Neustadt RHEINPFALZ Plus Artikel Forst: Kinderwagen umsonst besorgt – Theater Hemshofschachtel auf Freilichtbühne

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Politische Brisanz, aber auch jede Menge Komik. Diese Mischung bietet das Stück „Ä schwere Geburt“. In einem Garten in Forst führt das Theater Hemshofschachtel bis Ende Juli die Flüchtlingsfrage gekonnt vor Augen.

Volles Haus am Freitagabend im Garten von „Thomas Weinstube am Rebgarten“ in Forst. Das Wetter war perfekt, der Applaus wenige Stunden später ebenso. Autor Rudy Kupferschmitt hat sich diesmal das Thema Flüchtlinge ausgesucht, das seit 2015 auch in Deutschland für viele Diskussionen sorgt.

Der Plot ist schnell erzählt. Da ist das Ehepaar Isabella und Hannes Hauptmann (Tanja Hoecker und Jens Kalbfuß) und ihre kluge Tochter Lena (Sina Schreiner). Das Familienidyll scheint perfekt. Doch die Mutter langweilt sich – der Ehemann geht völlig im Beruf auf; er ist Scherzartikel-Designer in der Firma Firlefanz. Dass die Familie für allerlei Tests herangezogen wird, sorgt natürlich für herrliche Komik: aus der Chipstüte springt eine Pappschlange, aus der Frauenzeitschrift fällt eine eklige schwarze Plüschspinne.

Ein Kind muss her

Bald wird Tochter Lena, die vor einem glänzenden Abitur steht, das Haus in Richtung München verlassen. Zurück in ihren Beruf als Fleischereifachverkäuferin will Isabella aber nicht. Ihre Idee nach langem Überlegen: Ein Kind muss her. Indes stellt sich heraus, dass eine Adoption weitaus schwieriger ist, als gedacht. Doch ist Isabellas Mutter Sophie Richter (Marie-Louise Mott) eine findige Seniorin und verspricht, „ein Kind zu besorgen“. Isabellas Patin, Melitta Krüger (Annette Ludwig), mit der sich Sophie stets verbal duelliert, organisiert schon mal einen Kinderwagen.

Bart statt Bobbelsche

Endlich ist es soweit. „Wo is dann des Bobbelsche?“, ruft Lena entzückt. Da präsentiert die Oma ihre Überraschung. Kein Kind, sondern einen Jungen, der bereits auf eigenen Füßen steht, hat sie mitgebracht. Allerdings hapert es mit der Sprache. Denn Elias (Salah Almosly) stammt aus Marokko, kann nur Arabisch und recht passabel Französisch. „En erwachsene Mann und noch dezu en Asylant“ – Melitta, die mit Ausländern nicht viel am Hut und alle Vorurteile verinnerlicht hat, ist entsetzt, Lena dagegen begeistert: „Ich mach de Babysitter!“

Der frischgebackene Vater versucht über Babysprache mit Elias ins Gespräch zu kommen. „Papa, du bist peinlich“, kommentiert Lena. In Gebärdensprache verklickert die Mutter dem jungen Mann, dass sie nun den Schweinebraten servieren wolle. Die anderen sind entsetzt. Schweinebraten geht gar nicht. „Do geh’ ich jetzt besser, bevor der uns all massakriert“, meint Melitta und zieht ab.

Oma kontra Patentante

Und wieder kommt es zu einem wortreichen Schlagabtausch zwischen Melitta und Sophie. In Sophies Augen ist Melitta der „bp, der braunen Propaganda“ aufgesessen. Während diese insistiert: „Die wollen uns alle übernehmen und unsere christlichen Werte untergraben.“ Lena verweist derweil auf die lange Zeit des Friedens in Europa. Und genau diesen suchten auch Muslime, ergänzt ihre Oma: Der Schlüssel, um das gegenseitige Verständnis und die Akzeptanz zu erhöhen, sei die Sprache. Also wird Elias in einen Deutschkurs der Volkshochschule geschickt, während sie selbst ihm Pfälzisch beibringen wird. Zuvor aber träumen alle noch ein wenig im Stil von Martin Luther King, ein durchaus ernstes Einsprengsel.

Dubbeglas fällt leicht

Doch schnell wird es wieder richtig lustig. Elias drückt die Schulbank, während Sophie Richter an der Tafel steht und dem Flüchtling das Pfälzische näher bringt. „Morsche, Nowend und alla dann“ hat er schnell drauf. „Dubbeglas“ geht noch, aber „Gardenzwerk“ und „Babbedeckeldeller“ gehen gar nicht. „Das wird“, gibt sich die Lehrerin zuversichtlich. Ins Lied vom „Guude Palzwoi“, das er anstimmt, fällt das Publikum sofort ein.

Die Zeit vergeht – Elias kann gut Deutsch und steigt sogar in Hauptmanns Firma ein. Selbst Melitta legt ihre Vorbehalte ab: „Der is fleißich, hilfsbereit un pünktlich.“ Elias räumt ein: „Es gibt solche und solche.“

Doch die Katastrophe naht: Ein Schreiben vom Bundesverwaltungsgericht bescheinigt Elias, dass sein Asylantrag abgelehnt ist. Und nun? Hilft Kirchenasyl oder die Freundschaft zwischen ihm und Lena? Sophie Richter ist überzeugt: „Mir schaffen des“, sagt sie und zeigt die Merkel-Raute. Ob das stimmt, soll an dieser Stelle nicht verraten werden.

Info:

„Ä schwere Geburt“ : Freitag, Samstag und Sonntag, 26., 27., 28. Juli, jeweils um 19.30 Uhr, Einlass ab 18 Uhr. Karten im Vorverkauf bei der Touristik-Information Deidesheim, Telefon 06326/96770, oder im Theater Hemshofschachtel, Telefon 0621/510149, und an der Abendkasse ab 18 Uhr. Der Eintritt kostet 15 Euro.

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