Neustadt
Floristin setzt auf Pflanzen aus eigenem Anbau
Susanne Krastel-Schneider reibt ein Geranienblatt zwischen den Fingern. „Duftgeranien, riechen Sie mal“, fordert sie auf und reicht ein Blatt weiter, das intensiv nach Apfel riecht. Der Duft verteile sich allmählich im Zimmer, wenn solche Geranien mit unterschiedlich überraschenden Aromen in die Blumensträuße eingebunden würden, weiß die Floristin. Ihr Unternehmen „Krastel – Gartenbau, Blumen und Floristik“ befindet sich in der Grainstraße, gleich gegenüber des Neustadter DRK Stadtverbands, wo in früheren Jahren einmal ein Gärtnereigelände war. Die „Weihenstephaner Blumenbinderin“, in Fachkreisen auch Floristtechnikerin genannt, ist in Neustadt geboren und leitet den Betrieb in vierter Generation.
Einige Sträuße stehen frisch gebunden in harmonischen Formen und Farben im Laden bereit, doch viel häufiger geht Krastel-Schneider auf individuelle Wünsche der „sehr lieben und treuen Stammkundschaft“ ein, die etwa 95 Prozent ihrer Käufer ausmacht. „Wichtig ist uns, nur mit Naturmaterialien zu arbeiten“, erklärt die Ladeninhaberin. Kunstblumen und Schleifen beispielsweise kämen für ihre Sträuße nicht in Frage, es sei denn, der Kunde wünsche es ausdrücklich. Zum Thema Strauß hat die Fachfrau auch direkt noch einen Tipp: Wer ihn besonders lang erhalten will, kann mit einem Tropfen Javelwasser für Keimfreiheit und somit für Langlebigkeit sorgen.
Ansprüche der Kunden gestiegen
Nahezu alle Pflanzen kann die Floristin aus eingekauften Jungpflanzen oder Sämereien selbst ziehen. Auf dem rund 4000 Quadratmeter großen Firmengelände gedeihen im Sommer auf dem Freigelände zum Beispiel Schnittkulturen wie Pfingstrosen, aber auch Gräser und Kräuter. Sie werden das Jahr über im Geschäftsbetrieb verwertet. Zusätzlich stehen für Pflanzungen Gewächshäuser zur Verfügung. So könne man aus der eigenen Fülle schöpfen, müsse nur wenig Händlerware und Blumen vom Großmarkt einkaufen, wie Krastel-Schneider betont.
Dass die Ansprüche der Kunden in den vergangenen Jahrzehnten gestiegen seien, habe seinen Grund vor allem darin, dass die Floristen ihre Handwerkskunst gestalterisch weiter entwickelt und mit ihren neu erworbenen Fähigkeiten die Kundenwünsche erst geweckt hätten, ist die Fachfrau überzeugt. Der Weg von den oft recht schlicht und rund gebundenen Sträußen und Gebinden hin zu wahren Kunstwerken in ausgefallenen Formen sei eine Freude gewesen und habe sie ihre Berufswahl nie bereuen lassen, meint Krastel-Schneider.
Start mit Landwirtschaft
In ihrem Team sind sechs weitere Fachfrauen, fünf Gärtnerinnen und eine Junggärtnerin. Den Gründer und Urgroßvater Jakob Hall hat sie nicht mehr kennen gelernt, doch hat er den Grundstein für das Unternehmen auf einem noch weitgehend landwirtschaftlich genutzten Gebiet mit Gemüseanbau, Düngemittel und Gartenbedarf gelegt. Zur Gründung im Jahr 1900 war der Begriff Floristik noch nicht bekannt. Die Blumenpflanzungen seien im Lauf der Zeit hinzugekommen.
Ihre Großeltern führten die Gärtnerei dann als Unternehmen mit Grabpflege, Zierpflanzen- und Schnittblumenverkauf fort, berichtet Krastel-Schneider. Bevor dann Anfang der 1970er-Jahre der Gartenbaubetrieb, dem das Wohnhaus aus der Gründerzeit angeschlossen ist, und der Blumenladen von der dritten Generation neu entwickelt wurden. 1984 ist Krastel-Schneider nach Abschluss der Handelsschule, ihrer Ausbildung zur Floristin und der Weiterbildung in Weihenstephan voll in den elterlichen Betrieb eingestiegen und hat seither auch selbst ausgebildet. „Meine erste Auszubildende ist heute meine langjährigste Arbeitskraft“, freut sich die Chefin.
Hausbesuch bei Kunden
Außer im Blumenladen ist sie mit ihren Mitarbeiterinnen auch bei Kunden für Sommerpflanzungen auf Balkonen und Terrassen im Einsatz. Dank der Lage in Friedhofsnähe seien Grabneuanlagen und -betreuungen mit den eigenkultivierten, saisonalen Pflanzen ein weiterer Service des Hauses über kurze Wege.