gebracht durch eine Diskussion, die durch ein wenig Kommunikation vermieden hätte werden können.
Falsches Beispiel
Was Dominik Grünwedel meint: Vergangenen Dienstag hatte der Ortsbeirat wegen eines FWG-Antrags, der letztlich die Zustimmung aller Fraktionen fand, kurzfristig getagt. Wegen der Gerüchte um den Verkauf von Weinstraße 507 war die Sorge groß, dass wieder ein Anwesen abgerissen werden, das Ortsbild leiden könnte. Diese Erfahrung war kurz zuvor in der direkten Nachbarschaft gemacht worden. Daher war sich der Diedesfelder Ortsbeirat darin einig, Investoren, die nach seiner Meinung rücksichtslos agieren, mit einem geänderten Bebauungsplan einen Riegel vorzuschieben. Ob das rechtlich möglich ist, soll nun die Neustadter Bauverwaltung prüfen.
Dass er für diese öffentliche Debatte herhalten musste, obwohl bei seinen Verkaufsplänen gerade das Ortsbild im Mittelpunkt stehe, bringt Dominik Grünwedel auf die Palme. Durch die Ortsbeiratssitzung sei er regelrecht vorgeführt worden, die Folge seien gelinde gesagt unfreundliche E-Mails, ebenso ein wirtschaftlicher Schaden. Gäste, die abgesagt hätten, „habe ich zwar noch besänftigen können“. Jetzt sei aber die Angst groß, dass keine neuen dazukämen. Besonders absurd: Dass in jener Ortsbeiratssitzung gleichzeitig gesagt worden sei, dass man sich Gastronomie in Diedesfeld wünsche.
„Keine böse Absicht“
Warum aber hat die Ortspolitik vorab nicht den Kontakt gesucht? „Das war keine böse Absicht“, sagt Ortsvorsteher Volker Lechner auf Anfrage. Die größte Angst angesichts der Gerüchte sei einfach gewesen, dass sich der Fall Weinstraße 513 wiederholen könnte. Lechner räumt freimütig ein: Vorab mit dem Ehepaar zu reden, wäre die bessere Lösung gewesen. Ein solches Gespräch hätte allen Beteiligten vieles ersparen können. Keinesfalls sollte dem Ehepaar geschadet werden.
Am Freitagnachmittag hat der Ortsvorsteher das Gespräch nachgeholt und den Grünwedels dabei auch seine Unterstützung zugesagt. Deren erklärtes Ziel lautet: „Davon zu überzeugen, dass unsere Gastfreundschaft auch durch diese Gerüchteküche nicht beeinträchtigt wird.“