Neustadt Frauenkörper in Serie
«Wachenheim». Bei der Ausstellung der „Pfälzischen Sezession“ im April/Mai im Herrenhof hatte der Neustadter Grafiker Werner Korb die Haßlocher Bildhauerin Gabriele Köbler als persönliche Gastkünstlerin eingeladen, die dann auch prompt den Herrenhof-Kunstpreis gewann. Die freundschaftlich-kollegiale Verbindung setzt sich jetzt in Wachenheim fort, wo die beiden gemeinsam die aktuelle Ausstellung des Kulturvereins bestreiten.
Korb zeigt in Wachenheim viele seiner zeitkritischen Zeichnungen, die auch jüngst bei der Geburtstagsausstellung „3 x 80“ im Mußbacher Herrenhof zu sehen waren. Sie stehen im Kontrast zu den farbigen Frauenplastiken von Gabriele Köbler. Doch es ist gerade diese Gegenüberstellung, die die Ausstellung so besonders macht. Dem 80-jährigen Korb lässt die aktuelle politische Lage keine Ruhe. Er bezieht in seinen großformatigen Zeichnungen Stellung zu den Ereignissen des Syrien-Krieges und zu dessen Verursachern. Seine Collagen zeigen die Auswirkungen: Menschen auf der Flucht, Machthaber Assad, der mit Totenschädeln ein makabres Spiel aufführt. Die „Unheilvollen Vier“ – Trump, Kim Jong-un, Putin, Erdogan – werden in einer großformatigen Collage mit Zeitungskommentaren charakterisiert. Beachtenswert sind auch Korbs Radierungen wie die Serie „Nature Morte“, eine melancholisch wirkende Sicht von 1988 auf die tote Natur, ausgehend von „Heiße Phase – Nature Morte“ von 1986, die den Reaktorunfall von Tschernobyl kritisch thematisiert. Eine andere Weltsicht zeigen die ausschließlich weiblichen Plastiken von Gabriele Köbler. Die portraithafte Büste „Frida, die Schmerzensfrau“ zeigt unverkennbar Züge der Malerin Frida Kahlo. Die Mexikanerin brachte in ihren Bildern immer ihre seelischen und körperlichen Qualen zum Ausdruck. Den Zyklus „Hommage an Frida Kahlo“ komplettieren die Büsten „Die stolze Mexikanerin“ und „Die maskuline Frau“. Auch die übrigen Frauenbüsten wie Aurelie, Louisa und Patricia haben den gleichen unnahbaren Gesichtsausdruck, lediglich durch Kleinigkeiten unterscheiden sie sich. Sie scheinen sich am Weltgeschehen um sie herum nicht zu stören. Sie verweisen so auf die moderne Gesellschaft in ihrer Gleichgültigkeit. Die bemalten Feinbetonplastiken sind als Unikate gefertigt. Wenn die Form nicht zerstört wird, sind sie reproduzierbar. Köbler formt ihre Damenwelt aber auch als Großplastik wie die stehende „Schwimmerin“ oder als „Sitzende“. Kleine Bronze-Plastiken, die jüngst bei einem Arbeitsaufenthalt in einer Kunstgießerei in Bayern entstanden, runden die Schau ab. Diese „Fortbildung“ bezahlte die Haßlocherin übrigens aus dem Preisgeld des Herrenhofs. Die Ausstellung Die Ausstellung ist noch bis 18. November in der Ludwigskapelle in Wachenheim zu sehen. Öffnungszeiten: freitags 17-19 Uhr, samstags 15-18 Uhr, sonntags 11-18 Uhr.