Neustadt Flaschensammler auf Siegeszug
„Noo-Noo“ prustet kurz, dann dröhnt er laut. Die Turbinen röhren und pusten den Roboter nach vorne. Die rotierenden Schaufelräder kassieren leere Plastikflaschen ein. „Noo-Noo“ schluckt sie, dann schwebt er weiter. Mit dem Beach-Cleaner (Strand-Reiniger) „Noo-Noo“ beteiligte sich eine schulübergreifende Arbeitsgemeinschaft, die an der Berufsbildenden Schule (BBS) Neustadt arbeitet und forscht, an der „World Robot Olympiad“. Am Sonntag setzte sich das Team mit dem Namen „Creabotic“ gegen zwölf Konkurrenten aus ganz Deutschland in der „offenen Kategorie“ durch. Damit qualifizierten sich Jan Reinhardt aus Deidesheim, (15 Jahre, Kurfürst-Ruprecht-Gymnasium), Jan-David Johann (16, Leibniz-Gymnasium) und Florian Gilges (19, Abiturient des Nikolaus-von-Weis-Gymnasiums Speyer) für das Weltfinale in Neu-Delhi. Dabei hatte es vor einigen Wochen beim Landesentscheid in Ingelheim gar nicht so gut ausgesehen. „Wir haben die Zeitvorgabe bei unserer Präsentation weit überzogen“, erzählt Jan-David. Fünf Minuten waren für die Präsentation vorgesehen, benötigt hat das Team eine Viertelstunde. Das Ergebnis: „nur“ 175 Punkte. Danach ging es an die Manöverkritik. Der begleitende Lehrer Sergej Buragin ist Ingenieur und ein erfahrener Wettbewerbs-Coach. Mit diversen Schülergruppen hat er bereits an zahlreichen Jugend-Forscht-Wettbewerben erfolgreich teilgenommen. „Die Robot-Olympiade ist transparent. Wir erfahren, welche Kriterien erfüllt sind oder was dazu gefehlt hat. Alles ist streng, aber gerecht geregelt“, berichtet Buragin. Nach der Analyse ging das Quartett zuversichtlich in die bundesweite Entscheidung in der Ludwigshafener Friedrich-Ebert-Halle. Zunächst wurden sie von ihren Mitkonkurrenten noch milde belächelt. „Noo-Noo“, der Name eines Staubsaugers aus der seichten Kindersendung „Teletubbies“, verhieß einen Beitrag, der eher zu den Verlierern zählen würde. Doch die so futuristisch anmutende Konstruktion verblüffte mit Aktionen und Geräuschpegel. Die Schüler meisterten auch das Problem, dass sich ihr Roboter auf nur zwei Quadratmetern bewegen durfte. Die ersten Hürden gab es schon während der Planungsphase. Der Flaschen-Staubsauger, dessen Haupteinsatzgebiet Strände sein sollten, musste ja auch praxistauglich sein. „Ein Fahrzeug versinkt im Sand oder tötet Lebewesen auf dem Boden. Ein Bootssauger hätte aber nicht genug Tiefgang“, schildert Florian Gilges die Problematik. Der 19-Jährige beherrscht zahlreiche Programmiersprachen und ist sozusagen der Denker des Teams. Eine Erfahrung, die für die Entwicklung des Roboters wichtig war, machte er bei einer Wattwanderung mit der Familie. Da erlebte er, wie schnell die Flut kommt und auch Strandwanderern den Rückweg abschneiden kann. Die drei Schüler konstruierten daher einen Luftkissen-Roboter, der zu Wasser und zu Land vorwärts kommt. Zwei Laubbläser erzeugen den Luftkissen-Effekt, für den notwendigen Vortrieb sorgen zwei Turbinen aus dem Modellbau. Um die Elektronik kümmerte sich Jan Reinhardt. Buragin habe ihm die Grundzüge erklärt und dann bei der Entwicklung geholfen, sagt der Deidesheimer. Die drei Jungs lachen. Man dürfe die „moralische Unterstützung“ des Lehrers nicht vergessen. Er könne sehr kritisch sein und motzen. Aber das sei genau der richtige Antrieb. Das Motzen bewirke die Trotzreaktion, es ihm zeigen zu wollen, erzählt Jan-David grinsend. Die Schüler duzen sich mit dem Lehrer. „Als Konstrukteure sind wir alle gleich“, ist Buragins Credo. So überzeugte nicht nur „Noo-Noo“ die Juroren, sondern auch das erfrischende Auftreten der Neustadter Crew. Am Ende gab es 194 von 200 Punkten. Und jetzt geht’s auf nach Neu Delhi.