Neuleiningen
„Foreigner“-Tributeband „Juke Box Hero“ beim Burgsommer
Vier Röhrenradios stehen auf der Bühne, über ihnen auf der Leinwand ist eine Frequenzanzeige für die Einstellung der Sender im UKW-Bereich zu sehen. Durch die Geräte zuckt blaues Licht. Damit symbolisieren sie genau das, was sich die Band Juke Box Hero auf die Fahnen geschrieben hat: Sie will die Jahrzehnte alten Hits von Foreigner mit einem erfrischenden Touch in die Neuzeit transportieren und so auch der jüngeren Generation zugänglich machen. In herausragender Weise liefern die Musiker beim Neuleininger Burgsommer ihre Hommage an die britisch-amerikanische Band ab, deren Lieder seit fast einem halben Jahrhundert durch die Rundfunkprogramme geistern – und die wohl jeder schon mal gehört hat.
Mit großer Professionalität interpretieren die sechs Musiker die Meister des Mainstream-Rocks, die auch heute noch auf Tour sind. Als letztes aktives Gründungsmitglied des Originals dabei ist der Leadgitarrist, Songschreiber und Produzent Mick Jones. Seine Rolle übernimmt in der Tributeband Christian Moser, übrigens ebenfalls Mann der ersten Stunde bei Juke Box Hero. Der 56-Jährige, der vor allem zum Ende des Abends hin wie Jimi Hendrix über den Hals seiner Gibson Les Paul tobt. Er ist eine der tragenden Säulen der Formation. Er brilliert etwa bei „Head Games“, „Woman In Black“, „Girl On The Moon“ oder bei den fetzigen Stücken „Dirty White Boy“ und „Hot Blooded“. Das Publikum ist begeistert. Der Wiesbadener mit eigener Musikschule kann schon auf eine lange einschlägige Karriere blicken. Ab 1992 tourte er mit der Progressive-Rock-Band Sheela durch die Welt, unter anderem als Vorgruppe von den Scorpions, Manfred Mann, Saga und Nazareth.
Saxofonklänge vom Burgturm
Ebenso prägend für die Tributeband wie der Saitenvirtuose ist der Hesse Gernot Dechert. Er hat am Dr. Hoch’s Konservatorium in Frankfurt klassisches Saxofon studiert und ist auch mit Klarinette und Flöte sowie am Keyboard auf dem internationalen Parkett zu Hause. Er ist Mitglied vieler Ensembles, hat Gastauftritte unter anderem bei den Rodgau Monotones. Mit seiner eigenen Gruppe Gernot Dechert & Band hat er einige CDs produziert. Der Musiker und Verlagsautor beeindruckt in Neuleiningen vor allem mit seinem ergreifenden Saxonfonspiel, beispielsweise bei „Long Way From Home“. Zu „That Was Yesterday“ muss man den Erzeuger der wunderschönen Bläserklänge erst einmal suchen. Statt auf der Bühne steht er oben auf dem Burgturm. Die Besucher haben es schnell mitbekommen und es zeigt sich ein lustiges Bild: Alle drehen der Band den Rücken zu und recken ihre Smartphones in die Höhe, um Dechert im Video festzuhalten.
Voller Inbrunst und entsprechend emotional berührend ist der kraftvolle und ausdrucksstarke Gesang von Nico Heyd. Ob bei „Nightlife“, „Cold As Ice“, „Say You Will“ oder „Urgent“ – mit seiner Stimme ist der Vocalcoach aus Kaiserslautern verdammt nah am Original. Er bemüht sich aber nicht übermäßig darum, Authentizität zu erzeugen. Vielmehr darf man schon erkennen, dass hier nicht Lou Gramm mit dem Mikrofonständer tanzt, die Hits nicht einfach kopiert, sondern mit eigenem Stil interpretiert werden. Der 29-Jährige, der am Klavier und auf der Posaune schon manche Auszeichnung erhalten hat, beweist auch sein Talent als Animateur. Er schafft es immer wieder, die Zuschauer so einzubinden, dass die Superstimmung weiter steigt. „Die Songs nehmen alle mit. Im Prinzip hat jeder einen Berührungspunkt in seinem Leben mit irgendeinem Stück von Foreigner“, ist Heyd überzeugt. Er selbst liebt die handgemachte Musik, mit der man Gefühle transportieren kann.
Ankündigung mit stürmischen Applaus
„Elektronische Musik ist steril“, findet auch Bassist Tommy Schmitt. An Foreigner, deren Titel ihn durch die Jugend getragen hätten, fasziniert ihn die enorme Innovationskraft. „Die erfinden sich mit jedem Album neu“, so der 54-jährige Komponist, Lehrer und Multimedia-Producer, der erst seit 2022 Mitglied der 2012 ins Leben gerufenen Juke Box Hero ist.
Nach den ersten Tönen des 1981 erschienenen Titels, der der Tributeband ihren Namen gab, ist das Publikum total aus dem Häuschen. Schmitt hält zusammen mit Gründungsmitglied Ralf Gottlieb am Schlagzeug und dem eingesprungenen Keyboard-Mann Florian Schneider straight den Rhythmus und formt das Klang-Gerüst für die drei Frontmänner. Kurz vor und bei der Zugabe scheint die Band noch über sich hinaus zu wachsen. Das Sextett hinterlässt einen bleibenden Eindruck. Andersherum sind die Musiker von der „unfassbaren Location“ und dem tollen Publikum so begeistert, dass sie laut Heyd „zwar das erste, aber nicht das letzte Mal hier gewesen sind“ – eine Ankündigung, die einen stürmischen Applaus auslöst.