Neustadt Frisch geölte und blank polierte Schätze
Historische Traktoren und andere betagte Fahrzeuge standen im Blickpunkt der Besucher bei der Gimmeldinger Laurentiuskerwe. Zum neunten Mal fand im Rahmen der Kerwe ein Oldtimer- und Schleppertreffen statt.
Der grüne Unimog „Fritz“ sucht sich langsam seinen Weg durch die Menge. Besucher und Aussteller von alten Traktoren, Motorrädern und Pkw bilden kurz ein Spalier für die Durchfahrt des Neuen. „Seit 9.30 Uhr kommen schon die Ausstellungsfahrzeuge“, berichtet der Vorsitzende Tobias Bauer der organisierenden Feuerwehrfreunde Gimmeldingen, die sich für den Bestand der traditionsreichen Gimmeldinger Kerwe einsetzen und mittlerweile wieder zahlreiche Vereine als Mitstreiter haben. Über 50 Anmeldungen habe er bereits, „sogar von Lach’mern, obwohl die selbscht Kerwe henn“, freut er sich. Von den Feuerwehrkameraden bekommen die Teilnehmer einen Stellplatz zugewiesen. Dort stehen sie mit dem Steckbrief ihres Oldtimers bis zur Umzugsfahrt durch das Dorf mit dem Tragkraftspritzenfahrzeug der Gimmeldinger Feuerwehr an der Spitze und sind Gesprächsmittelpunkt. „Wir kommen aus Edenkoben und setzen unsere alten Lanz-Traktoren aus den Jahren 1955/1956 nur noch selten bei der Winzerarbeit ein, aber sie sind voll funktionsfähig“, berichten Rudolf Acker und Willi Treber stolz über ihre beiden frisch geölten und blank polierten Schätze. Als erfahrene Ausstellungsbesucher haben sie auch früher schon Gimmeldingens Oldtimer- und Schleppertreffen besucht. Sie wollen sich am „Feedbackbogen“ der Feuerwehrfreunde beteiligen und die Veranstaltung zum Abschluss bewerten. „Hier gibt’s noch keine Hydraulik“, begeistert sich Werner Reuter, der früher heutige Oldtimer montierte, über den Originalzustand des kleinen, wendigen Holder A 8-„Knicklenker“. Hier sei der Pflug von Hand ausgehoben worden. Sein Freund Hermann Vogel hat sieben Originale in der heimatlichen Scheune. Repliken (Nachbildungen) wie ein Mercedes SSK aus dem Jahr 1929 müssen gekennzeichnet sein. Ein Demag Maybach D 7 rumpelt auf der Straße an einem zierlichen NSU-Motorrad vorbei, die schweren Ketten zum Straßenschutz mit Gummiüberzug. Die NSU sei „eigentlich wie ein Fahrrad mit Motor“ gewesen, sagen Vater und Sohn. „Bei meinem Traktor wird die Luft noch über Öl gefiltert. Der Motor lebt länger“, freut sich Armin Locker, der in der Nähe seines Weinausschanks ausgestellt hat. Auf dem Kirchplatz haben sich Gäste zum Frühschoppenkonzert des Musikvereins Königsbach eingefunden, wo Gesprächsthema der „menschliche Gaudi-Tischfußball“ vom Vortag ist. Insgesamt 14 Mannschaften haben sich am Kerwewettkampf beteiligt. Die Auswahl der kulinarischen Spezialitäten erleichtern die einheitlichen Speisekarten mit den Angeboten aller Ausschankstellen auf einen Blick. Mittlerweile stellt die kleine Alina ihren Puppenwagen ab und erklimmt begeistert den ersten Traktor, auf dem sie mit elterlicher Begleitung auch beim Umzug mitfahren darf. |aew