Neustadt „Flittern auf dem Geißbockmarsch“
Wie bekannt, wird in einer Erzählung in acht Bildern von Autor Ernst Schäfer beim Festspiel die Geschichte von Sankt Lambrecht gezeigt, die eng verknüpft ist mit der Tradition der verbrieften Lieferung eines Geißbocks an die Stadt Deidesheim. Der Historie nach muss die Stadt Lambrecht mit einem gut gehörnten und gut gebeutelten Ziegenbock als Tribut für die Nutzung von Weiderechten in Deidesheims Gemarkung eine „lebende Pacht“ zahlen. Längst weiden auf den Wiesen keine Ziegenböcke mehr, aber das Brauchtum wird zwischen den Partnerstädten Lambrecht und Deidesheim noch wie immer an Pfingsten mit Heimatabenden, mit einem Festspiel alle fünf Jahre und der Übergabe eines Geißbocks gepflegt. Die Geißbocktradition wird in Lambrecht vererbt, wie von Julia Dörrzapfs Oma an die Enkelin, die mit ihrem Mann Maximilian Groß beim Geißbockmarsch am Dienstag nach Pfingsten Oli nach Deidesheim führen wird. Julia ist 25 Jahre alt, stammt aus Lambrecht und ist Erzieherin in der Kindertagesstätte in Gimmeldingen. Ihr 28-jähriger Bräutigam ist in Donaueschingen geboren, aufgewachsen im Elternhaus in Neidenfels und Student an der Mannheimer Hochschule. Bei der Lambrechter Kerwe 2017 beschloss das Paar zu heiraten. Erst als Julia Ja sagte, rückte er mit dem Wunsch heraus, mit ihr den Tributbock 2018 nach Deidesheim zu führen. „Damit ist die Hochzeitsreise verschoben –wir flittern auf dem Geißbockmarsch“, verriet die junge Frau. Julia und Maximilian sind gut zu Fuß. Sie ist Tänzerin und Trainerin beim Fasnachtskomitee „Die Lambrechter Gäsböck“, er Marathonläufer. Auch ihr Labrador „Milo“ hält sie auf Trab. Zurück zum Tributbock Oli, der mit der Übergabe an das Brautpaar zum Tributbock Maximilian wird. Oli, aus dem Forster Gehege von Oliver Wittmer, ist ein rassiger Schweizer Toggenburger mit einem durchtrainierten Körper und hellen sowie dunklen Fellsträhnchen. Mit unwiderstehlicher Ausstrahlung posiert der 70 Kilogramm schwere und fünf Jahre alte „Beau“ vor den Fotografen. Oli ist mit allen notwendigen Nachzuchtkriterien ausgestattet. Dies habe er bereits bewiesen „als Vater einer „Kinderschar“, sagte Geißbockbetreuer Gerhard Wiegand. Obwohl sich Oli beim ersten Rendezvous mit dem Brautpaar sowie Lambrechts Stadtbürgermeister Karl-Günter Müller charmant präsentierte, ist er kampferprobt. Bei einem Duell mit einem Rivalen soll er sich ein Horn angeschrammt haben, erzählte Gerhard Wiegand. Und, als hätte es der Vierbeiner verstanden, zerrte er seine Betreuer ungeduldig zum Abmarsch. Termine —Festspiele: Am Pfingstsonntag und -montag (Tuchmacherplatz Lambrecht), Eröffnung um 11 Uhr mit Bewirtung und Festspielbeginn um 14 Uhr. Am Sonntag spielt danach der Musikverein Königsbach; am Montag nach der Übergabe des Tributbocks an Julia und Maximilian Groß die Band „Memito“. —Karten: An der Tageskasse für 8 und 4 Euro; im Vorverkauf 7 und 3,50 Euro bei der Talpost, Schellbach’schen und Klosterapotheke und im Rathaus zu den jeweiligen Öffnungszeiten. —Geißbockmarsch: Start ist auf der Friedrich-Ebert-Brücke in Lambrecht am Dienstag, 22. Mai, um 5.30 Uhr. Die Versteigerung ist um 17 Uhr vor dem historischen Rathaus in Deidesheim.