Neustadt RHEINPFALZ Plus Artikel Fitnessstudios in der Pandemie: Erst testen, dann trainieren

Thomas Rössler (hinten) überreicht einem Sportstudio-Besucher einen Coronatest. In dem Studio der Rösslers gibt es für den Selbs
Thomas Rössler (hinten) überreicht einem Sportstudio-Besucher einen Coronatest. In dem Studio der Rösslers gibt es für den Selbsttest unter dem Vier-Augen-Prinzip einen extra Raum.

„Zwei Stunden anstehen für eine Stunde Sport? Das mache ich nicht.“ Das haben sich manche Fitnessstudio-Betreiber in den vergangenen Tagen von Kunden anhören müssen. Und dies ist nicht ihre einzige Sorge.

Seit gut zwei Wochen gilt die 2G-plus-Regel für den Besuch im Fitnessstudio. Wer bereits geboostert ist, wer also eine Auffrischungsimpfung erhalten hat, darf ohne Test trainieren. Für die Studios sind Coronatests nur schwer zu bekommen. Aber Schlange stehen vorm Testcenter möchte kaum ein Mitglied.

„Zwei Stunden anstehen für eine Stunde Sport, das mache ich nicht“, das sei die Meinung der meisten Kunden laut Kerstin Dietrich, Inhaberin des Gesundheitszentrums Körpergefühl. Gemeint sind die langen Schlangen an den Testzentren, die dem jüngsten Ansturm kaum gewachsen waren. Seit 4. Dezember benötigen erwachsene Amateur- und Freizeitsportler, die von Corona genesen oder erst zweimal gegen das Coronavirus geimpft sind, zusätzlich ein negatives Schnelltestergebnis, um Hallensport treiben beziehungsweise um ins Fitnessstudio gehen zu dürfen. Jene Sportler, die bereits die Auffrischungsimpfung, den Booster, erhalten haben, benötigen keinen Test. Für Jugendliche unter 18 Jahren gilt weiterhin die 3G-Regel.

Testzentrum neben dem Studio

Dass viele das lange Anstehen an den Testzentren nicht in Kauf nehmen wollen für ihren Besuch im Fitnessstudio, weiß auch Francois Ipach, Geschäftsführer des gleichnamigen Fitnesscenters. „Nach einer halben Stunde Warten in der Kälte hatten die Mitglieder keine Lust mehr“, erklärt der Studiobetreiber. Obwohl ein Testzentrum direkt an das Studio angrenze, bringe es seinen Kunden keine Vorteile. Zu überfüllt sei das Testcenter. „Wenn ich morgens um acht Uhr mein Studio aufschließe, stehen die Menschen bereits Schlange“, erzählt Ipach. Selbsttests vor Ort unter Beaufsichtigung könne er nur für Notfälle anbieten. Denn die Tests seien gerade nicht in hoher Stückzahl verfügbar.

„Vergangenes Jahr haben die Kunden gekündigt, weil Lockdown war. Dieses Jahr kündigen sie, weil die Testerei nicht funktioniert.“ So lautet die düstere Bilanz des Studioinhabers. Onlinekurse seien für sein Klientel ebenfalls kein ausreichender Ersatz. „Die Leute wollen sich im Studio treffen, sich unterhalten und zusammen trainieren“, weiß der Betreiber.

Reha-Patienten müssen nicht getestet werden

„Es ist schade, dass die Verantwortlichen Testpflichten auferlegen, bevor für ausreichend Testkapazitäten gesorgt ist“, kommentiert die Studioinhaberin Dietrich die Situation. Für ihr Gesundheitszentrum Körpergefühl konnte sie noch im Oktober eine Großbestellung an Selbsttests aufgeben. Heute seien diese Tests kaum noch zu bekommen.

„Einige Kunden bringen ihr eigenes Testset mit und machen den Test bei uns unter Aufsicht“, berichtet Dietrich. Nur wenige nähmen den Weg übers Testzentrum, denn dort seien die Wartezeiten zu lang. Trotzdem kämen noch viele Mitglieder regelmäßig zum Training. „Unser Augenmerk liegt mehr auf gesundheitlichen Aspekten als auf Fitness, und das bringt uns auch jetzt die Kunden“, sagt Dietrich. Die meisten seien bereits geboostert und benötigten keinen Test. Zudem habe das Studio viele Reha-Patienten, die ebenfalls nicht getestet werden müssten, da es sich um eine medizinisch verordnete Anwendungen handele. „Wir bitten aber auch unsere Reha-Patienten, sich zu testen. Denn viele unserer Kunden haben Vorerkrankungen und fühlen sich mit der 2G-plus-Regel sicherer“, sagt die Betreiberin.

Neukunden fehlen

Auch wenn die Bestandskunden weiterhin zum Trainieren kommen: Die Neukunden bleiben aus. Viele seien verunsichert und zögerten eine Anmeldung hinaus. „Noch ein weiteres Jahr ohne Neukunden wäre hart für uns“, erklärt Kerstin Dietrich.

Zwar verzeichnet auch das Sportstudio Rössler fast keine Neukunden, aber die Mitglieder kommen weiterhin zum Training. „Wir sind positiv überrascht, dass die 2G-plus-Regel so gut angenommen wird“, sagt Tanja Rössler, Geschäftsführerin des Sportstudios Rössler. Die Leute seien bereit, sich testen zu lassen. Das Studio bietet seinen Kunden Selbsttests vor Ort unter Beaufsichtigung für drei Euro an. Es ist auch möglich, einen eigenen Test mitzubringen. „Wir haben ein extra Zimmer für die Testungen, welches in einem positiven Falle über einen separaten Eingang verlassen werden kann“, berichtet Rössler. Momentan seien es im Schnitt vier Kunden pro Tag, die einen Test benötigten. Die meisten Kunden seien bereits geboostert. „Wir haben hauptsächlich älteres Klientel ab 50 Jahren aufwärts, das größtenteils schon die Auffrischungsimpfung bekommen hat“, erklärt die Geschäftsführerin. Die Mitglieder seien froh, dass sie trainieren und sich fit halten könnten. „Hauptsache, ihr macht nicht wieder zu“, sei das Echo der Kunden.

Umweg über Teststation

„Da jetzt nach und nach mehr Testzentren wieder öffnen, nehmen unsere Mitglieder den Umweg über die Teststation in Kauf“, sagt Phillip Otto, Studioleiter des Fitnessstudio Fitbase. Zwar könne man vor Ort Selbsttests unter Beaufsichtigung anbieten, allerdings nur in begrenztem Rahmen.

Zu Stoßzeiten wie nach Büroschluss gegen 17 Uhr kämen viele Kunden gleichzeitig ins Studio. Dann könne man nicht für genügend Beaufsichtigung und Abstand bei den Selbsttests vor Ort garantieren. Deswegen seien die Mitglieder angehalten, sich in den Testzentren testen zu lassen.

„Es gibt nur selten Diskussionen“, erzählt der Studioleiter. Die meisten hielten sich an die Regeln und erschienen mit dem erforderlichem Zertifikat. Um die langen Schlagen in den Testzentren zu umgehen, haben einige Mitglieder die Option, sich bei ihrem Arbeitgeber testen zu lassen, sagt Otto. Andere planten den Testtermin so, dass sie innerhalb der 24 Stunden zweimal ins Studio kommen könnten. „Derzeit arbeiten wir daran, eine zertifizierte Teststation auf unserem Parkplatz zu eröffnen“, erklärt der Studioleiter. Allerdings benötige man dafür noch etwas Zeit.

Erwachsene Amateur- und Freizeit-Sportler, die bislang erst zweimal geimpft sind, müssen sich vor dem Fitnessstudio-Besuch noch
Erwachsene Amateur- und Freizeit-Sportler, die bislang erst zweimal geimpft sind, müssen sich vor dem Fitnessstudio-Besuch noch testen lassen.
x