Hassloch
Fußball: VfB Haßloch siegt im ersten Relegationsspiel
Wenn alle Amateurfußballspiele so gut besucht werden würden wie die Relegations- und Entscheidungsspiele am Saisonende, hätten viele Vereine weniger Finanzprobleme. Am Donnerstagabend waren es 565 Zuschauer, die sich zum Haßlocher Eichelgarten aufmachten, um sich das erste Relegationsspiel zur Ermittlung des dritten Aufsteigers in die Landesliga Südwest, Staffel Ost, zwischen den Tabellenzweiten der Bezirksligen Vorderpfalz und Rheinhessen anzusehen. Nach einer langweiligen ersten und dramatischen zweiten Hälfte schlug der VfB Haßloch den VfR Nierstein mit 2:0. Im Rückspiel am Sonntag, 15 Uhr, in Nierstein reicht dem VfB ein Unentschieden, um sich den dritten Aufstieg in die Landesliga zu sichern.
Die Aufstellung der Haßlocher sorgte in zweifacher Hinsicht für Aufsehen. Zum einen lief mit der Rückennummer 21 ein kurzfristig verpflichtete Neuzugang mit Oberligaerfahrung auf: Nauwid Amiri (31) war zuletzt für den Verbandsligisten ASV Fußgönheim und zuvor unter anderem für den FC Arminia Ludwigshafen und den FC Speyer 09 aktiv. Er ist ein älterer Bruder des seit Januar von Bayer Leverkusen an den italienischen Erstligisten Genua CFC ausgeliehenen fünfmaligen deutschen Nationalspieler Nadiem Amiri ist. Nauwid Amiri fügte sich auf der rechten Seite gut ins Spiel ein. „Wir wollten ihn bereits im vergangenen Winter verpflichten, aber die Ablösesumme, die der ASV Fußgönheim damals wollte, war viel zu hoch. Jetzt war er ablösefrei“, sagte VfB-Trainer Sebastian Schulz zum überraschenden Transfer. Ob Amiri auch in der kommenden Saison in Haßloch spiele, sei noch völlig offen.
Franzreb als Spielmacher
Überraschend war außerdem, dass Stürmer Lucas Franzreb im zentralen Mittelfeld agierte. Als Spielmacher war der Torjäger bis jetzt noch nie in Erscheinung getreten. „Mir war selbst nicht bewusst, dass ich das spielen kann. Unser Trainer meinte sogar, er sehe mich auf der Sechserposition am liebsten“, sagte Franzreb auch nach dem Abpfiff noch selbst verdutzt. Er war der überragende Akteur auf dem Feld – nicht nur wegen seiner Tore.
Vor der Pause wäre es nicht überraschend gewesen, wenn mancher Zuschauer eingeschlafen wäre. Beide Mannschaften wollten kein Risiko eingehen und versuchten, nur mit Kurzpässen irgendwie vor das gegnerische Tor zu kommen. Deshalb hatten sie bis zum Halbzeitpfiff jeweils nur eine gute Torchance. Der Niersteiner Jan Weinbach tauchte frei vor VfB-Torwart Frederik Tilger-Kuhn auf, kam aber nicht an ihm vorbei (17.). Sechs Minuten später verfehlte der fleißige Fabian Weber das Gästetor nur knapp.
Zwei Minuten nach dem Anpfiff der zweiten Hälfte fiel der erhoffte erste Treffer: Nach einer Flanke von Sebastian Pelgen traf Franzreb per Kopfball zum 1:0. Von nun an entwickelte sich eine Partie, wie sie sich die Zuschauer erhofft hatten. Die Gäste mussten immer mehr riskieren, was den Haßlochern viel Platz zum Kontern bot. Ausgerechnet in der Schlussphase, in der die Rheinhessen fast nur noch mit hoch nach vorne geschlagenen Bällen den Erfolg suchten, geriet die bis dahin sicher stehende VfB-Abwehr ins Wanken, leistete sich einschließlich Schlussmann Tilger-Kuhn haarsträubende Fehler und hatte bei einem Niersteiner Pfostentreffer Glück.
Foul an Grässer
In der 85. Minute tobte VfB-Stürmer George Yalman, als er für André Grässer Platz machen musste. Der diesmal ohne Torchance gebliebene Angreifer hatte sich immer noch nicht beruhigt, als Grässer, der nur noch dem Kader der Zweiten Mannschaft angehört, von Franzreb toll aus dem Mittelfeld bedient und von Niersteins Torhüter Sebastian Neef mit einem Foul im eigenen Strafraum gebremst wurde (86.). Es schmälerte Franzrebs starke Leistung nur wenig, dass er mit dem Foulelfmeter an Neef scheiterte. Denn in der vierten Minute der Nachspielzeit traf er mit einem Weitschuss in das vom Niersteiner Keeper verlassene Tor zum 2:0.
Zu dem am Ende doch noch sehr unterhaltsamen Spiel passten die hervorragende Leistung des Schiedsrichtergespanns und die tolle Organisation des VfB Haßloch. Unter den zahlreichen Ordnern befand sich sogar Uwe Rudingsdorfer, der dem Lokalrivalen 1. FC 08 angehörende Trainer der gemeinsamen B-Juniorenmannschaften. „Wenn wir eine JSG machen, dann richtig“, erklärte er sein Engagement.
Alles ausverkauft
Für Claus Rieger vom Imbissstand begann der Feierabend früher als für die Ordner. Dafür hatte er aber bis dahin erheblich mehr als die Sicherheitskräfte zu tun. „Ich habe schon alles verkauft. Aber das ist besser, als wenn etwas übrig bleibt“, stellte er zufrieden fest.
So spielten sie
VfB Haßloch: Tilger-Kuhn - Rostamzada (24. Augustin, 66. Dietzen), Dennis Klein, Daniel Schulz, Pelgen - Amiri (61. Rosa), Franzreb, Weber, Kevin Klein - Yalman (85. Grässer).
Tore: 1:0, 2:0 Franzreb (47., 90.+4); Gelbe Karten: Weber, Kevin Klein (beide Haßloch); beste Spieler: Franzreb, Weber - Neff, Steffens; Zuschauer: 565; Schiedsrichter: Ziehmer (Kindsbach).